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STARKER FRANKEN: So wappnen sich die heimischen Firmen

Die Aufhebung des Mindest- kurses hat die Produkte der heimischen Industrie massiv verteuert. Um dies abzu­federn, setzen die Firmen auf unterschiedliche Rezepte.
Die Auftragslage ist gut, die Margen sind stark unter Druck: Ein Blick in die Produktion der Swiss Steel AG in Emmenbrücke. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Die Auftragslage ist gut, die Margen sind stark unter Druck: Ein Blick in die Produktion der Swiss Steel AG in Emmenbrücke. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Hans-Peter Hoeren

Die Auftragslage ist gut. Die Produktion im Stahlwerk in Emmenbrücke mit seinen rund 470 Mitarbeitern läuft auf Hochtouren. Anders als im Jahr 2009, als nach Ausbruch der Finanzkrise für die ganze Belegschaft fast ein Jahr Kurzarbeit galt. «Aktuell wäre Kurzarbeit für uns die falsche Massnahme. Wenn wir uns jetzt vom Markt verabschieden würden, würde die Konkurrenz einspringen», erklärt Carlo Mischler, CEO der Swiss Steel AG.

Dennoch ist er überzeugt: «Das wird kein gutes Jahr für uns werden.» Der Grund liegt bei der Aufhebung des Euro-Mindestkurses, mit der massiven Aufwertung des Frankens als direkte Folge. Die Stahlprodukte des Unternehmens verteuerten sich auf einen Schlag um 15 bis 20 Prozent. Da die Kunden aber die höheren Preise aufgrund der Frankenaufwertung nicht akzeptieren, muss das Unternehmen sparen. Effizienzsteigerungsmassnahmen seien eingeleitet worden, ein geplanter Personalaufbau gestoppt, sagt Mischler. Bis zu 70 Prozent der Vorleistungen und Vorprodukte könne man in Euro einkaufen. «Das ist für uns ein grosser Hebel», sagt Mischler. Das Unternehmen ist Teil des Schmolz+Bickenbach-Konzerns.

Leister-Mitarbeiter arbeiten mehr

Auch die Leister-Gruppe in Obwalden hat auf die Frankenaufwertung mit einem Bündel an Massnahmen reagiert. «Wir sehen zurzeit keinen Einbruch bei unseren Aufträgen, soweit wir unseren Kunden je nach Land und Aufwertung des Schweizer Frankens Währungsrabatte bis zu einem zweistelligen Prozentsatz gewähren», sagt Verwaltungsratspräsidentin Christiane Leister.

Zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit hätten alle Projekte mit Effizienz- und Produktivitätssteigerung höchste Priorität. «Unsere Mitarbeitenden haben sich bereit erklärt, freiwillig die Arbeitszeit zu erhöhen, damit diese Projekte schneller umgesetzt werden», erklärt Leister. Von den Lieferanten in der Schweiz erwarte sie Sofortmassnahmen und wettbewerbsfähige Preise, damit sie nicht gezwungen sei, Lieferantenverlagerungen ins Ausland zu tätigen.

Schurter profitiert von Verlagerung

Gemäss Felix Howald, Direktor der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz, setzen derzeit viele Unternehmen in der Zentralschweiz intern auf Einstellungs- und Investitionsstopps. Bei der Luzerner Schurter-Gruppe beispielsweise prüft man zudem sehr genau, welche Investitionen zwingend notwendig sind und welche sich in der aktuellen Situation verschieben lassen. «In der aktuellen Situation helfen uns nur Massnahmen mit einer langfristigen Wirkung», sagt CEO Ralph Müller. Im vergangenen Jahr hat der Hersteller von Elektronikkomponenten entschieden, die Produktionsfläche in seinem Werk in Tschechien zu verdoppeln. «Mit dem Ausbau des Werks in Tschechien werden künftig rund 80 Prozent unserer Produkte im Ausland hergestellt», sagt Müller. Der Hauptsitz in Luzern habe sich zum Kompetenzzentrum für die ganze Gruppe entwickelt. Das sichert die Arbeitsplätze am Hauptsitz in Luzern. Deren Zahl habe sich in den vergangenen Jahren ziemlich konstant bei 330 Mitarbeitern bewegt. «Der Bau der Automaten und Prototypen findet immer noch in Luzern statt, die Serienfertigung aber im Ausland», sagt Müller. Die Schweizer Industrie sei es seit langem gewohnt, selber Wege aus der Krise finden zu müssen.

Beim Obwaldner Kleinmotorenhersteller Maxon Motor setzt man auf eine ähnliche Strategie. «Die Bedeutung unserer Werke in Deutschland, Ungarn und Korea wird durch die heutige Lage zunehmen», sagte Maxon-Chef Eugen Elmiger der «NZZ am Sonntag».

V-Zug prüft Schritte

Von kurzfristigen Massnahmen absehen will man aktuell beim Zuger Haushaltsgerätehersteller V-Zug. Dieser beschäftigt schweizweit 1400 Mitarbeiter, deutlich mehr als die Hälfte der Zulieferer stammt aus der Schweiz. «Wir sind uns bewusst, dass gerade in dieser Zeit Qualität, Präzision und das Bieten von Mehrwerten auch im After-Sales-Service wichtig sind», sagt Philipp Hofmann, Marketingleiter bei V-Zug. Das Unternehmen prüfe, inwiefern es Massnahmen effektiv umsetzen könne.

Konkreter ist man beim Medizinaltechnik-Hersteller Schiller in Baar: «Die Löhne sind vorläufig auf Stand 2014 eingefroren», sagt ein Sprecher. Einen Personalstopp hat hingegen das Industrieunternehmen Bucher Industries für alle seine Standorte verhängt, auch für das Werk im zugerischen Neuheim. Zudem müssten einzelne grössere Investitionen vom CEO der Bucher-Gruppe genehmigt werden, sagt eine Firmensprecherin.

«Viele kleinere Betriebe verlängern jetzt die Arbeitszeit»

Werkplatz hoe. 1400 Mitgliedsbetriebe zählt der Industrieverband Swissmechanic. Diese beschäftigen rund 60 000 Mitarbeiter; sie generieren rund 15 Milliarden Franken Umsatz pro Jahr. Zu dem Verband gehören viele kleinere Unternehmen aus der Maschinen-, der Elektro- und der Metallbranche. Das Gros ihrer Kosten fällt in der Schweiz an. Anders als grössere KMU oder Konzerne haben sie wegen ihrer Grösse wenig Möglichkeiten, den Frankenschock über Verlagerungen oder vermehrten Einkauf im Ausland abzufedern. Im Interview gibt Swissmechanic-Direktor Oliver Müller ein Stimmungsbild.

Oliver Müller, mit welchen Massnahmen reagieren die Mitgliedsunternehmen von Swissmechanic auf die Frankenaufwertung?
Oliver Müller: Selbst bei einem Eurokurs von 1.06 Franken sind die Einnahmen der Unternehmen immer noch um 10 bis 15 Prozent reduziert – und das bei ohnehin einstelligen Gewinnmargen in der Branche. 95 Prozent unserer Mitgliedsunternehmen müssen Massnahmen ergreifen, um die zu erwartenden Verluste zu kompensieren. Die Auslastung der Unternehmen ist aber relativ gut, deshalb hilft Kurzarbeit nur in wenigen Fällen.

Welche Massnahmen ergreifen denn die Unternehmen?
Müller: Jene Firmen, die bereits gehandelt haben, setzen auf Prozessoptimierungen oder Verhandlungen mit den Lieferanten. Es gibt aber auch viele kleinere Unternehmen, welche die Arbeitszeit ohne Lohnausgleich verlängern. Vereinzelt kommt es bereits auch zu Stellenabbau.

Mehr arbeiten ohne Lohnausgleich, das geht aber zu Lasten der Motivation der Mitarbeiter.
Müller: Das Ziel der Unternehmen ist immer, die Produktivität zu steigern. Dies ist aber nicht immer sofort realisierbar. Wenn die Mitarbeiter für das gleiche Geld mehr arbeiten, hat das Unternehmen eine Entlastung auf der Kostenseite und gewinnt Zeit, um Produktivitätsfortschritte in der Produktion realisieren zu können. Von Seiten der Mitarbeiter funktioniert das in der Regel recht gut, weil sie die Situation der Firma relativ gut verstehen.

Haben die betroffenen KMU denn noch Potenzial für Verbesserungen?
Müller: Viele Betriebe der Maschinen-, der Elektro- und der Metallindustrie haben in den vergangenen Jahren bereits grosse Anstrengungen unternommen, um die Produktivität zu steigern. Sie sind vielleicht gerade mal seit einem Jahr wieder in der Gewinnzone. Nochmals Produktivitätssteigerungen von 20 Prozent zu realisieren, ist kaum möglich. Im Vergleich zur letzten Krise haben wir deshalb viel mehr Anfragen beim Verband.

Wie können die Firmen jetzt noch Gegensteuer geben?
Müller: Ein Thema, das viele Unternehmen beschäftigt, ist die langfristige Strategie für die nächsten zehn Jahre. Da geht es um die kritische Grösse, um am Markt zu bestehen. Ein Weg sind Kooperation von kleineren Firmen oder Fusionen. Dies mit dem Ziel, um eine bessere Position am Markt zu erlangen und allenfalls auch eine Niederlassung im Ausland eröffnen zu können.

Das heisst letztlich doch: Es werden Arbeitsplätze abgebaut.
Müller: Die Zahl der Arbeitsplätze und der Firmen in der Schweiz wird zurückgehen. Aber die Firmen, die bleiben, könnten gestärkt aus dem Prozess hervorgehen, weil sie sich strategisch besser aufgestellt haben. Die kritische Grösse ist jedoch nur eine Möglichkeit. Schweizer KMU haben weiter Potenzial bei der Bearbeitung des Weltmarktes und des europäischen Marktes. Entscheidend ist letztlich auch die Innovationsfähigkeit.

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