STIMMUNG: Neue Hoffnungen bei Exporteuren

Das Freihandelsabkommen mit China kommt bei den hiesigen Unternehmen langsam an. Nicht nur deshalb hat sich die Stimmung unter den KMU in den letzten Monaten verbessert.

Daniel Zulauf
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Auch dank Lindor-Kugeln ist Lindt & Sprüngli im Ausland erfolgreich. (Bild: Martin Ruetschi/KEY (Kilchberg, 10. März 2010))

Auch dank Lindor-Kugeln ist Lindt & Sprüngli im Ausland erfolgreich. (Bild: Martin Ruetschi/KEY (Kilchberg, 10. März 2010))

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch

Die Wirkung des bereits vor zweieinhalb Jahren in Kraft gesetzten Freihandelsabkommens zwischen der Schweiz und China scheint sich zunehmend in die Breite zu entwickeln. Diesen Schluss legen jedenfalls die jüngsten Umfragewerte zur Exportstimmung unter den Schweizer Klein- und Mittelbetrieben (KMU) nahe (siehe Grafik).

Die staatlich mandatierte Exportförderungsorganistion Switzerland Global Entreprise (S-GE) befragt quartalsweise 200 exportierende KMU aller Branchen mit maximal 250 Mitarbeitern über den erwarteten Verlauf der Ausfuhren im laufenden und im nächsten Dreimonatsabschnitt. 41 Prozent rechnen damit, ihre Produkte auch im Reich der Mitte, dem mit Abstand grössten Exportmarkt Asiens, absetzen zu können. In den vergangenen drei Jahren hatte sich der Wert teilweise unter 35 Prozent bewegt.

Chinesische Mittelschicht im Visier der Exporteure

Der deutliche Anstieg dürfte allerdings auch zu einem erheblichen Teil auf die Stabilisierung der chinesischen Wirtschaft zurückzuführen sein. Diese hatte im Jahr 2010 noch mit einer Rate von über 12 Prozent expandiert, um dann in kurzer Zeit auf ein Expansionstempo von unter 6 Prozent abzugleiten. Den jüngsten Statistiken zufolge hat sich das Wachstum der chinesischen Wirtschaft inzwischen aber bei etwas mehr als 6 Prozent stabilisiert, was auch den Schweizer Exporteuren neue Hoffnung verleihen dürfte. «China ist seit Jahren eine Destination von wachsender Bedeutung für die Schweizer KMU», sagt Daniel Bont, der zuständige Experte bei S-GE. «Selbst Nischen können hier ­riesig ausfallen. Mit dem Wachstum der chinesischen Mittelschicht wird sich ­diese Entwicklung fortsetzen. Das ist der entscheidende Grund für KMU, ein Exportprojekt anzugehen.»

Doch die ersten Erfahrungen mit dem Freihandelsabkommen waren keineswegs eindeutig positiv. Viele KMU klagten über administrative Hürden und bürokratische Zollformalitäten, die mit einem Freihandelsabkommen just zum Verschwinden gebracht werden sollten. Die Probleme wurden kaum bestritten: «Es entspricht unserer Erfahrung, dass es einige Zeit dauern kann, bis ein Freihandelsabkommen mit einem Partnerstaat reibungslos funktioniert, insbesondere wenn es sich um ein Land mit wenig Erfahrung mit Freihandelsabkommen handelt», erklärt Bont. Inzwischen hört man bei S-GE aber «immer weniger über Schwierigkeiten von KMU bei der Anwendung des Abkommens». Jeder Eintritt in einen fremden Markt bleibe indessen «ein grosses Projekt für KMU», sagt Bont, «insbesondere in einem so weit entfernten Land wie China». Einen kräftigen Schub verzeichneten in den letzten Jahren aber auch die Exporte nach den USA. Dieser Markt hat im Zug der Aufhebung des Euro-Mindestkurses vor zwei Jahren auch für die KMU schlagartig an Bedeutung gewonnen. Nicht nur verzeichnete die US-Wirtschaft im Vergleich zu grossen Handelspartnern in der EU (Frankreich/Italien) ein relativ robustes Wachstum. Mitgeholfen hat auch der Wechselkurs. Während sich der Dollar seit dem 15. Januar 2015 um 20,5 Prozent zum Franken verteuern konnte, ­erfuhr der Euro im Zug der geänderten Nationalbankpolitik eine Abwertung, die gemessen am früheren Mindestkurs heute noch über 10 Prozent beträgt.

Konzentration auf Kleinserien

Für viele KMU bleibt die Wechselkurs­situation deshalb ein grosses und bisweilen sogar ein existenzielles Problem. ­Roland Goethe, Präsident des KMU-­Verbandes Swissmechanic, verweist auf die letzte Umfrage unter seinen rund 1400 Mitgliedsfirmen: 50 Prozent sprechen von einem unbefriedigenden ­Geschäftsgang. 35 Prozent leiden unter rückläufigen Aufträgen und unter einem erodierenden Exportgeschäft. Der durchschnittliche Swissmechanic-Betrieb zählt 33 Angestellte und fungiert als Zulieferer von Exportfirmen in der ­Maschinen- und Metallindustrie.

Viele dieser Betriebe dürften den Frankenschock besonders hart zu spüren bekommen haben. Aufträge wurden gestrichen und neue Verträge mit Lieferanten aus kostengünstigeren Regionen – auch aus China – aufgesetzt. Goethe ist selber Inhaber eines Metallbearbeitungsbetriebes mit 25 Angestellten in China. Die laufende Verschärfung der Wechselkursprobleme habe die Herstellung grosser Serien für den Export zunehmend schwierig gemacht, sagt er. Deshalb konzentriere man sich nun stärker auf die Entwicklung und auf Kleinserien, seinem Unternehmen gehe es dabei gut, sagt er.