STANS: Neuer Grossauftrag für Pilatus Flugzeugwerke in Sicht

Frankreich dürfte sich schon bald für neue Trainingsflugzeuge entscheiden. Alles deutet darauf hin, dass die Pilatus Flugzeugwerke den millionenschweren Zuschlag erhalten werden.

Maurizio Minetti
Drucken
Teilen
Könnte bald in Frankreich für Trainingsflüge genutzt werden: der Pilatus PC-21.Bild: Major Andri Spinas/VBS (Sion, 12. Juli 2011)

Könnte bald in Frankreich für Trainingsflüge genutzt werden: der Pilatus PC-21.Bild: Major Andri Spinas/VBS (Sion, 12. Juli 2011)

Der Stanser Flugzeughersteller Pilatus steht kurz vor einem weiteren Grossauftrag. Die französische Luftwaffe wird in den kommenden Monaten einen millionenschweren Auftrag für 20 bis 25 Trainingsflugzeuge erteilen. Pilatus kann sich mit seinem Turboprop-Trainer PC-21 berech­tigte Hoffnungen machen, zum Handkuss zu kommen.

Ungewöhnlich offen zeigte sich Markus Bucher letzte Woche an der Luftfahrtmesse NBAA im US-amerikanischen Orlando. Der Pilatus-CEO sagte, dass eine Auftragsvergabe der franzö­sischen Beschaffungsbehörde demnächst zu erwarten sei.

Alpha-Jet-Trainer werden ersetzt

Bei Pilatus präzisiert man allerdings nun auf Anfrage, dass ein Vertragsabschluss «nicht in unmittelbarer Aussicht» sei. Zwar bestätigt Verwaltungsratspräsident Oscar J. Schwenk, dass der Stanser Flugzeughersteller mit Frankreich über den Kauf von PC-21 in laufenden Verhandlungen ist. «Pilatus weiss zum aktuellen Zeitpunkt jedoch nicht, welche Konkurrenzprodukte tatsächlich noch im Rennen sind. Bis jetzt wurden noch keine Preisverhandlungen getätigt, und ein Konsortium muss erst noch gebildet werden», so Schwenk.

In der Luftfahrt-Fachpresse weiss man allerdings zu berichten, dass zwei Konsortien um den Auftrag buhlen: eines rund um Airbus und das andere rund um die englische Rüstungsfirma Babcock. Glaubt man den Berichten, kann Pilatus gar nicht verlieren: Beide Konsortien sollen mit dem PC-21 aus Stans offeriert haben. Pilatus will dies auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren: «Aufgrund der laufenden Verhandlungen geben wir keine weiteren Informationen», heisst es aus Stans. Dass die französische Luftwaffe neue Trainingsflugzeuge evaluiert, ist seit 2013 bekannt.

Zu Beginn der Evaluation waren noch die Flieger des italienischen Herstellers Alenia Aermacchi und des tschechischen Herstellers Aero Vodochody im Rennen, doch relativ bald fiel Pilatus die Favoritenrolle zu.

Mit dem sogenannten Projekt «Fomedec» will Frankreich die veralteten Alpha-Jet-Trainingsflieger von Dassault ersetzen. Der Hersteller aus Saint-Cloud bei Paris hatte bekannt gegeben, kein Geld für die Entwicklung eines neuen Trainers investieren zu wollen. Mit den neuen Trainingsflugzeugen sollen Piloten des Dassault-Kampfjets Rafale ausgebildet werden.

Cognac-Projekt ist verspätet

Allerdings zieht sich die Evaluation in die Länge. Das zeigt schon der Projektname: Zu Beginn hiess das Projekt noch «Cognac 2016» in Anlehnung an das Vorhaben, die Jagdfliegerschule in diesem Jahr von Tours nach Cognac zu transferieren. Nun wird es aber frühestens 2018. Trotzdem soll der Entscheid für die Trainingsflugzeuge spätestens Anfang 2017 erfolgen, heisst es in französischen Medienberichten.

Einer der Gründe für die Verzögerung ist die Finanzierung. Die Luftwaffe sah zu Beginn eine öffentlich-private Partnerschaft vor, doch mittlerweile soll man sich auf ein Leasing geeinigt haben. Aus diesem Grund ist noch nicht absehbar, wie gewichtig der potenzielle Auftrag für Pilatus sein könnte.

Bei einem herkömmlichen Kauf würde sich die Summe zwischen 300 und 400 Millionen Franken bewegen.

Maurizio Minetti