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STEUERWETTBEWERB: Reform bringt Multis ins Grübeln

US-Amerikaner sind die grössten Investoren in der Schweiz. Für viele von ihnen könnte es sich nach der letzten Steuerreform in ihrer Heimat lohnen, die gewinnträchtigsten Aktivitäten nach Hause zu holen.
Daniel Zulauf
Der Sitz des US-Konzerns Johnson & Johnson in Zug. (Bild: Sigi Tischler/Keystone (24. April 2014))

Der Sitz des US-Konzerns Johnson & Johnson in Zug. (Bild: Sigi Tischler/Keystone (24. April 2014))

Daniel Zulauf

«Welche Auswirkungen auf das Steuersubstrat von Bund und Kantonen erwartet der Bundesrat von der amerikanischen Steuerreform?», fragte Nationalrat Martin Bäumle (GLP, Zürich) Mitte Dezember in der vorletzten Sitzung der Wintersession. Während die Regierung noch immer damit beschäftigt ist, die Informationen für eine Antwort zusammenzutragen, lässt sich zuverlässig schon heute voraussagen: US-Präsident Donald Trump wird unsere Finanzdirektoren und letztlich uns Steuerzahler mächtig ins Schwitzen bringen.

Das Szenario, dass Unternehmen Teile ihrer gewinnträchtigsten Geschäfte von der Schweiz in die USA verschieben oder nur schon deutlich mehr als bisher in den USA investieren, ist kein Hirngespinst von ein paar Lobbyisten, die nur beabsichtigen, dem Boden für eine schnelle Umsetzung der Schweizer Unternehmenssteuerreform etwas mehr Dünger zuzuführen.

US-Firmen relevant für Schweizer Arbeitsmarkt

Fakt ist nämlich: US-Firmen sind bislang die grössten ausländischen Investoren in der Schweiz. Das zeigt die aktuelle Statistik der Nationalbank über ausländische Direktinvestitionen. Amerikanische Unternehmen kontrollierten 2016 nicht weniger als 43 Prozent des ausländischen Kapitalbestandes in der Schweiz von 965 Milliarden Franken. Zwar konzentriert sich dieser mehrheitlich auf Finanz- und Holdinggesellschaften (57 Prozent), die nicht den Ruf haben, besonders beschäftigungswirksam zu sein. Doch neue Daten des Bundesamtes für Statistik (BfS) machen deutlich, dass die ausländischen Multis im Schweizer Arbeitsmarkt einen wichtigen Faktor darstellen. 2015 beschäftigten die 11 524 Tochterfirmen ausländischer Konzerne 468 095 Personen.

«Die amerikanischen Firmen bei uns beschäftigen sich intensiv mit der Steuerreform», weiss Martin Hess, Steuerexperte bei Swissholdings, dem Verband für internationale Konzerne. «Viele überlegen sich jetzt, welche Funktionen zurück in die USA verlegt werden könnten. In den nächsten ein bis zwei Jahren werden zahlreiche Entscheidungen gefällt werden. Die Auswirkungen sind vielfach erst in vier oder fünf Jahren sichtbar.»

Intensivierter Steuerwettbewerb

Attraktiv als Unternehmensstandort waren die USA bislang primär aufgrund der Grösse ihres Marktes und teilweise auch aufgrund des hoch qualifizierten Personals in forschungsintensiven Sektoren wie der Biotechnologie. «Nun könnte es sich lohnen, vermehrt auch Verwaltungs- und Managementfunktionen zurückzuschieben, zumal es für viele US-Firmen wenig Sinn mehr machen dürfte, ihre Gewinne wie bisher im Ausland zu horten.» Johnson & Johnson, der grösste amerikanische Arbeitgeber in der Schweiz mit rund 7000 Angestellten, hat dieser Tage eine Rückstellung von über 13 Milliarden Dollar gebildet, mit der man die nächstens aufgelaufenen Steuern auf den bisher steuerfrei im Ausland gebunkerten Gewinnen bezahlen will. Ein grosser Teil der zu repatriierenden Gewinne von Johnson & Johnson dürfte derzeit noch in der Schweiz liegen.

Martin Naville, Geschäftsführer der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer, sagte vor Weihnachten der NZZ, dass die Schweiz zwar mit einem Abfluss von Steuersubstrat zu rechnen habe. Die Auswirkungen davon seien aber «nicht dramatisch». Zweifel an der Prognose sind angebracht, zumal Trumps Reform den ohnehin schon harten internationalen Steuerwettbewerb weiter intensivieren wird.

«Entwicklung verlangt nach einer Reaktion»

Im Jahr 2000 belegten Kantone wie Zürich und Zug im internationalen Vergleich die vordersten Plätze in puncto Gewinnsteuern (siehe Grafik). Nach den diversen Steuersenkungsrunden ist nur Zug in einer Spitzenposition anzutreffen. Neben den USA haben auch andere Länder weitere Steuersenkungen angekündigt. Der Vorteil der Schweiz schrumpft weiter. «Die Entwicklung verlangt nach einer Reaktion der Schweiz», sagt Christian Frey von Economiesuisse, im Wissen, dass diese nach dem Volks-Nein zur Unternehmenssteuerreform III überfällig ist. «Eine Steuerreform, die auf einem gesellschaftlichen Konsens beruht, gibt den Unternehmen mehr Rechtssicherheit», glaubt er.

Diese Sicherheit könne die extrem teure und schuldenfinanzierte US-Reform nicht bieten. Die Auswirkungen der Reform für die Schweizer Unternehmen zeichnen sich bereits deutlich ab. Industriefirmen wie Landis + Gyr, die über eine grosse industrielle Basis in den USA verfügen, dürften die klaren Gewinner sein. Unternehmen wie Novartis, die aufgrund ihres Geschäftsmodells bereits eine effiziente Steuerplanung durchführen konnten und mit einer Steuerquote von 14 Prozent operieren, ziehen kaum Nutzen. Doch die Reform enthält auch allerlei Tücken, die darauf abzielen, US-Firmen zu bevorteilen. Darum sagt Günter Schäuble, Steuerexperte von Schindler: «Der Bundesrat sollte die Interessen der Schweiz im Steuerwettbewerb aktiver vertreten und den Mut aufbringen, sich gegen neue, potenziell unfaire Praktiken von anderen Ländern zu wehren.»

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