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STELLENABBAU: Beim IT-Logistiker Also in Emmen fallen Jobs weg

Der Logistikkonzern Also eilt von Rekordjahr zu Rekordjahr. Unter den Angestellten macht sich aber zunehmend Unmut breit. Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit.
Maurizio Minetti
Bei Also in Emmen sind Insidern zufolge kürzlich mehrere Personen entlassen worden. (Bild: Nadia Schärli (16. November 2017))

Bei Also in Emmen sind Insidern zufolge kürzlich mehrere Personen entlassen worden. (Bild: Nadia Schärli (16. November 2017))

Maurizio Minetti

Es ist fast schon Routine: Der international tätige und börsenkotierte IT-Grosshändler Also hat in den letzten Jahren immer wieder glänzende Geschäftszahlen hingelegt. Und dies wohlgemerkt in einer Branche, die von tiefen Gewinnmargen und von einem harten Konkurrenzkampf geprägt ist. Der Erfolg ist vor allem das Verdienst von Konzernchef Gustavo Möller-Hergt. Der Deutsch-Peruaner formte die ehemalige Schindler-Tochter Also nach der Fusion mit dem deutschen Mitbewerber Actebis vor sechs Jahren zu einem der grössten IT-Logistiker Europas.

Doch es gibt eine Schattenseite der Erfolgsgeschichte. Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank Anfang 2015 hat den scharf kalkulierenden Konzern dazu gezwungen, noch stärker auf die Kosten zu achten – vor allem in der Schweiz. Darum musste Also am Hauptsitz in Emmen bereits vor zwei Jahren 32 Vollzeitstellen streichen. Davon betroffen waren vorwiegend Temporärleute. «Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen haben, werden nicht mehr ersetzt», erklärte damals eine Also-Sprecherin. Aus dem Umfeld des Unternehmens ist zu erfahren, dass es in den letzten Jahren immer wieder zu Entlassungswellen gekommen ist. Mittlerweile kommentiert der Konzern keine Mitarbeiterzahlen mehr auf Länderebene. Schätzungsweise beschäftigt Also derzeit in Emmen 300 bis 400 Personen.

Keine Verabschiedung, keine Kommunikation

Anfang dieses Monats sorgte nun eine weitere Abbaurunde für Aufruhr in Emmen. Verschiedene Quellen berichten, dass im ganzen Betrieb rund 30 Personen entlassen worden seien. Es handle sich dabei fast ausschliesslich um ältere Mitarbeiter, die zum Teil schon seit Jahren bei Also angestellt waren, heisst es. Das Unternehmen kommentiert solche «Spekulationen» nicht.

Im Internet finden sich ebenfalls Hinweise auf den Stellenabbau. Auf einem Jobportal schreibt eine Person: «Einfach unter aller Sau, wie hier mit langjährigen Mitarbeitern umgegangen wurde. Von einem Tag auf den anderen: Sorry, wir brauchen dich nicht mehr. Ihr könnt gehen. Verabschieden? Nein. Geht jetzt! Sofort!» In einem weiteren Online-Eintrag heisst es, man habe den Betroffenen aus heiterem Himmel gekündigt. «Sie hatten weder Zeit, sich zu verabschieden, noch wurde etwas kommuniziert.» Dem Unternehmen muss man zugutehalten: Es reagiert auf solche online geäusserte Kritik und lädt die anonymen Kommentatoren mit einem eigenen Eintrag dazu ein, die angesprochenen Punkte mit den Verantwortlichen bei Also zu besprechen.

Harald Wojnowski ist der Geschäftsführer von Also Schweiz. Er kennt den Betrieb seit über zwei Jahrzehnten. Im Gespräch mit unserer Zeitung verweist er darauf, dass sich Also laufend an die Marktverhältnisse anpasse. «Unsere Branche erlebt einen tiefgreifenden Wandel und ist intensivem Wettbewerb ausgesetzt», sagt Wojnowski. Man strebe in allen Bereichen eine höhere Effizienz an und arbeite kontinuierlich an der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Es habe in den letzten Jahren viele Veränderungen in vielen Positionen gegeben und ein Stellenverlust sei für Betroffene immer ein persönlicher Schicksalsschlag.

Vier Stunden Überzeit pro Tag

Also beliefert unter anderem die Shops der drei grossen Telekomanbieter Swisscom, Sunrise und Salt mit Handys. Zu den Kunden gehören aber auch grosse IT-Händler oder auch Elektronikketten wie Media Markt, die jetzt in der Vorweihnachtszeit besonders viel Ware bestellen. Entsprechend geht es derzeit in Emmen hektisch zu und her.

Eine betroffene Person sagt im Gespräch: «Täglich zwei Stunden Überzeit sind für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Logistik üblich – manchmal sind es auch vier Stunden pro Tag.» Das komme zum Beispiel vor, wenn um 17 Uhr noch eine dringende Bestellung hereinkomme. Verschiedene Mitarbeiter berichten, dass sie zunehmend an ihre Belastungsgrenzen stossen: «Es hat zu wenig Leute, nach Entlassungen müssen wir mit weniger Mitarbeitern das gleiche Pensum erledigen. Die Mitarbeiter sind am Anschlag.» Der Druck am Arbeitsplatz sei in den letzten Jahren massiv gestiegen, heisst es. Das Klima habe sich verschlechtert: «Die Sozialkompetenz von früher ist verschwunden.» Also-Schweiz-Chef Harald Wojnowski sagt dazu: «Unser Unternehmen lebt von einer ausgeprägten Kundenorientierung. Das wissen unsere Mitarbeiter, und darauf sind sie auch stolz!» Er betont zudem, dass sich Also in Bezug auf die Arbeitszeiten an die Gesetze halte. Überstunden könne man kompensieren.

Das bestätigen auch Direktbetroffene. Allerdings sei die Kompensation der Überstunden ein schwacher Trost: «Ich mache mir langsam ernsthafte Sorgen, was die Work-Life-Balance betrifft», sagt eine Person.

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