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START-UP: Einsame Kämpferin für eine weiblichere Wirtschaft

Der Frauenanteil bei Schweizer Jungunternehmen ist erschreckend tief. Die Start-up-Gründerin Lea von Bidder rüttelt die Szene nun auf.
Jungunternehmerin Lea von Bidder. (Bild: PD)

Jungunternehmerin Lea von Bidder. (Bild: PD)

Wenn Lea von Bidder Investorenevents besucht, ist sie oft die einzige Frau im Raum. Die 27-jährige Zürcherin ist Startup-Gründerin und bewegt sich damit in einer klassischen Männerdomäne. Jüngst sorgte sie mit einem Beitrag im Karrierenetzwerk LinkedIn für Aufsehen. Der Titel: «Warum Ihre Tochter wohl keine Startup-Gründerin in der Schweiz sein wird.» Darin zeigt sie auf, dass nur 11 von 108 Gründern der 50 wichtigsten Schweizer Jungunternehmen Frauen sind. Mit Jungunternehmen sind in diesem Kontext technologiegetriebene Start-ups gemeint, die Risikokapital anziehen und ein hohes Wachstumspotenzial haben.

Für Lea von Bidder führt der tiefe Frauenanteil in der Start-up-Szene zu einem Teufelskreis in der gesamten Wirtschaft: Junge Firmengründer rekrutieren ihre Mitarbeiter in ihrem (männlichen) Umfeld, sie suchen Investorenkapital in ihren (männlichen) Netzwerk, werden Jahre später vielleicht selber Kapitalgeber und investieren ihr Geld vorwiegend in Unternehmen, deren Geschäftsmodell sie verstehen - weil es von Männern ersonnen wurde. So seien Geschäftsideen von Frauen von vornherein benachteiligt.

Lea von Bidder selbst hat 2014 das Jungunternehmen Ava Science mitgegründet. Mit Ava wolle sie «einen Beitrag für Frauen leisten», sagt sie. Die Zürcher Firma entwickelt Armbänder, mit denen Frauen ihre fruchtbaren Tage innerhalb des Menstruationszyklus erkennen können. So erfährt die Trägerin, an welchen Tagen sie schwanger werden kann. Das Gerät basiert auf patentierter Technologie und wird über Nacht getragen. In einer klinischen Studie am Universitätsspital Zürich konnte nachgewiesen werden, dass Ava mit einer Genauigkeit von 89 Prozent durchschnittlich 5,3 fruchtbare Tage pro Zyklus erkennt. Die Jungfirma preist das Armband als Babywunsch-Hilfe an und nicht als Verhütungsmethode. Denn dazu bräuchte es andere Algorithmen und weitergehende Studien.

Bis heute hat Ava 12,3 Millionen US-Dollar an Risikokapital gesammelt, was für ein Schweizer Start-up mehr als beachtlich ist. Das Jungunternehmen mit 25 Angestellten sorgt weltweit für Furore, nicht nur in der Fachpresse. Lea von Bidder hat bei Ava die Niederlassung in San Francisco aufgebaut, wo sie heute noch lebt. Tatsächlich kann man ohne Nähe zum Silicon Valley kaum mehr ein global ausgerichtetes Technologieunternehmen aufbauen. Schon vor Ava war die Absolventin der Universität St. Gallen in einem Start-up aktiv: Sie ist Mitgründerin von L’inouï, einem Unternehmen für die Produktion und den Vertrieb hochwertiger Schokolade im indischen Bangalore. Knapp zwei Jahre lebte sie in Indien.

Ende März ist von Bidder stellvertretend für Ava Science von der Universität St. Gallen zur «HSG-Gründerin des Jahres 2017» gekürt worden. Es war nicht die erste Auszeichnung in ihrem noch jungen Geschäftsleben. Sie werde oft gefragt, wie es sich anfühle, Gründerin zu sein, schreibt sie in ihrem LinkedIn-Beitrag. «Die Wahrheit ist, es fühlt sich etwas einsam an.» Ihr Aufruf zu mehr Weiblichkeit in Jungunternehmen soll nun dafür sorgen, dass sie sich in der Startup-Szene nicht mehr allzu einsam fühlen muss.

Maurizio Minetti

maurizio.minetti@luzernerzeitung.ch

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