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Stimmung bei UBS-Bankern ist angespannt

Dicke Luft bei den UBS-Bankern: In Anbetracht des massiven Stellenabbaus ist die Stimmung mehr als angespannt. Wer behält seine Stelle, wem wird gekündigt?

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Banker in Zürich

Banker in Zürich

Keystone

Martin Rupf

Viele UBS-Mitarbeiter sind verunsichert. Grund: Die Grossbank rechnet in der Schweiz mit 1200 bis 1500 Entlassungen. Zurzeit laufen die Konsultationsverfahren zwischen der Arbeitgeberin UBS und den Arbeitnehmervertretern. Inhalt der Gespräche sind die Bedingungen des geplanten Stellenabbaus. Um den Stellenabbau in Grenzen zu halten, sollen neue Arbeitszeitmodelle umgesetzt werden, wie die «Neue Zürcher Zeitung» kürzlich schrieb.

«Im Vordergrund steht die Möglichkeit der Teilzeitarbeit», sagt Denise Chervet, Zentralsekretärin des Bankpersonalverbandes. Bis zum 17. Mai hat die Arbeitnehmerschaft Zeit, ihre Vorschläge einzubringen. Nach Eingang der Gegenvorschläge seitens der Arbeitgeberin wird dann über den konkreten Stellenabbau entschieden.

Loyalitätsdruck ist sehr gross

Kein Wunder, ist die Stimmung bei den UBS-Mitarbeitern wegen der Ungewissheit angespannt. Es seien drei Punkte, die den Mitarbeitern besonders zu schaffen machten, erklärt Chervet. Erstens: In der Bankenbranche sei das Bild des Einzelkämpfers kultiviert worden. «Die Mitarbeiter stehen unter einem grossen Loyalitätsdruck. Die Probleme werden nicht nach aussen getragen, weil man nicht negativ auffallen will.» Zweitens: Viele UBS-Banker fürchteten sich nicht nur um ihren Job, sondern hätten auch Angst, im Finanzsektor keine neue Stelle zu finden. Und drittens: der Verlust der sozialen Anerkennung, woran auch die Medien ihren Anteil beigetragen hätten, wie Chervet kritisch anmerkt.

Denise Chervet setzt sich dafür ein, dass während der Konsultationsverfahren keine von einem Stellenabbau betroffenen Mitarbeiter informiert werden. Zu einer Kündigung darf es sowieso nicht kommen. «Die Mitarbeiter sind nur dann bereit, solidarisch auf neue Lösungen wie zum Beispiel Teilzeitarbeit einzugehen, solange sie nicht wissen, wen es trifft», ist Chervet überzeugt.

Karriere und Teilzeit: Geht das?

Die Zentralsekretärin glaubt an die Vorteile der neuen Arbeitszeitmodelle: «Sie tragen gewiss dazu bei, den Stellenabbau in Grenzen zu halten.» Chervet ist sich aber auch bewusst, dass es noch viel Überzeugungsarbeit braucht. «Wenn man bei einer Bank Karriere machen will, arbeitet man nicht Teilzeit.» Sie hoffe, dass besonders das höhere Kader mit gutem Beispiel vorangehe und selber beginne, die Arbeitszeit zu reduzieren.

Die laufenden Konsultationsverfahren erachtet Chervet als äussert wertvoll. Sie seien das beste Gegenmittel gegen die Verunsicherung, ist sie überzeugt. «Für viele Mitarbeiter ist es wichtig, sich in diesen Konsultationen einbringen zu können, ohne dabei ihr Gesicht zu verlieren.» Auf keinen Fall seien diese Verfahren eine Alibiübung, hält Chervet fest. «Die Mitarbeiter, die täglich an vorderster Front arbeiten, kommen oft mit sehr guten Vorschlägen.»

Kein Transfer ins Coaching

Wer bei der UBS von einer Kündigung bedroht ist, nimmt zuerst an einem zweimonatigen Coaching teil. Gemäss «SonntagsZeitung» soll auch der Transfer in das Coaching-Programm während der Konsultationsfrist unterbunden werden. Chervet begrüsst dies: «Das Verhandlungsergebnis soll nicht durch laufende Massnahmen beeinflusst werden.»