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STEUERN: Holding-Status beginnt zu wackeln

Die Holdinggesellschaften mit Wurzeln im Ausland geraten ab nächstem Jahr ins Visier der ausländischen Steuerämter. Geben sie deswegen in Scharen den Holding-Status auf, gerät der Finanzausgleich durcheinander.
Rainer Rickenbach
Firmen mit ausländischen Muttergesellschaften kommen unter Druck: Briefkasten in der Stadt Zug. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (7. Januar 2017))

Firmen mit ausländischen Muttergesellschaften kommen unter Druck: Briefkasten in der Stadt Zug. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (7. Januar 2017))

Rainer Rickenbach

rainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

Nach dem Nein der Stimmberechtigten zur Unternehmenssteuerreform III ändert sich für die Holdings, Domizilgesellschaften und gemischten Gesellschaften mit Wurzeln im Ausland vorerst einmal gar nichts. Die privilegierte Besteuerung bleibt zumindest vorderhand in der Schweiz für sie bestehen. Wahrscheinlich so lange, bis ein neuer, OECD-kompatibler Reformvorschlag vorliegt und die politischen Hürden genommen hat. Der Bundesrat setzte sich kürzlich das Ziel, bis im Sommer eine neue Vorlage zur Unternehmenssteuerreform vorzulegen.

Die Weltwirtschaftsorganisation OECD wartet mit ihren Neuerungen indes nicht auf die Schweiz. Ihre neuen Regeln beginnen bereits ab dem kommenden Jahr zu greifen. «Ab 2018 tauschen die Steuerämter spontan über die Grenzen hinweg Informationen über Unternehmen aus. Auch über solche mit einem steuerlichen Sonderstatus», erklärt Denis Boivin. Er ist Geschäftsleitungsmitglied beim Wirtschaftsprüfungs-, Treuhand- und Beratungsunternehmen BDO und leitet den Bereich Steuern und Recht. Die OECD will mit dem Informationsaustausch unter anderem erreichen, dass die Unternehmen dort Steuern zahlen, wo sie ihre Geschäfte machen, und nicht über eine Unternehmensstruktur dort, wo sie am steuergünstigsten fahren.

Düsteres Szenario für den Kanton Zug

Grosse Konzerne wie Starbucks oder Google standen in den letzten Jahren in der Kritik, weil sie im Verdacht stehen, in Europa steuersparende Modelle eingerichtet zu haben. Nicht nur die Schweiz musste sich wegen Steuerdeals mit Konzernen Vorwürfe von Regierungen in Hochsteuer-Staaten gefallen lassen, der Missmut richtete sich auch gegen EU-Länder wie Belgien, die Niederlande, Luxemburg oder Irland. Konkret funktioniert die neue Regel so: Hat zum Beispiel ein italienischer Konzern eine Holding-Tochtergesellschaft in Zug, so informiert die Schweiz die italienischen Steuerbehörden über den allfälligen steuerlichen Sonderstatus des Unternehmens. Italien kann dann bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung ein Gesuch zur Einsicht in die Steuerunterlagen der Holding-Tochtergesellschaft stellen. «Als Folge davon fällt je nachdem die Steuerrechnung für die italienische Muttergesellschaft höher aus», so Steuerexperte Boivin.

Holdinggesellschaften, Domizilgesellschaften und gemischte Gesellschaften, die sich nicht ausländischen Steuerbehörden offenbaren wollen, bleibt der Weg offen, den Status einer steuerprivilegierten Gesellschaft aufzugeben. «Das ist vor allem in der Zentralschweiz eine Option. Denn in diesen Kantonen sind die Unternehmenssteuern tief», sagt Boivin. Seine Empfehlung an die Unternehmen generell: «Wegen der Rechtsunsicherheit empfehlen wir den Unternehmen mit einem kantonalen Sondersteuerstatus zu erwägen, auf diesen Sonderstatus zu verzichten.»

Die Auswirkungen von massenhaften Aufgaben des Status wären aber zum Beispiel für den beliebten Holding-Standort Kanton Zug schlecht. Nicht einmal so sehr wegen der Steuereinnahmen, sondern wegen des nationalen Finanzausgleichs (NFA). Dieses komplexe System enthält einen Ressourcenausgleich. Das heisst: Kantone mit einem starken Steuersubstrat zahlen in den Topf ein für Kantone mit einem schwachen Substrat. Bei der Berechnung des Steuersubstrates werden die Holdings indes nur schwach gewichtet, weil sie wegen ihrer bevorteilten Stellung für die kantonalen Steuerkassen vergleichsweise wenig abwerfen.

Streifen die Holdings nun aber ihren Status ab und lassen sich normal besteuern, steigt in der NFA-Arithmetik das Steuersub­strat des Kantons Zug, und die Zuger als ohnehin grösster Zahlerkanton müssen noch mehr in den Topf einzahlen. Dieses Jahr zahlt Zug bereits 341 Millionen Franken in den NFA ein. Der Betrag macht fast einen Viertel der Kantonsausgaben aus.

Gleichzeitig bietet sich den Gesellschaften die Möglichkeit, beim Statuswechsel stille Reserven aufzulösen. Schreiben sie die ab, so sparen die Unternehmen je nach kantonaler Steuergesetzgebung ein paar Jahre Steuern. Zug würde also beim NFA mehr Steuereinnahmen angerechnet, die aber vorderhand nur in geringem Ausmass fliessen.

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