STEUERN: Zug zahlt den höchsten Zins

Lohnt es sich bei den mickrigen Zinsen überhaupt noch, Steuern frühzeitig zu bezahlen? Meistens tut es das, sagt die Steuerexpertin.

Rainer Rickenbach
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Wer seine Steuern frühzeitig zahlt, erhält vom Steueramt einen Zins. Dessen Höhe variiert je nach Kanton aber deutlich. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Wer seine Steuern frühzeitig zahlt, erhält vom Steueramt einen Zins. Dessen Höhe variiert je nach Kanton aber deutlich. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Rainer Rickenbach

Das waren noch Zeiten: Nachdem der Kanton Luzern vor über einem Dutzend Jahren sein Steuer-Zahlsystem umgekrempelt hatte, gab es satte 3,5 Prozent auf vorzeitig einbezahlte Steuern. Viele Steuerpflichtige, die es sich leisten konnten, zahlten ihren über den Daumen gepeilten ganzen Steuerbetrag sofort im März auf dem Einzahlungsschein der Steuererklärung ein. So schafften sie es, sich bis zum Steuertermin Ende Jahr recht viel Zins gutschreiben zu lassen. Denn der Kanton verzinste besser als die meisten Banken auf ihren Sparkonti.

Bloss 0,3 Prozent in Luzern

Das ging so lange gut, bis der Kanton Opfer seines eigenes Steueranreizes wurde. Die Zinsen auf die früh einbezahlten Steuergelder gerieten schnell zum Renner und kamen den Kantonshaushalt teuer zu stehen. Für den eigentlichen Sinn – nämlich die Liquidität so gut wie möglich übers ganze Jahr zu verteilen – blieb zu wenig übrig. Die Regierung drückte vor ein paar Jahren mit dem Hinweis auf das Bremspedal, eine Steuerverwaltung sei kein Finanzinstitut.

Der Vorauszahlungszins (positiver Ausgleichszins) liegt im Kanton Luzern heute bei 0,3 Prozent (Vorjahr 0,5 Prozent). Zum Vergleich: Überwies ein Luzerner Steuerpflichtiger vor 14 Jahren Ende März 10 000 Franken im Voraus auf sein Steuerkonto, erhielt er für diesen Betrag Ende Jahr 262.50 Franken gutgeschrieben. Dieses Jahr bekommt er noch 22.50 Franken. An der Zinsschmelze sind aber nicht die schnellen Steuerzahler schuld. «Die Zinssätze auf den Steuern passen sich dem allgemeinen Zinsniveau an, und das ist im Keller», sagt Ruth Stadelmann, Steuerberaterin bei Balmer-Etienne. In der Tat dümpeln bei den grösseren Banken die Sparkonti-Zinsen für Privatkunden in einer Spannweite von 0,75 bis 0,02 Prozent vor sich hin.

Macht es überhaupt noch Sinn, Steuern frühzeitig einzuzahlen, wenn der Zinsvergleich die Wahl zwischen Not und Elend bietet? Stadelmann: «Ja. Immer dann, wenn das Geld auf einem Bankkonto liegt, das einen tieferen Zins einbringt als derjenige des Steueramts. Es schenkt natürlich nur bei grösseren Steuerbeträgen ein. Bei kleineren liegt aber immerhin auch der Gegenwert von ein paar Café crème drin.»

Nicht lohnenswert ist es indes, um jeden Preis bereits im Frühling Geld für die Steuern lockerzumachen. «Wer dafür das Konto überzieht und dann von der Bank einen Soll-Zins von 8 Prozent belastet erhält, macht kein gutes Geschäft», so Stadelmann. Gleich verhalte es sich bei einem Spezialkonto mit 1 Prozent Zins, von dem jedoch ein schöner Teil verloren geht, wenn das Geld zum Beispiel erst Ende September bezogen werden darf.

Aargau und Solothurn zahlen einen ähnlich dürftigen Vorauszahlungszins wie Luzern. In den anderen Zentralschweizer Kantonen lässt sich indes mehr herausholen. Sie zahlen auf vorzeitig einbezahlte Abgaben an den Fiskus mindestens dreimal mehr als Luzern (siehe Grafik).

Freilich funktioniert der Ablauf von Kanton zu Kanton unterschiedlich. In Luzern gibt es den Vorauszahlungszins, sobald das Geld dem Steuerkonto der Gemeinde überwiesen ist. Zahlen die Steuerpflichtigen die ungefähr gleich hohe Rechnungssumme wie im Vorjahr auf einmal, holen sie das Maximum heraus, wenn sich im Steuerjahr finanziell nichts wesentlich verändert. Zahlen sie gestaffelt, steigt der Zinsertrag nach jeder Einzahlung.

Schwyz und Zug locken mit Skonti die Bürger. Doch auch diese müssen heuer mit weniger Grosszügigkeit zurechtkommen, denn beide Kantone halbierten das Skonto von 2 auf 1 Prozent. Trotzdem profitieren die Steuerpflichtigen dort noch vergleichsweise viel, wenn sie bereits Mitte Jahr die Rechnung für die ganze Summe der provisorischen Steuerrechnung begleichen. «Das Prozent Skonto wird für eine um fünf Monate frühere Zahlung gewährt, was in Zug einem Jahreszins von 2,4 Prozent entspricht», erklärt Stadelmann. In Schwyz schaut mit demselben Mechanismus Ende Jahr ein Jahreszins von 2 Prozent heraus.

Frühere Steuertermine

In Nidwalden gibt es zwei Fälligkeitsdaten. Wer beide Raten schon bis zum 31. Juli zahlt, erhält 1,5 Prozent Vorauszahlungszins. In Stans wird nicht Ende Jahr, sondern Ende November abgerechnet. In den Kantonen Uri und Obwalden funktioniert es gleich wie in Luzern, bloss gibt es dort 1 Prozent (UR) und 2 Prozent (OW) für vorzeitig an den Fiskus bezahlte Beträge. Die Steuerperiode beginnt und endet in Uri Ende Oktober, in Obwalden jeweils Ende November.