Banken
Stellenabbau bei Swisscanto, Stärkung für ZKB

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) übernimmt den Anlagenfonds- und Versorgungsdienstleister Swisscanto. Für diesen bedeutet die Übernahme einen Stellenabbau, für die ZKB eine Stärkung ihrer Position als Universalbank.

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Die Zürcher Kantonalbank übernimmt Swisscanto

Die Zürcher Kantonalbank übernimmt Swisscanto

Keystone

Die ZKB zahlt für die 81,9 Prozent der Aktien, die ihre bislang nicht gehörten, einen festen Kaufpreis von 360,3 Mio. Franken. Hinzu kommen in den Jahren 2016 bis 2018 erfolgsabhängige Zahlungen. Wenn keine der diversen in- und ausländischen Behörden Einwände haben, soll die Übernahme schon in den ersten drei Monaten des kommenden Jahres erfolgen.

Mit dem Kauf steigt die ZKB hinter den zwei Grossbanken UBS und Credit Suisse zur Nummer drei im Schweizer Fondsmarkt auf. Das erlaube es der ZKB dieses Geschäft effizienter zu führen und das dafür nötige spezialisierte Personal leichter zu rekrutieren, sagte ZKB-Chef Martin Scholl am Donnerstag an einer Medienkonferenz in Zürich.

Zwei Swisscanto-Chefs gehen

Vorerst wird die Übernahme jedoch zu einem Personalabbau führen. Laut Scholl ist es zurzeit noch nicht klar, wie viele der aktuell 400 Arbeitsstellen verloren gehen. Die ZKB sei jedoch bemüht, möglichst viele Swisscanto-Angestellte bei der Bank zu halten.

Bereits klar ist jedoch, dass der bisherige Chef und der Investmentchef von Swisscanto den Fondsanbieter verlassen. Gérard Fischer und Peter Bänziger werden im Verlauf des nächsten Jahres zurücktreten, weil es diese Funktionen in dieser Form künftig nicht mehr geben wird.

Keine Änderungen wird es dagegen bei den Swisscanto-Standorten geben. Sowohl die Aussenposten in London und in Luxemburg, wie auch die Filialen in der Schweiz bleiben bestehen. Festhalten will die ZKB auch am Namen Swisscanto. In Zukunft sollen sogar sämtliche ZKB-Fonds dieses Label tragen.

Mehrere Interessenten

Die 23 Kantonalbanken, die ihre Anteile jetzt an die ZKB verkauft haben, haben laut Swisscanto-Präsident Alois Vinzens dieser Veräusserung zugestimmt, weil dies auch für sie die vorteilhafteste Lösung sei. So habe sich insbesondere gezeigt, dass die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kantonalbanken im Fondsgeschäft sich hemmend auf Swisscanto ausgewirkt haben.

Der Verwaltungsrat habe darum im Sommer 2014 den Verkaufsprozess eingeleitet. Neben der Kaufofferte der ZKB hat der Verwaltungsrat auch Angebote von weiteren Schweizer Finanzdienstleistern geprüft. Nur das Angebot der ZKB habe jedoch einen Mehrwert für die anderen Kantonalbanken versprochen, sagte Vinzens.

Dieser Mehrwert besteht zum einen daraus, dass die 23 Kantonalbanken künftig als unabhängige Vermittler von Swisscanto-Fonds auftreten können. Zum anderen kann die ZKB durch die Zusammenlegung mit dem eigenen Fondsgeschäft die Angebotspalette erweitern und durch das höhere Volumen auch konkurrenzfähigere Preise anbieten.

Die Übernahme sei nicht das Ende der Kooperation mit den anderen Kantonalbanken, sondern eine neue Ära, sagte ZKB-Chef Scholl. Die ZKB sei bereits die bevorzugte Partnerin der Kantonalbanken zum Beispiel im Handels- und Leasinggeschäft. "Man glaubt es nicht. Aber man kann mit den Zürchern zusammenarbeiten", scherzte Scholl.

Weniger vom Zürcher Immobilienmarkt abhängig

Die ZKB ihrerseits verspricht sich vom Kauf eine Diversifikation der Erträge. "Dank Swisscanto ist die ZKB künftig weniger vom Zürcher Immobilienmarkt abhängig", sagte Scholl.

Der Anteil des Zinsengeschäfts am Gesamtertrag der Bank werde mit der Akquisition von 56 auf 48 Prozent sinken. Die Erlöse aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft dagegen soll von 27 auf 38 Prozent ansteigen. Die Ausweitung des Geschäfts in diesem Bereich lobte Scholl zudem als kapitalschonend, weil es im Vergleich zum Hypothekengeschäft wenig Eigenkapital erfordert.