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St.Galler Stickereien: Swiss Design ist anziehend – deshalb bleibt Forster Rohner der Ostschweiz treu

Während Bischoff Textil den Grossteil der Produktion wohl nach Asien verlagert, will Forster Rohner am Standort St. Gallen festhalten. Trotz recht guter Geschäfte: In den Schoss fällt auch dem Konkurrenten nichts.
Thomas Griesser Kym
Popsängerin Rihanna, flankiert von den Models Bella (links) und Gigi Hadid, anlässlich der Präsentation ihrer neuen Lingerie-Kollektion. Auch Rihanna trägt Stickerei von Forster Rohner. (Bild: Kevin Mazur/Getty (New York, 12. September 2018))

Popsängerin Rihanna, flankiert von den Models Bella (links) und Gigi Hadid, anlässlich der Präsentation ihrer neuen Lingerie-Kollektion. Auch Rihanna trägt Stickerei von Forster Rohner. (Bild: Kevin Mazur/Getty (New York, 12. September 2018))

«Was bei der Bischoff Textil AG an Stellenabbau passiert, tut weh.»

Das sagt Emanuel Forster. Er leitet gemeinsam mit seiner Schwester Caroline Forster das andere grosse Schweizer Stickereiunternehmen in St. Gallen, die Forster-Rohner-Gruppe. Dass die Schweizer Textilindustrie und mit ihr die Stickereibranche über die Jahre und Jahrzehnte drastisch geschrumpft ist, das ist auch Forster bewusst. Aber er will nicht alle Firmen über den gleichen Kamm geschert haben. Seinem Familienunternehmen gehe es gut, sagt Forster: «Die vergangenen Jahre waren gewinnbringend, und das in allen Einheiten, ohne Quersubventionierung.» Zur Gruppe gehören im Wesentlichen Forster Rohner, Jakob Schlaepfer und Inter-Spitzen.

Das Geld verdiene man ausschliesslich im operativen Geschäft, also mit den Stickereien. Anders als Bischoff habe man ­keine Immobilien, in denen man Wohnungen und Büros vermiete. Und ebenfalls anders als Bischoff, die im Ausland mit Joint Ventures arbeitet, sind die ausländischen Stickbetriebe von Forster Rohner zu 100 Prozent eigene Tochtergesellschaften.

Rihanna als Werbeträgerin

Forster räumt ein, dass es ohne diese Auslandwerke in ­Rumänien, China und seit einem Jahr in Bosnien unmöglich wäre, im hart umkämpften internationalen Markt bestehen zu können. 900 Mitarbeitende zählt die ganze Gruppe, davon arbeiten 250 in St. Gallen. «In der Schweiz für das mittlere Segment zu produzieren, ist aus Kostengründen nicht denkbar», sagt Forster. Zudem beliefere man ab dem Produktionsstandort China auch chinesische Kunden. Diese kauften bei Forster Rohner jedoch auch Stickereien aus Schweizer Produktion, «aber das ist dann im Luxusbereich».

Mit anderen Worten: Stickereien, hergestellt in der Schweiz, lassen sich nur in der Nische des Topsegments verkaufen. Erstklassiges Swiss Design, erstklassige Innovation, erstklassige Qualität – das lässt sich, wenn auch in vergleichsweise geringen Mengen, zu entsprechend hohen Preisen verkaufen, und dafür ist eine Produktion hierzulande wirtschaftlich. Forster fomuliert wie folgt:

«Als Schweizer Firma müssen wir den Anspruch vertreten, weltweit die inspirierendsten Kollektionen zu zeigen und mit den besten Marken zusammenzuarbeiten.»

Besondere Aufmerksamkeit verspricht jeweils, wenn Prominenz sich Forster-Rohner-Stickereien bedient. So wie beispielsweise die R&B- und Popsängerin Rihanna, die ihre neue Lingerie-Kollektion soeben in New York lanciert hat.

Kreativdirektor Martin Leuthold ist Geschichte

Laut Forster ist der Personal­bestand seiner Gruppe in den ­vergangenen Jahren leicht gewachsen, und zwar nicht nur im Ausland, sondern auch in der Schweiz, und dies unabhängig von der Integration der Jakob Schlaepfer AG, die man Anfang 2016 der Filtex abgekauft hat. Laut Forster hat sein Unternehmen über die Jahrzehnte in der Schweiz auch massiv investiert, und zwar in jeweils modernste Sticktechnologie. Auf Ende Jahr steht bei Forster Rohner in St. Gallen erneut die Beschaffung einer Stickmaschine an, und bei Jakob Schlaepfer wird der Maschinenpark erneuert.

Bei Schlaepfer ist Anfang Jahr das Gesicht des Unternehmens, Kreativdirektor Martin Leuthold, nach 48 Jahren in Pension gegangen. Seit seinem Abgang sei es gelungen, zwei Kollektionen auf den Markt zu bringen, die an früheres Schaffen anknüpfen, aber auch der neuen Designergeneration Raum geben. Für Leuthold gibt es also keinen Nachfolger, keine Nachfolgerin. Forster stellt das nicht in Abrede, rückt aber die Teamleistung in den Vordergrund. Dies nicht zuletzt zur ­Pflege des Nachwuchses. «Dieser Verantwortung sind wir uns bewusst.» So verpflichte man auch junge Absolventen der renommierten Designschule in Antwerpen oder der Londoner Kunst- und Designhochschule Central Saint Martins. «Sie bringen frische Ideen ein, die sich mit langjähriger Erfahrung älterer Mitarbeitender mischen.»

Tüfteln an technischen Textilien

Lichttextilien mit LED und Stickerei von Forster Rohner, hergestellt von Forster Rohner Textile Innovations. (Bild: PD)

Lichttextilien mit LED und Stickerei von Forster Rohner, hergestellt von Forster Rohner Textile Innovations. (Bild: PD)

Neben den klassischen, hochmodischen Stickereien beschäftigt sich die Gruppe auch mit technischen Textilien. Zum einen tüftelt die Forster Rohner Textile ­Innovations unter der Leitung Caroline Forsters an leitfähigen Textilien. Darunter fällt alles, was mit Licht, Heizen und Sensorik zu tun hat. Die Abteilung hat auch schon Innovationspreise eingeheimst, so etwa für einen textilbasierten EKG-Gurt zur Messung der Herzfrequenz, wofür das Unternehmen den Sensor entwickelt hat. Zum anderen ist da die Biontec, die von Vater Ueli Forster vor einigen Jahren gegründet worden ist und ausserhalb der Gruppenstruktur operiert. Biontec stellt auf Stickmaschinen Karbonfaserverbundstoffe her, die zu Teilen etwa für die Mess-, Medizinal- oder Autoindustrie verarbeitet werden. Derzeit tüfteln die Ingenieure an einem Auftrag für Teile für Weltraumsatelliten.

Im Vergleich zu modischen Textilien bieten technische einen besseren Schutz gegen industrielle Kopisten, wie Forster sagt. «Aber sie sind für uns eine Nische.» Für die Zukunft zeigt er sich für sein Unternehmen ­zuversichtlich:

«Wir wollen den Schweizer Standort erhalten und weiter hier investieren.»

Auch die komplette Designleistung wolle man weiterhin in St. Gallen erbringen. «Für Swiss Design kommen die Kunden, und da steckt sehr viel Know-how drin», sagt Emanuel Forster. Und: «Einen Grund, den Glauben an die Stickerei und an St. Gallen als Nabel von Design und Innovation zu verlieren, gibt es nicht.»

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