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START-UP: Auch Chefs sollen sicher chatten

Messengerdienste wie WhatsApp ersetzen zunehmend die Kommunikation via E-Mail. Auch in Unternehmen. Dank einer Zuger App sollen Firmenchefs abhörsicher tele-fonieren und chatten können.
Roman Schenkel
Wenn Geschäftsleute über Smartphone-Apps chatten, sollte ein höherer Sicherheitsstandard gelten. (Bild: Getty)

Wenn Geschäftsleute über Smartphone-Apps chatten, sollte ein höherer Sicherheitsstandard gelten. (Bild: Getty)

Roman Schenkel

Das Schlösschen tauchte Anfang April beim Nachrichtendienst WhatsApp auf. «Nachrichten, die Sie in diesem Chat senden, sowie Anrufe sind jetzt mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt», liess WhatsApp per Kurzmitteilung verlauten. Neben Nachrichten sollen auch Fotos, Videos, Sprachnachrichten, Dokumente und Anrufe besser davor geschützt sein, in die falschen Hände zu gelangen. Das sollte das Schlösschen von WhatsApp anzeigen.

Verlorenes Vertrauen

Alles sicher also? «Auf keinen Fall», sagt Wolfgang Sidler (53), stellvertretender Datenschützer des Kantons Luzern. Spätestens seit den Snowden-Enthüllungen hätten viele Leute und auch Unternehmen starke Bedenken, ihre Kommunikation über US-amerikanische Apps und über Server in den USA laufen zu lassen. Und genau dort stehen die Server von WhatsApp, das 2014 von Facebook übernommen wurde. «Die Affäre um Edward Snowden hat das Vertrauen in die Geheimdienste erschüttert – namentlich in den amerikanischen Geheimdienst NSA», betont Sidler.

Trotz aller Bedenken: Chat-Applikationen wie WhatsApp, der Messenger von Facebook oder Threema mit Sitz in Pfäffikon SZ lösen zunehmend die klassische Kommunikation via E-Mail und SMS ab. «Selbst im Management von Firmen wird gechattet», weiss Sidler. Doch während E-Mails in der Regel aufwendig, wenn überhaupt, mittels Verschlüsselung geschützt sind, würden Smartphones vernachlässigt. «Das ist etwa so, wie wenn ich einen Bunker mit meterdicken Betonmauern baue, aber die Türe offen lasse», kritisiert der Datenschützer.

Mensch als Schwachstelle

Ein zusätzliches Problem liegt darin, dass immer mehr Unternehmen und Organisationen in ihrer Mobile-Strategie zulassen, dass die Mitarbeitenden ihr privates Smartphone auch bei der Arbeit nutzen. «Hier liegt die grösste Gefahr. Der Mensch ist das schwächste Glied in der Sicherheitskette», sagt Sidler. Für eine Attacke brauche es keine Technik, keine Software. Deshalb bringe für Unternehmen die Digitalisierung in Kombination mit der verstärkten Mobilität der Mitarbeitenden neue Gefahren und Bedrohungen. «Unternehmensdaten sind so stärker exponiert», sagt Sidler. Sei es durch den Verlust oder Diebstahl von Geräten oder eben durch Hacker, bezahlt von kriminellen Organisationen oder im Auftrag eines Mitbewerbers.

Sidler weiss, wovon er spricht. Er arbeitet seit über 19 Jahren im IT-Sicherheitssektor. Zuerst in der Finanzbranche, dann bei auf Informationstechnologie spezialisierten Sicherheitsunternehmen wie die Zuger Infoguard oder Crypto. Dabei hat Sidler unter anderem Regierungen beraten und für verschiedene Länder die Kommunikation von Ministerien «sicher gemacht». Nun nimmt er sich der Kommunikation und Privatsphäre von Unternehmensspitzen an.

Daten in Bern

Hier wird aus dem Datenschützer – er besetzt beim Kanton ein 40-Prozent-Pensum – ein IT-Geschäftsmann. Zusammen mit seinen zwei Partnern Davide Pulver und Hans-Peter Furrer hat Sidler die Zuger Firma Sasera gegründet und die gleichnamige App auf den Markt gebracht. Diese ermöglicht verschlüsselte und abhörsichere Kommunikation. Eine simple Kopie von WhatsApp? Sidler lacht: «Wir sind Whats­App mit einem Schweizer Zertifikat.» Denn anders als die Daten der US-Firma liegen die Daten von Sasera auf einem Server im Berner Oberland tief in den Alpen. Sie sind in einem Rechenzentrum der Zuger Firma Siag gespeichert, das bezeichnenderweise den Namen «Swiss Fort Knox» trägt. «Dort sind sie sicher vor dem Zugriff des amerikanischen Geheimdienstes», erklärt Sidler. Ein weiterer Unterschied ist die Zielgruppe. Während WhatsApp und Threema Privatkunden im Fokus haben, richtet sich Sasera ausschliesslich an Geschäftskunden. «Unsere App wird nie im App-Store zu kaufen sein», sagt Sidler. Im Visier hat Sasera Manager, Verwaltungsräte, Anwaltskanzleien oder Familiy Offices, für welche ihr Know-how und Privatsphäre wichtig sind. «Sie können sich mit unserer App abhörsicher austauschen, zum Beispiel im Vorfeld einer Übernahme oder eines Gerichtsfalles», sagt Sidler.

Ausserhalb einer definierten Chat-Gruppe könne die Kommunikation von niemandem entschlüsselt werden, so Sidler. Die Funktionen bleiben jedoch dieselben wie bei WhatsApp oder der ebenfalls aus der Schweiz stammenden App Threema: Mit Sasera Talk sind Nachrichten, Gruppenchats, Telefonanrufe oder Gruppentelefonkonferenzen möglich.

Nicht für Privatkunden

Die Technologie dafür kommt vom Schweizer Unternehmen Qnective, Sasera ist Lizenznehmer. Im Unterschied zu WhatsApp und Threema schützt die Sasera-Talk-App nicht nur Handychats, sondern auch Smartphone-Telefonie und -SMS vor Hackerangriffen und der Überwachung der Geheimdienste. Die Technik von Qnective ist erprobt: Die Zürcher Firma hat ihre Technologie an die Regierungen von Malaysia und Pakistan liefern können. «Diese Staaten haben die Verschlüsselung auf Herz und Nieren geprüft», betont Sidler.

Seit dem 1. Juni ist die App auf dem Markt. Mit Erfolg: «Erste Kunden aus dem Finanzsektor und ein namhaftes Innerschweizer Unternehmen testen die App bereits», sagt Sidler. Günstig ist Sasera Talk jedoch nicht. Eine Jahres­lizenz kostet 950 Franken. Wer eine Lizenz beantragt, wird von Sasera genau unter die Lupe genommen. «Unser Angebot richtet sich ausschliesslich an Firmen. Wir wollen verhindern, dass sie für militärische oder gar terroristische Zwecke missbraucht wird», sagt Sidler.

Sasera - die Fakten

Hauptsitz: Zug
Gründungsjahr: 2016
Gründer: Wolfgang Sidler, Davide Pulver, Hans-Peter Furrer
Anzahl Mitarbeiter: 3
Bisher gesammeltes Kapital: 120'000 Franken
Zweck: Entwicklung einer sicheren Kommunikations-App
Gewinnschwelle erreicht: bis Ende 2016
Erstes kommerzielles Produkt: seit 1. Juni 2016 auf dem Markt

Schutz gegen die Gefahr aus dem Cyberspace

«Stell dir vor, es ist Krieg und keiner sieht ihn.» Mit diesem auf die Onlinewelt adaptierten Zitat leitete Riccardo Sibilia seinen Vortrag an der Veranstaltung zum Thema «Cyber Security» vom letzten Dienstag in Steinhausen ein. Sibilia ist Chef der Cyber-Bedrohungsanalyse der Schweizer Armee. Er zeigte auf, wie unscheinbar und gleichzeitig perfid die Gefahren sind, die dem Militär heute aus der Cyberwelt drohen. Neben den computergesteuerten Waffensystemen und der IT-Infrastruktur sei jeder Soldat, der mit seinem Handy Bilder und Signale verschicke, potenzielles Zielobjekt, das es vor Hackerangriffen zu schützen gelte, sagte er.

Internetkriminalität nimmt zu

Zwei Experten des auf Informationssicherheit und Hackerabwehr spezialisierten Baarer Unternehmens Infoguard wiesen auf die Gefahren der Cyberwelt hin, denen Unternehmen und Privatpersonen bei den täglichen Arbeiten im Internet ausgesetzt sind.

Mit einem Ausflug ins Dark Net (Teil des Internets) zeigten sie, wie schnell Angreifer an spezielle Software – sogenannte Malware – kommen. Diese setzen sie zum Ausspionieren von fremden Computersystemen ein. Die Folge sind Virenattacken und Lösegelderpressungen. «Bereits heute zählen Cyberattacken zu den grössten Risiken für Unternehmen», erklärte Thomas Meier, CEO von Infoguard. «Mit zunehmender Vernetzung im Geschäftsalltag und steigender ‹Kommerzialisierung› der Online-Kriminalität wird dies noch mehr zunehmen.»

Infoguard spürt das wachsende Sicherheitsbedürfnis. Das zur Zuger Crypto-Gruppe gehörende Unternehmen baut weiter aus. Im Mai wurde eine Niederlassung in Bern eröffnet. Infoguard beschäftigt rund 70 Sicherheitsexperten und zählt über 300 Kunden.

eme

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