Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

START-UP: Sie programmieren für Kitas

Drei junge Männer wollen mit einer Software die Verwaltung von Kinderkrippen vereinfachen. Das Produkt könnte künftig auch für ältere Semester nützlich sein.
Maurizio Minetti
Die drei Jungunternehmer Gowthaam Yogeswaran, Timon Guggenbühl und Daniel Moos (von links) haben eine Administrations-Software für Kitas entwickelt. (Bild: pd)

Die drei Jungunternehmer Gowthaam Yogeswaran, Timon Guggenbühl und Daniel Moos (von links) haben eine Administrations-Software für Kitas entwickelt. (Bild: pd)

Maurizio Minetti

Zu sagen, er sei doch selber noch fast ein Kind, wäre unangebracht. Aber er wirkt tatsächlich sehr jung, der 24-jährige Timon Guggenbühl: Schlanker Typ, aufgeräumtes Gesicht und schüchtern im Umgang. Dabei hat der Zürcher seit kurzem einen Bachelor in Wirtschaftsinformatik der Hochschule Luzern in der Tasche. Er ist ein gewiefter Informatiker, der weiss, wie man das Beste aus Programmiersprachen herausholt. Und er hat eine Software für Kindertagesstätten und Krippen entwickelt.

Individuelle Software statt Excel

Geplant hat er das nicht. Alles begann im Jahr 2014 mit Guggenbühls Mutter, die eine Kinderkrippe in Zürich leitet. «Sie ärgerte sich zunehmend darüber, dass die Anwesenheitsplanung der Kinder viel Zeit in Anspruch nahm und mit Microsoft Excel schwierig zu bewerkstelligen war», erzählt Guggenbühl. Bereit, ihr zu helfen, begann Guggenbühl eine Software zu entwickeln, welche die Administration von Kinderkrippen erleichtern sollte. Es war die jugendliche Unbeschwertheit und die Lust, etwas zu verändern, die ihn antrieb.

Mit einem Startkapital von 20 000 Franken erfolgte im September 2014 die Gründung der Kidesia GmbH mit Sitz in Zug. Warum gerade Zug? «Mitgründer Daniel Moos kommt aus Zug und konnte dort ein Büro zur Verfügung stellen», sagt Guggenbühl. Moos und der zweite Mitgründer Gowthaam Yogeswaran aus Baar sind Applikationsentwickler. Die drei kennen sich aus der Informatik-Berufsschule in Zug. Seine zwei Kollegen studieren derzeit noch an der Hochschule Luzern in Horw Informatik. Bis Ende Juli nutzten die drei Jungunternehmer Arbeitsplätze der Hochschule Luzern. Unter dem Namen «Smart-up» bietet die Hochschule dort Starthilfen für Jungunternehmer an.

Revolutionär ist die Idee nicht, denn es gibt auf dem Schweizer Markt bereits Lösungen für die Krippenverwaltung. Guggenbühl: «Diese Produkte sind aber entweder veraltet oder bieten den Kitas nicht das an, was diese möchten.» Tatsächlich haben die drei jungen Firmengründer in monatelanger Arbeit bei den Kitas nachgefragt, wo der Schuh denn genau drückt. So entstand eine Software, die sozusagen jedem Kind einen Platz in der Datenbank zuweist. So lassen sich mit Kidesia Platzkapazität, Personalbedarf oder Mahlzeiten planen, und zwar auch langfristig. Die Software wird nicht lokal installiert, sie ist in einem externen Rechenzentrum gespeichert (siehe Box).

Eine App für die Eltern

Kidesia wird in erster Linie von den Kitas zur Verwaltung genutzt. Im August lanciert das Jungunternehmen nun eine App für iPhones und Android-Smartphones. «Über diese App können Eltern anzeigen lassen, an welchen Tagen es freie Kapazitäten gibt. So können sie kurzfristig Buchungsanfragen an die Kita stellen. Zusätzlich bietet die App einen Kommunikationskanal für die Kita an», sagt Guggenbühl. Die Kitas können ihrerseits so ihre Auslastung verbessern. Für die Eltern wird die Nutzung der Software kostenlos sein, letztlich entscheidet aber jede Kita selbst, ob sie die Nutzung der App verrechnen will oder nicht.

Seit der Lancierung im Herbst 2015 haben sich zehn Kitas für die Software entschieden. Leben kann Guggenbühl von Kidesia nicht, zumindest noch nicht. Das hat auch damit zu tun, dass er sich nicht eine Branche ausgesucht hat, wo das Geld im Übermass vorhanden ist. Kommt hinzu, dass der Markt relativ beschränkt ist. Zumindest in Luzern zeichnet sich ausserdem ein Überangebot an Krippen ab (Ausgabe von gestern). Herrscht in der Kita-Szene ein Verdrängungskampf, schrumpft auch der Markt für die Verwaltungssoftware.

Nicht nur für Kinder

Guggenbühl ist sich dieser Problematik bewusst. Deshalb denkt er weiter: «Unsere Software ermöglicht es, die Präsenz oder den Einsatz von Personen an einem Ort über einen bestimmten Zeitabschnitt effizient zu verwalten. Es müssen nicht zwingend Kinder sein.» Soll heissen: Kidesia könnte eines Tages etwa auch in Alters- und Pflegeheimen für die Einsatzplanung und zur Verwaltung der Personen verwendet werden. Doch das ist noch alles rein hypothetisch.

Den Bachelor der Hochschule Luzern im Sack, wird er sich nun nach den Sommerferien voll und ganz der Kita-Software widmen. «Wir wollen die Software laufend verbessern und als nächsten Schritt die App lancieren», sagt der Jungunternehmer. Und für einmal klingt das nicht mehr jugendlich-unbeschwert, sondern resolut und vorausschauend.

Aus der Wolke

TECHNOLOGIE mim. Kidesia ist eine sogenannte Cloud-Software. Das heisst, dass Kitas bei sich kein Programm installieren müssen, sondern die Lösung über den Internetbrowser nutzen. Das hat den Vorteil, dass sich Kitas nicht um Dinge wie Wartung oder Datensicherung kümmern müssen. Die Einführung vor Ort ist kostenlos. Wenn es danach ein technisches Problem gibt, versucht es Kidesia innert zehn Minuten kostenlos zu lösen. «Ansonsten verlangen wir 39 Franken pro Stunde», erklärt Firmengründer Timon Guggenbühl.

Daten bei Swisscom
Cloud (englisch: Wolke) bedeutet, dass die Daten in einem externen Rechenzentrum gespeichert sind. «Weil es sich um persönliche und deshalb sensible Daten handelt, legen wir hohen Wert auf Datenschutz», sagt Guggenbühl.

Zurzeit sind die Daten noch in einem Rechenzentrum von Microsoft in Irland gespeichert, schon bald zügeln sie jedoch zu Swisscom. Ausserdem ist der Zugang zur Website verschlüsselt. Diese und weitere Sicherheitsmassnahmen sollen verhindern, dass das System gehackt wird.

Modular aufgebaut
Die Software ist modular aufgebaut. Das heisst, dass Kitas nur jene Teile mieten müssen, die sie wirklich brauchen. Also zum Beispiel lediglich die Stammdatenverwaltung und die Kinder- und Mitarbeiterplanung. Wer mehr möchte, kann die Einbindung in das Buchhaltungssystem Run My Accounts zusätzlich beziehen. Um Kidesia zu nutzen, müssen Kitas ein Abonnement abschliessen. Auch das ist eine Eigenschaft von Cloud-Lösungen: Software wird nicht einmalig teuer gekauft, sondern man bezahlt eine monatliche Miete für deren Nutzung. Für Kitas sind die Kosten damit gut kalkulierbar. Sie bezahlen pro Betreuungsplatz eine Gebühr und können schnell reagieren, wenn die Zahl der Kinder zu- oder abnimmt.

Gemäss Guggenbühl bezahlt eine Kita mit 20 Betreuungsplätzen im Schnitt rund 200 Franken pro Monat. Die Kündigungsfrist beträgt zwei Monate.

Bild: Grafik mop

Bild: Grafik mop

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.