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STANS: Neuer Grossauftrag in Greifweite

Die australische Luftwaffe will 49 PC-21 von Pilatus kaufen. Der Wert des Auftrages dürfte die Milliardengrenze knacken. Doch der Vertrag ist noch nicht unter Dach und Fach.
Maurizio Minetti
Zwei PC-21 kreisen über den Schweizer Bergen. Die zweisitzigen Nidwaldner Turboprop-Maschinen sind beliebte Trainingsflugzeuge für künftige Jet-Piloten. (Bild: PD)

Zwei PC-21 kreisen über den Schweizer Bergen. Die zweisitzigen Nidwaldner Turboprop-Maschinen sind beliebte Trainingsflugzeuge für künftige Jet-Piloten. (Bild: PD)

Maurizio Minetti

Mindestens zwei Grossaufträge brauche man bis Ende Jahr, ansonsten ­drohe ein Einbruch, sagte der Verwaltungsratspräsident der Stanser Pilatus-Flugzeugwerke, Oscar J. Schwenk, im April dieses Jahres. Einer davon ist in greifbarer Nähe. Es könnte einer der grössten Aufträge in der Firmengeschichte von ­Pilatus werden. Australische Medien berichteten am vergangenen Sonntag, dass die Luftwaffe Australiens 49 Pilatus-PC-21-Flugzeuge zu Trainingszwecken kaufen wolle. Sie sollen ab 2019 im Einsatz stehen.

Pilatus ersetzt Pilatus

In Stans gibt man sich dazu wortkarg: «Pilatus kann bestätigen, dass mit Australien über die Beschaffung eines PC-21-Trainingssystems verhandelt wird», sagt Schwenk auf Anfrage. Am vergangenen Wochenende habe das Verteidigungsministerium bestätigt, dass Pilatus der bevorzugte Anbieter sei, wobei «noch kein Vertrag unterzeichnet wurde», so Schwenk weiter. Man könne aufgrund der laufenden Verhandlungen keine Stellung nehmen und werde über «dieses potenzielle Geschäft» informieren, sobald ein Vertrag unterzeichnet worden sei. Der australische Verteidigungsminister Kevin Andrews und Luftwaffenchef Leo Davies haben hingegen den Auftrag laut australischen Medien bereits am Sonntag in Victoria verkündet, wo sich das Schulungszentrum der Luftwaffe befindet. Den Berichten zufolge sei Pilatus Teil eines Konsortiums, das nun von der australischen Regierung zum bevorzugten Anbieter gewählt wurde. Zu dieser Gruppe gehören neben Pilatus auch der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin und das US-amerikanische Instandhaltungsunternehmen Hawker Pacific. Den Kürzeren gezogen haben BAE System, CAE und Beech, welche ein System namens T-6C angeboten hatten. 22 Exemplare des Turboprop-Trainingsflugzeugs aus Stans sollen auf der Basis East Sale in Victoria stationiert werden, weitere 27 sollen beim Trainingsstützpunkt Pearce in Perth eingesetzt werden, wo die Fortgeschrittenenaus­bildung stattfindet. In East Sale sollen ab 2019 jedes Jahr 165 Piloten für die Ausbildung aufgenommen werden, sagte Andrews. Die Zahl der Absolventen könne so von 77 auf 105 Piloten pro Jahr erhöht werden. Der Luftwaffenchef Davies ergänzte, dass beim Pilotentrainingssystem die neuste Technologie zur Anwendung komme. Die neuen Flugzeuge ersetzen 63 derzeit genutzte PC-9 von Pilatus. Die australische Luftwaffe hat über 67 Pilatus-Maschinen, die vor 22 beziehungsweise 23 Jahren ausgeliefert wurden.

Stückpreis bei rund 20 Millionen

Die Tageszeitung «The Australian» schrieb gestern, der gesamte Auftrag des Konsortiums habe einen Wert von ungefähr 2 Milliarden US-Dollar über die Dauer von 25 Jahren. Wie gross der Anteil von Pilatus ist, gibt das Unternehmen zumindest vorerst nicht bekannt. Die Regierung von Australien kauft mit dem PC-21 nicht nur Flugzeuge, sondern ein ganzes System, das aus diversen Komponenten wie Simulatoren für Jet-Piloten besteht. Aus diesem Grund ist es auch für aussen­stehende Experten schwierig, das finanzielle Volumen des Auftrags zu schätzen. Rolf Müller, Redaktor bei der Schweizer Fachzeitschrift «Cockpit», wagt trotzdem eine Schätzung. Er nimmt an, dass der sogenannte «Fly away»-Preis eines PC-21 bei rund 20 Millionen Franken liegen dürfte. Damit ist nur der Basispreis gemeint, ohne Extras. Hinzu kommen die gewählten Trainingsmodule, zum Beispiel für den Bodenkampf oder den Luftkampf.

Ein Meilenstein für Pilatus

Je nach Ausstattung der Flugzeuge dürfte der Auftrag für Pilatus laut Müller schätzungsweise über 1 Milliarde Franken wert sein. Zum Vergleich: Vor drei Jahren hatte Katar zwei Dutzend PC-21-Flugzeuge für rund 600 Millionen Franken bestellt (siehe Grafik). Mit Australien könnte Pilatus demnach einen der bedeutendsten Deals der letzten Jahre an Land ziehen – so der Vertrag denn auch unterschrieben wird.

Oscar J. Schwenk hatte im April im Gespräch mit unserer Zeitung gesagt, er hoffe bis Ende Jahr auf einen Auftrag der australischen Regierung über die Lieferung von PC-21-Trainingsflugzeugen. «Aktuell arbeiten wir unser Bestellungsbuch ab, in diesem Jahr müssen wir aber wieder zwei neue Grossaufträge gewinnen», sagte Schwenk damals. Ob dadurch neue Stellen in Stans geschaffen werden können, liess Schwenk gestern allerdings offen.

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