START-UP: Mehr Platz auf Knopfdruck

Immer mehr Personen benötigen zusätzliche Lagerflächen. Das Schweizer Jungunternehmen Place B macht sich diesen Trend zum Geschäftsmodell. Heute eröffnet es den ersten Standort in der Zentralschweiz.

Federico Gagliano
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Persönliche Lagerräume, wie sie Place B anbietet, sind besonders in den USA weit verbreitet. (Bild: PD)

Persönliche Lagerräume, wie sie Place B anbietet, sind besonders in den USA weit verbreitet. (Bild: PD)

Federico Gagliano

federico.gagliano@luzernerzeitung.ch

Wohin mit den Ski, der Weihnachtsdeko oder dem Hobbyzubehör, wenn der Keller bereits aus allen Nähten platzt? Dieses Problem will das Schweizer Start-up Place B lösen. Das Self-Storage-Unternehmen bietet seit Juni 2015 Lagerräume in unterschiedlichen Grössen an, egal ob permanent oder für kurze Zeit. Nach drei Standorten in Zürich startet der Dienst heute beim Pilatusmarkt in Kriens. Eine zweite Stelle am Lindenheimweg in Emmen soll bereits in den nächsten Monaten folgen.

Doch wieso gerade hier? «In Luzern gab es bisher noch kein vergleichbares Angebot, aber wir haben an unseren Standorten in Zürich gespürt, dass es hier eine grosse Nachfrage dafür gibt. Wir haben einige Kunden aus dem Raum Luzern in den Zürcher Standorten», sagt CMO und Place-B-Mitgründer Manuel Gerber. Der Luzerner sieht die Räume nicht als Ersatz für Keller oder Dachboden, sondern als «Ergänzung, wenn der Platz nicht ausreicht». Die Räume seien trocken, geheizt, sauber und durch Alarmanlagen und Videoüberwachung gesichert. Ausserdem sei es bisher eine komplexe Angelegenheit gewesen, Zusatzplatz zu mieten. Dem will Place B nun ein Ende bereiten.

App als Schlüssel, Vertrag und Kontaktstelle

Um sich von anderen Self-Storage-Unternehmen abzuheben, hat Place B alle Prozesse digitalisiert. Analoge Optionen gibt es nicht: Alles wird per Smartphone, Tablet oder Notebook gesteuert. Über die App lassen sich die ­Lagerräume nicht nur direkt buchen, sondern auch gleich öffnen – ein Klick genügt, um die Türen zu öffnen. Via E-Mail oder Telefonnummer kann der Zugang auch an weitere Personen weitergegeben werden. «Das ist gerade bei gemeinsam genutztem Raum, zum Beispiel bei Firmen, Organisationen oder Vereinen, sehr wertvoll», meint Gerber. Vertragsdetails werden ebenfalls in der App bearbeitet. Sogar der Zugang zum Transport-Trolley, der an jedem Standort vorhanden ist, lässt sich dort finden. Alles steht rund um die Uhr zur Verfügung, Öffnungszeiten gibt es nicht. «Wir versuchen, neben der technischen Innovation auch alles andere möglichst einfach und flexibel zu gestalten. So muss man bei uns keine Kaution hinterlegen, und die Kündigungsfristen sind extrem kurz und flexibel», erklärt er.

Place B expandiert nicht nur in der Zentralschweiz: Auch in Winterthur wird bald ein Standort eröffnet. Das Unternehmen will schweizweit vertreten sein. Auch in Luzern soll es nicht bei zwei Standorten bleiben: «Wir suchen in der Region noch geeignete Räume, vor allem auch einen Standort an zentraler Stadtlage», verrät Gerber. Auch technisch wird weiter an der App getüftelt: «Es werden bald neue Funktionen zu erwarten sein, wie zum Beispiel individuelle Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsanzeigen der eigenen Box.»

Die in Amerika gestartete Selbstlagerindustrie hat in der Schweiz noch Potenzial zum Wachstum. Laut einer UBS-­Studie vom letzten Jahr handelt es sich dabei um eine «schnell wachsende Nische». Aktuell werden in der Schweiz pro 100 Personen nur 0,9 Quadratmeter privater Lagefläche angeboten, weit weniger als in anderen Ländern. Im europäischen Durchschnitt stehen 1,5, in Grossbritannien 5 und in den USA sogar 70 Quadratmeter zur Verfügung. Die Studie erwartet aber, dass ein höherer Bekanntheitsgrad und tiefere Preise die Schweiz näher ans europäische Mittelfeld bringen werden.