Rotkreuz
Branchenverband kürt «Business Angel of the Year» – Siegerin über Start-up-Geheimrezept: «Das Team ist das wichtigste»

Cornelia Gut-Villa investiert nicht nur als Startfeld-Geschäftsführerin in Start-ups. Als Business Angel investiert sie in gute Teams. Für ihr Engagement für Start-ups und Innovation wurde sie ausgezeichnet.

Kaspar Enz
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Ausgezeichnet für ihr Engagement für Innovation: Cornelia Gut-Villa.

Ausgezeichnet für ihr Engagement für Innovation: Cornelia Gut-Villa.

Bild: Ralph Ribi

Der Verband der Schweizer Private-Equity- und Corporate-Finance-Branche SECA in Rotkreuz zeichnet jedes Jahr einen «Business Angel of the Year» aus. Dieses Jahr geht er an Cornelia Gut-Villa, Geschäftsführerin des St.Galler Innovationszentrums Startfeld.

Was ist ein Business Angel?

Cornelia Gut-Villa: Das ist jemand, der aus dem privaten Vermögen Start-ups Kapital zur Verfügung stellt.

Wie wichtig sind die in der Start-up-Szene?

Sehr wichtig. Sie steigen in einer frühen Phase bei einem Start-up ein: Schon bald nach dem Start, der oft noch von Familie und Freunden finanziert wird. Sie bringen aber nicht nur Geld, sondern auch Wissen und Expertise, sie helfen dabei, die Märkte zu erschliessen.

Was sind für Sie sie wichtigsten Kriterien, um bei einem Start-up einzusteigen?

Für mich ist das Team das wichtigste, welche Kompetenzen darin vertreten sind. Ganz wichtig ist aber auch die soziale Kompetenz, wie das Team zusammen arbeitet.

Wie findet man das heraus?

In Sitzungen, wenn man mit ihnen arbeitet. Wichtig ist auch, dass sie Anregungen und Inputs aufnehmen, und nicht glauben, sie wüssten alles, sie brauchen nur unser Geld. Das ist nicht die Idee eines Business Angels.

Und die Geschäftsidee?

Klar ist die wichtig. Aber wenn sie nicht funktioniert, kann ein gutes Team das Steuer herumreissen, die Idee anpassen. So entsteht oft Gutes. Bei einem schlechten Team wird auch aus einer guten Idee oft nichts.

Was spielt neben dem Team eine Rolle?

Ich muss schon erkennen können, dass hinter den Ideen des Teams ein Kundenbedürfnis steckt. Und vor allem muss ich das Geschäftsmodell und die Lösung verstehen.

Was verstehen Sie nicht?

Ich bin Ökonomin. Bei Vielem, was aus dem Bereich Biotechnologie und Medizin kommt, fehlt mir das nötige Wissen. Da steige ich nur ein, wenn ich weitere Investoren als Partner habe, die hier mehr Expertise haben.

Preis für herausragende Angel Investors

Den «Business Angel of the Year» vergibt der Branchenverband SECA seit mehr als einem Jahrzehnt. Frühere Preisträger sind etwa Logitech-Gründer Daniel Borel, Joachim Schoss, Gründer der scout24 Gruppe, oder Prof. Dr. Cuno Pümpin von der Universität St. Gallen. Dieses Jahr geht der Preis an Cornelia Gut-Villa. «Mit Gut-Villa zeichnen wir eine starke, zielstrebige Geschäftsfrau aus, die sich über alle Altersgruppen hinweg mit grosser Einsatzbereitschaft und Neugierde für innovative Ideen und technologischen Fortschritt einsetzt und ihre Begeisterung fürs Unternehmertum weitergibt», kommentiert Michael Sidler, Chair Chapter Seed Money & Venture Capital und SECA Vorstandsmitglied. (red)

Sie kommen aus der Bankbranche. Sind Start-ups nicht sehr riskante Investments?

Einerseits geht man natürlich nie mit dem ganzen Vermögen rein. Man muss sich immer bewusst sein, dass man verlieren kann, was man investiert. Es ist Risikokapital. Aber wir haben in der Schweiz gut ausgebildete Leute.

Damit sind die Chancen von Start-ups hierzulande auch hoch.

Eine ETH-Studie hat kürzlich gezeigt, dass nach fünf Jahren über 90 Prozent der aus der ETH gegründeten Start-ups noch überleben. Nach 10 Jahren sind es noch 87 Prozent.

Das sind gute Zahlen. Wie sieht es bei den Unternehmen hier im Startfeld aus?

Start-ups von der ETH haben meist gute Teams und interessierte Investoren, die mithelfen. Wir sind auch gut unterwegs, haben aber noch zu wenig Daten für eine Auswertung. Wir prüfen die Start-ups auch auf Herz und Nieren, wir investieren nicht in alles - das bringt auch nichts.

Und bei Ihren persönlichen Investments?

Einer hat teilliquidiert. Bei einem Portfolio von 13 Start-ups ist das keine schlechte Quote - bis jetzt.

Sie entscheiden auch in der Stiftung Startfeld über Investitionen in Start-ups. Wie trennen sie beide Rollen?

Als Business Angel investiere ich nur in Unternehmen ausserhalb der Ostschweiz. Ich will keine Interessenkonflikte.

In den letzten Monaten wurden viele neue Firmen gegründet. Merkt man das auch im Startfeld?

Wenig, schaut man die Statistik an, wird dieser Gründungsboom nicht von High-Tech-Start-ups getrieben.

Zum Innovationszentrum Startfeld gehört auch das Smartfeld, das Cornelia Gut-Villa, persönlich leitet. Das Bildungsprogramm will Schülerinnen und Schülern die Technik näherbringen.

Zum Innovationszentrum Startfeld gehört auch das Smartfeld, das Cornelia Gut-Villa, persönlich leitet. Das Bildungsprogramm will Schülerinnen und Schülern die Technik näherbringen.

Urs Bucher

Die Pandemie beschleunigte die Digitalisierung, das müsste doch auch Chancen für Start-ups geben?

Viele Start-ups, die in Online-Bereichen tätig sind, haben tatsächlich profitiert. Andere haben gelitten, weil ihre Wertschöpfungskette zusammen brach. Das betrifft etwa einen Drittel der Start-ups im Startfeld.

Sie setzen im Startfeld mit Programmen wie dem Smartfeld auch auf den Nachwuchs. Kann man Innovation und Unternehmertum lernen?

Ich glaube schon. Man kann die jungen Menschen für Technik begeistern, ihnen zeigen, dass sie etwas bewegen können. Es ist nicht alles vorgegeben. Mit neuen Technologien kann man neue Dinge entstehen lassen, die man sich heute gar nicht vorstellen kann.

Von der Bank in die Start-up-Welt

Cornelia Gut-Villa hatte lange bei Banken gearbeitet, unter anderem im Asset Management und für die Unternehmensentwicklung. Als Direktionsmitglied der SGKB gründete sie die Stiftung Startfeld. 2014 wurde sie deren Geschäftsführerin. Die Stiftung ist Trägerin des Innovationszentrums Startfeld in St. Gallen. Dort finden Start-ups Platz, um an ihren Ideen zu arbeiten und sich weiter zu entwickeln. Neben verschiedenen Unterstützungsangeboten für die Unternehmer investiert die Stiftung auch in ausgewählte Start-ups. (ken)

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