STEUERN: Pendler zahlen mehr Steuern

Pendler können bald nur noch einen geringen Steuerabzug bei der direkten Bundessteuer vornehmen. Die ersten Kantone ziehen bereits nach.

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Der Feierabendverkehr zwischen Zürich Wiedikon und dem Autobahndreieck Zürich Süd. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Der Feierabendverkehr zwischen Zürich Wiedikon und dem Autobahndreieck Zürich Süd. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Rainer Rickenbach

Wer zur Arbeit fährt, kann für die Arbeitsweg-Kosten höchstens noch 3000 Franken bei der direkten Bundessteuer abziehen. Die Einschränkung gilt für alle Fortbewegungsmittel: vom Auto über den Zug bis hin zum Motorrad. Die neue Regelung gilt seit dem 1. Januar und wird Auswirkungen auf die Steuererklärung und -belastung 2016 haben.

Die Limite ist tief angesetzt

3000 Franken sind eine tiefe Limite. Steuerexperte Marco Frappa von Balmer-Etienne hat berechnet, dass ein Auto-Pendler mit den üblichen Arbeitszeiten und einem Ganzjahresjob mit 10 Kilometern Distanz pro Weg vom Wohn- zum Arbeitsort 3080 Franken* abziehen kann. Künftig wird ein Pendler also bereits auf einer derart geringen Distanz nicht den vollumfänglichen Betrag bei der direkten Bundessteuer geltend machen können. Es handelt sich freilich ohnehin um Ausnahmen, wenn die Steuerämter bei derart kurzen Arbeitswegen die Notwendigkeit eines Autos anerkennen.

Legt jemand indes pro Fahrt zwischen Wohnort und Arbeitsplatz 50 Kilometer mit dem Auto zurück, lagen die steuerlich bisher anrechenbaren Arbeitsweg-Kosten bei 15 400 Franken*. Er kann also nicht einmal mehr einen Fünftel der bisherigen Abzüge bei der direkten Bundessteuer geltend machen. Auch fleissige Bahnfahrer können die Kosten für ein Generalabo nicht mehr vollumfänglich abziehen: Für die zweite Klasse kostet das Erwachsenen-GA heute 3655 Franken, für die erste Klasse sind es 5970 Franken.

Geld für die Bahninfrastruktur

Die Begrenzung der Abzüge für die Pendler ist politisch gewollt, und die faktische Steuererhöhung kommt einer Lenkungsabgabe gleich. Grundlage dazu bildet das Gesetz zur Finanzierung und zum Ausbau der Eisenbahninfrastruktur (Fabi). Die Stimmberechtigten hatten es vor gut zwei Jahren gutgeheissen. Die Arbeitsweg-Pendler zahlen mehr Steuern, und der Mehrertrag kommt den Beiträgen zugute, die der Bund und die Kantone den Bundesbahnen für den Ausbau der Anlagen zur Verfügung stellen.

Für Durchschnittsverdiener macht die Einschränkung fürs Erste keine sehr hohen Summen aus. Denn die Bundessteuer ist für sie in aller Regel tief, sie bewegt sich in den unteren und mittleren Lohnklassen zwischen 1500 und 3000 Franken. Richtig ins Geld geht die neue Regelung für Pendler, wenn die Kantone genau gleich wie der Bund verfahren und ihrerseits die Pendler-Abzüge stark begrenzen. Das Gesetz bietet ihnen die Möglichkeit dazu. Gemeinde- und Kantonssteuern machen je nach Einkommen schnell einmal einen Fünftel bis einen Viertel des Einkommens aus. In unserem Grafik-Beispiel kommt mit Hergiswil eine Tiefsteuer-Gemeinde zum Zug, in anderen Gemeinden und Kantonen dürfte sich tiefere kantonale Limiten drastischer auswirken.

Nidwalden zieht nach

In den Kantonen Bern, Basel-Stadt, Thurgau und Appenzell Ausserrhoden ist es bereits beschlossene Sache, die Abzüge für Pendler zu begrenzen. In der Zentralschweiz hat Nidwalden als erster Kanton nachgezogen. Im vergangenen November winkten die Stimmberechtigten eine neue Regelung durch, welche die Pendler-Abzüge für Kantons- und Gemeindesteuern auf 6000 Franken im Jahr beschränkt. Die Nidwaldner Steuerämter wenden die Einschränkung zeitgleich mit dem Bund an.

Die politische Diskussion um eine 6000-Franken-Obergrenze ist wie in Nidwalden in den Kantonen Zug und Schwyz bereits im Gang. Die Luzerner Regierung würde die Pendler-Abzüge sogar gerne wie der Bund bei nur 3000 Franken deckeln. Doch Entscheide sind in diesen drei Kantonen noch nicht gefallen, es bleibt dort vorläufig bei den bisherigen Pendler-Abzugsmodellen.

Mit Geschäftsauto direkt zu Kunden

«Für Pendler mit Privatautos gibt es bei Fabi keine Ausweichmöglichkeit. Sie müssen sich auf höhere Steuern gefasst machen», sagt Marco Frappa.

Nur wer mit dem Geschäftsfahrzeug unterwegs ist, hat mit einer geschickten Planung die Möglichkeit, die Steuerbelastung zu optimieren. «Wenn Aussendienstmitarbeiter vom Wohnort direkt zu einem Kunden fahren, gilt das als Geschäftsfahrt und nicht als Arbeitsweg. Wenn sich das für das Steueramt korrekt belegen lässt, lassen sich damit Steuern sparen», so Frappa.

Er warnt freilich vor Übertreibungen: Wer vorher zwei-, dreimal im Monat von zu Hause direkt zum Kunden fuhr und es in diesem Jahr plötzlich täglich tue, errege das Misstrauen der Steuerbehörden. Man könne ohnehin davon ausgehen, dass die Steuerbehörden künftig den Aussendienstfahrten besondere Aufmerksamkeit schenken. Frappa: «Es liegt darum im Interesse der Unternehmen und der Arbeitnehmer, bereits in diesem Jahr die erforderlichen Belege aufzubewahren und Aufzeichnungen wie Arbeitsrapporte zu führen. Der Arbeitgeber hat zudem den Aussendienstanteil im Lohnausweis anzugeben.»

Wer hingegen mit dem Geschäftsauto zuerst zur Firma fährt, fällt genauso unter die 3000-Franken-Regel wie die Fahrer von Privatautos auch. Denn der steuerliche Privatanteil von monatlich 0,8 Prozent des Auto-Anschaffungswertes, den Firmenauto-Fahrer entrichten, gilt für die private Nutzung, nicht aber für den Arbeitsweg.

Hinweis
* Berechnungsmodell: 220 Tage, 10 beziehungsweise 50 Kilometer, 2 Fahrten pro Tag bei 70 Rappen pro Kilometer.