START-UP: Hier blitzen Gibson & Co. ab

Die Relish Brothers sind mit ihrem Label die Durchstarter in diesem Jahr. Als einzige Zentralschweizer Firma sind die Gitarrenbauer unter die 100 besten Start-ups der Schweiz gewählt worden.

Bernard Marks
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Die Luzerner Unternehmer Silvan Küng (links) und Pirmin Giger in ihrer Werkstatt in Kriens mit Mustern ihrer Gitarre «Jane», die ohne Tropenholz gebaut wird. (Bild: Nadia Schärli)

Die Luzerner Unternehmer Silvan Küng (links) und Pirmin Giger in ihrer Werkstatt in Kriens mit Mustern ihrer Gitarre «Jane», die ohne Tropenholz gebaut wird. (Bild: Nadia Schärli)

Bernard Marks

Der warme Klang der Gitarre überrascht. Mit Leichtigkeit fliegen die Finger über die Saiten. In der Werkstatt der Relish Brothers AG in Kriens stehen zwei grosse Verstärker parat, um eine der wohl speziellsten E-Gitarren zu testen, die es derzeit weltweit auf dem Markt gibt. Viele bekannte Musiker wie der Schweizer Blues-Gitarrist Philipp Fankhauser, Greg Koch oder Richard Kochli haben die Gitarre testen dürfen das Interesse in Musikerkreisen ist gross.

Eine Nische erkämpfen

Das weltweite Markt­volumen im Bereich E-Gitarren wird auf 1,2 ­Milliarden Franken geschätzt. Zwei Luzerner Unternehmer wollen sich in diesem Geschäft eine Nische erkämpfen. «Wenn wir etwas machen, dann richtig», dachte sich der 30-jährige Luzerner Pirmin Giger vor einem Jahr. Zusammen mit seinem Kollegen Silvan Küng (29) hat er deshalb das Label Relish Guitars Switzerland gegründet. Ein mutiger Schritt in einen hart umkämpften Markt, der von bekannten Namen wie Fender oder Gibson dominiert wird.

Seit 2010 tüfteln Giger und Küng bereits an ihrer E-Gitarre «Jane». Sie setzt im Gitarrenbau neue Massstäbe. Nicht nur «Janes» Klang ist einzigartig, auch das Konzept der Gitarre ist speziell. «Seit 60 Jahren werden fast alle E-Gitarren von den grossen Herstellern nach dem gleichen Muster hergestellt», erklärt Küng. Eine E-Gitarre besteht fast immer aus einem ausgefrästen Stück massivem Holz, das mit Elektronik bestückt und lackiert wird. «Wir haben nach einer anderen Möglichkeit gesucht. Dabei wollten wir den Gitarrenkörper so gestalten, dass er vor allem warm und lang anhaltend klingt», so Küng.

Der Gitarrenkörper der Relish-Gitarre besteht aus drei Schichten: Die mittlere Lage ist eine Aluminiumrahmenkonstruktion, an die alle Teile der Gitarre wie die beiden Decken, der Hals sowie die Saiten montiert werden. Die Front und der Rücken bestehen aus einem einfachen Formsperrholz. «Wir verwenden aus ethischen und ökologischen Gründen bewusst nur nachwachsende Hölzer für unsere Gitarre und verzichten dabei auf jegliches Tropenholz», erzählt Giger. So wird sogar der Hals nicht wie sonst bei einer Gitarre üblich – aus wertvollem Mahagoniholz gefertigt, sondern aus Ahornholz. Das Griffbrett sieht zwar aus wie Palisander, wird aber aus Bambus hergestellt. Die allermeisten Teile der Gitarre wie Tonabnehmer, Elektrik und der Hals werden in der Schweiz hergestellt. Allein das Formsperrholz sowie die Mechaniken stammen von Zulieferbetrieben aus Deutschland.

Baukastensystem für Musiker

«Durch diese Kombination von Materialien und Design entsteht eine neuartige elektrische Gitarre mit einem unglaublich warmen Klang», erzählt Küng zufrieden. Ein weiteres Plus der E-Gitarre aus Kriens ist das Baukastensystem. Der Musiker kann die Rückseite der Gitarre einfach öffnen und auf das Innere der Gitarre zugreifen. Dabei lassen sich zum Beispiel andere Tonabnehmer einsetzen. Die Bedienbarkeit der «Jane» ist bewusst einfach gehalten. Über zwei Fingersensoren können die Tonabnehmer ohne Hebel gesteuert werden. «Die haben schnell einmal einen Wackelkontakt oder schalten ungewollt während eines Auftritts um», sagt Küng.

Doch an dem jungen Label ist nicht nur die Gitarre allein speziell, sondern auch die Herangehensweise an das Projekt. «Das war ein wesentlicher Grund, warum wir unter die 100 besten Start-ups gewählt wurden», sagt Giger.

Gegründet wurde das Label Relish Guitars mit Geld aus einem Crowdfounding-Projekt. «Das hat uns am Anfang sehr geholfen», sagt Giger. Der gelernte Schreiner hatte nach seiner Lehre entschieden, ein Studium für Industrie­design zu absolvieren. «Danach wollte ich zusammen mit Silvan etwas Eigenes auf die Beine stellen», sagte Giger. Bei dem Gitarrenbauer Marco Guitars aus dem Aargau schaute er sich ab, wie man eine gute Gitarre möglichst handwerklich akkurat und genau baut. «Dabei ist aber besonders wichtig, dass man nicht zu viel Zeit aufwendet», sagt Küng. Denn auch im Gitarrenbau ist Zeit Geld. «Bei einem Konkurrenzpreis von 4750 Franken pro Gitarre ist es wichtig, dass wir effektiv arbeiten und unsere Kosten im Griff haben», sagt Giger.

In Schreinerei eingemietet

Das war auch der Grund, warum sich das junge Unternehmen in die Schreinerei Odermatt AG in Kriens eingemietet hat. Denn hier nutzen gleich mehrere Parteien alle Maschinen gemeinsam und sparen auf diese Weise Kosten für den Unterhalt und die Nutzung von Maschinen. Ende dieses Jahres soll es die «Jane» in Serie geben. Als Erstes ist eine 24er-Serie in Produktion; «wovon schon alle international vergeben sind», sagt Küng. Aber bald wollen die Krienser Gitarrenbauer über 100 Gitarren pro Jahr bauen.