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STELLENMARKT: Die Temporärarbeit stockt

Der Personalvermittler Adecco ist im letzten Quartal langsamer gewachsen als im ersten Halbjahr. Die Geschäfte in den USA und Deutschland sowie ein neues Gesetz bremsten das Unternehmen.
Daniel Zulauf
Der deutsche Automobilsektor braucht weniger temporäre Arbeitskräfte. Das Bild zeigt einen Festangestellten bei BMW. Bild: Matthias Schrader/AP (Dingolfing, 20. Januar 2015)

Der deutsche Automobilsektor braucht weniger temporäre Arbeitskräfte. Das Bild zeigt einen Festangestellten bei BMW. Bild: Matthias Schrader/AP (Dingolfing, 20. Januar 2015)

Die Geschäfte des Schweizer Personalvermittlers Adecco laufen derzeit wenig dynamisch. Im dritten Quartal ist der Umsatz des Weltmarktführers im Geschäft mit der Temporärarbeit zwar um 2 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro gewachsen. Doch der operative Gewinn ging um 10 Prozent zurück – und das mit zunehmendem Tempo schon über das gesamte Jahr hinweg.

Adecco stagniert oder schrumpft in Nordamerika wie auch in Deutschland. Im nörd­lichen Nachbarland erwirtschaftet das Unternehmen zusammen mit Österreich und der Schweiz fast 10 Prozent des Konzernumsatzes. Adecco klagt über eine schwächere Nachfrage im deutschen Automobilsektor, von dem laut Unternehmen 35 Prozent der lokalen Einnahmen herkommen. Erstaunlich ist dieser Rückgang, weil der vom Dieselgate gezeichnete VW-Konzern gar nicht zum Kundenkreis von Adecco gehört. VW betreibt eine eigene Personalvermittlungsfirma. Adecco muss also bei anderen deutschen Autoherstellern wie Ford, Opel, BMW oder Mercedes Einbussen erlitten haben. Präzisere Angaben zu den Vorgängen im deutschen Markt machte Adecco gestern anlässlich der Bekanntgabe der Quartalszahlen keine. Auffallend ist indes, dass grosse Konkurrenten von Adecco wie Randstad oder Manpower in Deutschland teilweise kräftig zulegen konnten, während die verkauften Arbeitsstunden bei Adecco seit Anfang Jahr um 3 Prozent zurückgegangen sind.

Möglicherweise sind diese Verschiebungen bereits ein Vorbote des neuen Gesetzes für die Leiharbeit, das Anfang des nächsten Jahres in Deutschland in Kraft treten wird. Zwölf Jahre nach der Einführung von Hartz IV macht Deutschland in puncto Arbeitsmarktliberalisierung einen grösseren Schritt rückwärts. Die Leiharbeit wird unter dem neuen Gesetz wieder viel stärker reguliert. Ab Januar müssen deutsche Zeitarbeiter nach einer Beschäftigungsdauer im gleichen Betrieb von neun Monaten denselben Lohn erhalten wie die Stammarbeiter. Studien zufolge liegt die Lohndifferenz bislang bei 20 Prozent. Dies kann als Preis der Vermittlungsleistung gesehen werden, den sich die Arbeitgeber einerseits durch Bezahlung der Vermittlungsgebühr und die Arbeitnehmer andererseits durch einen Lohnabschlag teilen. Rund ein Viertel der Leiharbeiter in Deutschland ist länger als neun Monate beim gleichen Arbeitgeber und kann so in den Genuss von «Equal Pay» ge­langen.

Das ist selbstredend keine verheissungsvolle Perspektive für die Vermittlerbranche, doch das ist ganz und gar im Sinne der Regierung. Deren Intention ist es nämlich, mit dem neuen Gesetz die Festanstellungen auf Kosten der Temporärarbeit zu fördern. Nicht nur in Deutschland bestehen Befürchtungen, dass bei einem allzu losen Arbeitsgesetz Festanstellungen durch Temporärjobs ersetzt werden. Das Problem wird mitunter auch in den Arbeitsmarktstudien der OECD regelmässig angemahnt. Vor diesem Hintergrund verlangt das neue Gesetz in Deutschland auch, dass Zeitarbeiter nach einer Beschäftigungsdauer von 18 Monaten beim gleichen Arbeitgeber in eine Festanstellung übernommen werden müssen.

Arbeitsmarkt Schweiz im Oktober stabil

Ob das Gesetz das Problem lösen kann, wird sich weisen. Eine Tatsache ist, dass es in vielen Ländern dauerhafte Ungleich­ge­wichte im Arbeitsmarkt gibt. In der Schweiz zum Beispiel waren im Oktober rund 144000 Menschen als arbeitslos gemeldet. Damit blieb die Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent unverändert. Die Zahl der offenen Stellen beläuft sich laut Bundesamt für Statistik gleichzeitig auf 55000. Mögliche Gründe dafür: Vielleicht fehlt es an der Effizienz der Vermittlung, vielleicht auch an den nicht kompatiblen Profilen von Anbietern und Nachfragern. Ob die Personalvermittler hier hilfreiche Beiträge leisten können, wird je nach Standpunkt unterschiedlich beurteilt. Fakt ist, dass die Hauptklientel der Vermittler seit Jahr und Tag Personen mit geringen beruflichen Qualifikationen sind. Für solche Leute gibt es in der Schweiz immer weniger Arbeit.

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