«Steuergelder verschleudert»: Weil Ex-SBB-Chef Andreas Meyer 450'000 Franken fürs Nichtstun erhielt, werden Politiker aktiv

Andreas Meyer trat Ende März als Chef der SBB zurück. Doch sein Vertrag lief bis Ende September weiter. Für diese Periode soll er 450'000 Franken kassiert haben. Politiker kritisieren die Bahn scharf.

Stefan Ehrbar
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Andreas Meyer war dreizehn Jahre lang Chef der SBB.

Andreas Meyer war dreizehn Jahre lang Chef der SBB.

Keystone

Rund 450'000 Franken soll Andreas Meyer fürs Nichtstun kassiert haben. Ende März übergab der frühere SBB-Chef sein Amt an Vincent Ducrot. Doch Meyers Arbeitsverhältnis mit den SBB lief bis Ende September weiter, berichtet der «Sonntagsblick». Als er im September 2019 gekündigt habe, sei nicht klar gewesen, wann sein Nachfolger bereit sei, begründet Meyer gegenüber der Zeitung. Deshalb sei vereinbart worden, dass er bis Ende September 2020 den SBB zur Verfügung stehen werde. Laut einer Berechnung des« Sonntagsblick» betrug Meyers Lohn für diese Periode des Nichtstuns etwa 450'000 Franken – 75'000 Franken pro Monat.

Die SBB haben diese Zahl nicht bestätigt, dementieren sie aber auch nicht. Die Pressestelle will sich auf Anfrage nicht zur bezahlten Summe äussern. Klarheit schafft sie dafür in einem anderen Punkt: Der frühere Bahnchef konnte sich in dieser Periode tatsächlich ausruhen. «Es war nicht notwendig, auf die Unterstützung von Andreas Meyer zurückzugreifen», schreibt ein SBB-Sprecher.

«Verschleuderung von Steuergeldern»

Nun wird die Politik aktiv. SVP-Nationalrat Alfred Heer geht der Vorgang gegen den Strich: «Ich werde sicher eine Anfrage in der nächsten Session beim Bundesrat einreichen, wieso bei einem hochdefizitären Staatsbetrieb keinerlei Rücksicht auf die Finanzen genommen wird», sagt er. «Der Vorgang zeigt leider auf, wie bei Bundesbetrieben Steuergelder für goldene Fallschirme verschleudert werden.» Die SBB haben im ersten Halbjahr wegen der Coronakrise einen Verlust von 479 Millionen Franken geschrieben. Das Parlament will den Schweizer ÖV nun mit 900 Millionen Franken unterstützen, ein grosser Teil davon dürfte an die SBB gehen.

Auch auf der anderen Seite des politischen Spektrums ist der Ärger spürbar. SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher sagt, der Arbeitsvertrag mit Meyer und seine Kündigungsfristen seien zwar Sache des Verwaltungsrats der SBB. Aber: «Ich bin der Ansicht, dass wir in der Verkehrskommission das Thema ebenfalls aufnehmen müssen». Seit dem 1. April führe Vincent Ducrot die SBB vollständig. «Er kennt den öffentlichen Verkehr bestens und hat sich schnell eingearbeitet. Darum ist es unverständlich, wenn das Unternehmen dem Ex-CEO nach der Amtsübergabe weitere sechs Monatsgehälter fürs Nichtstun zahlt.»

Diese Zahlung falle in die gleiche Zeit, in der das Personal während des Lockdowns einen sehr guten Job gemacht und den öffentlichen Verkehr immer sichergestellt habe, sagt Graf-Litscher, die als Gewerkschaftssekretärin bei der Gewerkschaft des Verkehrspersonal (SEV) arbeitet. Die SBB rechtfertigten die Lohnfortzahlung mit der vertraglichen Kündigungsfrist, sagt sie. «Dann erwarte ich auch, dass sie sich gegenüber dem übrigen Personal an die Verträge halten und nicht im Gegenzug Verständnis für kurzfristige Sparmassnahmen erwarten.»