Wirtschaft
Stellenabbau von Bombardier in der Schweiz dürfte politische Folgen haben

Der Aargauer SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner ist wütend und will einen Vorstoss einreichen. Giezendanner wählt harte Worte: «Ich fühle mich beschissen.»

Andreas Möckli
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Bombardier streicht 650 Arbeitsplätze in der Schweiz

Bombardier streicht 650 Arbeitsplätze in der Schweiz

Schweiz am Wochenende

Der kanadische Zug- und Flugzeughersteller Bombardier streicht in der Schweiz 650 Stellen. Davon entfallen rund 500 auf externe Temporär-Mitarbeiter. Die Arbeitsplätze werden bis Ende 2018 schrittweise abgebaut. Betroffen sind die Standorte Zürich und Villeneuve VD. Laut dem Verband Angestellte Schweiz werden in Villeneuve 550 Stellen gestrichen, in Zürich knapp 100 Arbeitsplätze. Ein Bombardier-Sprecher wollte sich dazu nicht äussern. Dazu müsse erst das Konsultationsverfahren mit den Gewerkschaften abgewartet werden. Dieses dauert im Normalfall 20 Tage. Der Standort Oberwil BL, wo die Trams der Baselland Transport AG gewartet werden, ist nicht betroffen.

Völlig überraschend kommt der Stellenabbau nicht. Vergangenen Oktober gab Bombardier bekannt, weltweit 7500 Arbeitsplätze zu streichen. Zwei Drittel davon beträfen die Zugsparte, kündigte der Konzern damals an. Im Fokus stehe die «konzernweite Verschlankung administrativer und nicht produktionsbezogener Bereiche», schreibt nun Bombardier Schweiz in der Mitteilung. Zudem gehe es um die weitere Spezialisierung der Standorte zwecks Kostensenkung und Produktivitätssteigerung. Auf den starken Franken angesprochen, sagt der Bombardier-Sprecher, es helfe sicher nicht, dass die Schweiz ein Hochlohnland sei.

Die Gewerkschaft Unia und die Angestellten Schweiz wollen sich dafür einsetzen, dass möglichst viele Arbeitsplätze erhalten und die Interessen der Beschäftigten gewahrt werden. Die Unia mache sich insbesondere Sorgen um die temporären Angestellten, sagt Sprecher Lorenz Keller. Denn ein Sozialplan umfasse nur die Festangestellten. Das Geschäftsmodell von Bombardier mit derart vielen Temporären wälze das Risiko auf diese ab. Die Unia fordere deshalb, dass der Sozialplan auch die temporären Mitarbeiter umfasse.

Giezendanner ist sauer

Der Stellenabbau dürfte ein politisches Nachspiel haben. Der Aargauer SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner ist wütend und will einen Vorstoss einreichen. Giezendanner wählt harte Worte: «Ich fühle mich beschissen.» Er spielt auf den Grossauftrag der SBB an, den sich Bombardier gesichert hat. Die Bundesbahnen bestellten 2010 bei den Kanadiern 62 Züge im Wert von 1,9 Milliarden Franken. Die SBB hätten den Auftrag auch mit der Begründung an Bombardier vergeben, dass die Firma die Züge auch hier in der Schweiz produziere. Es sei ein Affront, so Giezendanner, dass der Konzern nun Stellen im gleichen Land streiche, wo man einen Milliardenauftrag gewonnen habe. «So kann man mit den Leuten nicht umgehen.» Giezendanner erwartet nun klare Aussagen seitens der Gewerkschaften und der SBB. Er werde dafür kämpfen, dass Bombardier die Strafe für die verzögerte Auslieferung der Züge vollumfänglich zahlen müsse.

Zur Erinnerung: Die SBB hätten 31 Doppelstockzüge bereits seit 2013 im Einsatz haben sollen. Nun werden gemäss Bombardier die ersten 23 Doppelstockzüge bis Ende Jahr an die SBB ausgeliefert. Vier Jahre später und acht Züge weniger als geplant. Der Auftrag soll Anfang 2020 abgeschlossen sein. Betroffen sei dieser vom Stellenabbau nicht, sagt der Bombardier-Sprecher.