«Stimmung ist nicht annähernd so gut wie vor fünf Jahren»

SGE-Chef Daniel Küng im Interview mit Danile Zulauf.

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SGE-Chef Daniel Küng. (Bild: Keystone)

SGE-Chef Daniel Küng. (Bild: Keystone)

Daniel Küng, CEO von Switzerland Global Enterprise, über die Erholung der Schweizer Exportwirtschaft und die Herausforderungen der Zukunft.

Daniel Küng, die Statistik sagt, dass die Exportwirtschaft langsam aus der Talsohle herauskommt. Für viele Firmen ist es eine zaghafte Erholung. Wie ist die Stimmung?

Die Statistik ist immer nur ein Blick in die Vergangenheit. Aber wir fragen die Firmen regelmässig, wie sie die Zukunft sehen, und da sehen wir, dass die Zuversicht für die kurzfristige Zukunft deutlich grösser ist, als es die Statistik erwarten liesse. Die Margen haben sich für viele Firmen leicht verbessert.

In der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM) klagen immer noch viele kleine Betriebe, sie hätten nicht einmal mehr das Geld für existenzsichernde Investitionen.

Das ist in der Tat ein Sektorproblem. Der MEM-Bereich ist sicher einer der am meisten gebeutelten Sektoren, und die kleinen Unternehmen in dieser Branche essen hartes Brot.

Wie passt das zur aufgehellten Stimmung? Die MEM-Industrie ist die wichtigste Exportbranche.

Die Stimmung in der Exportwirtschaft ist nicht annähernd so gut wie vor fünf Jahren. Aber immerhin beginnt sie sich zu verbessern.

Wie können Sie den Firmen helfen?

Es gibt zwei Herausforderungen: Erstens müssen wir die Firmen unterstützen, ihre Exporte stärker zu diversifizieren. Noch immer gehen 54 Prozent unserer Exporte in den Euroraum. Vor zehn Jahren waren es noch 65 Prozent, aber 54 Prozent sind immer noch zu viel. Stellen Sie sich nur vor, was passiert wäre, wenn Marine Le Pen zur französischen Präsidentin gewählt worden wäre.

Exportförderung als Mittel zur Besitzstandwahrung?

Nicht nur. Wir sehen zweitens eine grosse Verlagerung des Konsums von Westen nach Osten, den Aufstieg neuer kaufkräftiger Mittelschichten in verschiedenen grossen Schwellenländern. Es gibt einen steigenden Bedarf nach Mobilität und nach mehr Nachhaltigkeit. Wir wollen den Firmen helfen, sich auf diese Veränderungen einzustellen.

Wie schnell gehen die Veränderungen, die Sie beschreiben?

Man rechnet, dass sich in den nächsten 15 Jahren die Zahl der Mittelschichtkonsumenten von heute etwa zweieinhalb Milliarden Personen auf fünf Milliarden verdoppeln wird.

Das Freihandelsabkommen mit China ist inzwischen seit drei Jahren in Kraft. Der Start verlief für viele Schweizer Exporteure ernüchternd. Wie ist der Ausnützungsgrad des Abkommens?

Das ist schwer zu sagen. Im Durchschnitt erreicht ein Freihandelsabkommen einen Ausnützungsgrad von 50 bis 60 Prozent. Wenn wir das Abkommen mit China bis 2028 so nutzen, unter der Annahme einer bestimmten Wachstumsrate der Exporte, lassen sich gesamthaft Einsparungen von fast 6 Milliarden Franken für unsere Industrie schätzen.

Wie entwickelt sich der Handel mit dem Iran?

Die Öffnung ging bisher weniger schnell voran, als wir uns erhofft hatten. Aber es ist ein Land mit 80 Millionen Einwohnern, in dem die Schweiz einen sehr guten Ruf geniesst. Wir müssen einen langen Atem beweisen und werden dann unsere Chance erhalten. (dz)