STANS: Unterwalden und die weite Welt

«Globale Schweiz!?» Unter dem Titel hat gestern das Wirtschaftsforum Unterwalden stattgefunden. Die Globalisierung wurde dabei von drei prominenten Referenten aus unterschiedlicher Sicht beleuchtet.

Ernst Meier
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Reiner Eichenberger, Professor für Finanz- und Wirtschaftspolitik, sprach in Stans. (Bild: Eveline Beerkircher)

Reiner Eichenberger, Professor für Finanz- und Wirtschaftspolitik, sprach in Stans. (Bild: Eveline Beerkircher)

Innovative Firmen wie Maxon Motor in Sachseln oder die Pilatus-Werke in Stans beweisen, dass in Ob- und Nidwalden Hightech-Produkte für den internationalen Markt entwickelt werden. Während die beiden Halbkantone ihre politische Eigenständigkeit vehement verteidigen, kennt man in der Wirtschaft weniger Berührungsängste. So führt man jährlich das Wirtschaftsforum Unterwalden durch. Die Industrie- und Wirtschaftsvereinigung Unterwalden sowie die Nidwaldner Jungunternehmer haben gestern wieder zum Netzwerkanlass nach Stans geladen. Die über 300 Teilnehmer erwarteten drei hochkarätige Referenten, die zum Motto «Globale Schweiz!?» sprachen. Was die Globalisierung bewirkt und welche Folgen sie auf die Schweiz haben könnte, erläuterten je ein Vertreter aus Politik und Wirtschaftslehre sowie eine Journalistin.

Moralische Pflichten

Alt Bundesrat Joseph Deiss strich die wirtschaftliche Bedeutung der Schweiz hervor: «Wir stellen zwar nur 1 Promille der globalen Bevölkerung, produzieren aber gut 1 Prozent der weltweiten Güter und Dienstleistungen. Unser Land zählt zu den 20 stärksten Volkswirtschaften.» Die Schweiz müsse sich dabei ihrer moralischen Verpflichtungen bewusst sein. Errungenschaften wie die Demokratie oder die Neutralität seien zu verteidigen. Aber auch internationale Engagements (IKRK, UNO oder WTO) müssten gepflegt und mitgestaltet werden. Deiss unterstrich die Bedeutung der Zuwanderung und der bilateralen Verträge. «Eine Abschottung gegenüber dem Ausland wäre in der globalisierten Welt lebensgefährlich», sagte der heutige Verwaltungsrat von Alstom Schweiz.

Einen eindrücklichen Einblick in ihre Arbeitswelt gab es von Barbara Lüthi. Die preisgekrönte Journalistin des Schweizer Fernsehens berichtet seit 2006 aus China. Während dieser Zeit hat die Wirtschaft des Landes jährlich bis zu 10 Prozent zugelegt. China ist heute hinter den USA die zweitgrösste Volkswirtschaft. Lüthi, die mit ihrer Familie in Hongkong lebt, erzählte vom rasanten Wandel des asiatischen Riesen, ohne die negativen Auwirkungen (Korruption, Umweltverschmutzung usw.) zu verschweigen. «China braucht Wachstum, um soziale Unruhen zu verhindern.» Für die Schweiz biete China viele Chancen. Gerade im Bereich Cleantech sei das Potenzial für die Industrie gross. Den anwesenden Wirtschaftsleuten gab die Journalistin Tipps für die Zusammenarbeit mit Chinesen. «Erwarten Sie beim Geschäften nicht moralisches Vorgehen, wie Sie das hier handhaben. Chinesen dürfen einander ‹über den Tisch› ziehen. Das gehört dazu.»

Schweiz profitiert von China

China und die Globalisierung sieht der Ökonom Reiner Eichenberger als «Segen für die Schweiz», wie er sagt. Der Professor für Finanz- und Wirtschaftspolitik referierte pointiert und sorgte auch für Lacher im Publikum. So zum Beispiel, als er den Aufstieg Chinas mit einer Ehe verglich. «Wenn eine Frau alles dreimal besser kann als ihr Mann, so heisst das noch lange nicht, dass sie auch alle Arbeiten übernehmen wird», sagte er. Die Frau würde das Rasenmähen wohl dem Mann überlassen, «weil sie in der Zeit etwas machen kann, in dem sie noch besser ist». Entsprechend sei die Angst unbegründet, dass der wachsende Reichtum der Chinesen zu unserem Nachteil werde. «Die Schweizer profitieren vom Aufstieg Chinas.» Das Land könne mehr von der Schweiz kaufen; neue Arbeitsplätze würden entstehen. Gleichzeitig sei es ein Ansporn für die Schweiz, innovativ und konkurrenzfähig zu bleiben.

Beim anschliessenden Netzwerk-Apéro wurde fleissig über die Chancen der Globalisierung diskutiert. Die Wirtschafts­vertreter zeigten sich dabei offen – auch wenn altbekannte Grenzen bestehen. So erzählte ein Vertreter eines Nidwaldner Handwerksbetriebes, dass man gut ausgelastet sei mit Aufträgen aus dem eigenen Kanton. «Und aus Obwalden?» – «Nein, das überlassen wir den dortigen Mitbewerbern. Das gibt nur böses Blut, wenn wir da auch mitmischen.»