EBL
Strom aus Europas Sonnengürtel

Das ist ein Meilenstein in der Geschichte der Elektra Baselland (EBL): Sie baut in der spanischen Region Murcia ein Solarkraftwerk, das für Tausende Konsumenten Strom liefern soll. Mitmachen wollen auch die Industriellen Werke Basel (IWB).

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Solarkraftwerk der EBL und IBW in Südspanien

Solarkraftwerk der EBL und IBW in Südspanien

Zur Verfügung gestellt

Hans-Martin Jermann

Was die Millionen-Investitionen in die Solarenergie für die EBL bedeuten, verdeutlichte Geschäftsführer Urs Steiner gestern vor den Medien mit einer Anekdote aus der Unternehmensgeschichte: 1950 habe die EBL sagenhafte drei Millionen Franken in den Bau des Kraftwerkes Birsfelden gesteckt - dies notabene bei einem Jahresumsatz von 1,5 Millionen. «Das Kraftwerk ist heute die Cash-Cow der EBL. Mut und Weitsicht unserer Väter haben sich also gelohnt», verdeutlichte Steiner.

Mut und Weitsicht: Diese Tugenden sollen der EBL heute helfen, das selbst erklärte Ziel zu erreichen, bis 2020 30 Prozent ihres Strom- und Wärmeabsatzes aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen. Einen wichtigen Schritt zu diesem Ziel hat der grosse Baselbieter Energieversorger nun gemacht: Rund 57 Millionen Franken will die EBM in das neue Solarkraftwerk «Puerto Errado 2» in der Region Murcia im Südosten Spaniens stecken. 21 Millionen hiervon sollen von den IWB übernommen werden, sofern der Basler Grosse Rat dem Vorhaben zustimmt.

80 Fussballfelder gross

Weitere 10 Millionen steuert die verantwortliche Anlage-Entwicklerin aus Karlsruhe (siehe Box) bei, die am geplanten Standort heute bereits eine Pilotanlage betreibt (Bild). Der grosse Rest der Investitionen von rund 225 Millionen Franken soll via Banken fremdfinanziert werden. Der Zeitplan ist ehrgeizig: Bereits im Oktober sollen die ersten Spaten in die Erde gerammt werden. Ab Ende 2011 soll die Anlage Strom ins spanische Netz einspeisen.

Neuartige Technologie

Das geplante Kraftwerk «Puerto Errado 2» funktioniert nach dem Prinzip der solaren Dampferzeugung: Dabei werden die einfallenden Sonnenstrahlen mit Spiegeln auf einen Brennpunkt konzentriert. In diesem Receiver wird Wasser, das in ein Rohr eingefasst ist, erhitzt und bei 270 Grad verdampft.
Der Dampf wird an eine Turbine weitergeleitet und in Strom umgewandelt. Im Gegensatz zu Parabolrinnenkraftwerken, deren aufwändige Spiegeloberflächen wie Segel im Wind stehen, sieht die neuartige Fresnel-Kollektoren-Technologie bei «Puerto Errado 2» flache Glasspiegel vor. Damit könne bis zu 70 Prozent Material eingespart werden, sagt Martin Selig, Vorstandsvorsitzender der Novatec Biosol. Zudem seien die flachen Glasspiegel einfacher zu reinigen.
Die Einsparungen bei den Kollektoren will die Novatec in eine bessere Turbinen-Technologie investieren: «Unsere Turbinen funktionieren ohne Wasserkühlung - das spart Millionen Liter Wasser», betonte Selig. Im trockenen Süden Spaniens ein nicht zu unterschätzender ökologischer und wirtschaftlicher Vorteil. (haj)

Die Dimensionen des Projekts in der spanischen Pampa sind ebenfalls beeindruckend. Gesamtfläche: 600 000 Quadratmeter - das entspricht 80 Fussballfeldern. Auf 280 000 Quadratmetern Spiegelfläche wird eine Leistung von bis zu 30 Megawatt erbracht. Pro Jahr erzeugt die Anlage rund 50 Gigawattstunden Strom. Damit können mehr als 10 000 Haushalte versorgt werden.

Einer der Erfolgsfaktoren des Projekts ist die Lage im Sonnengürtel Europas: In der Region Murcia prallt rund doppelt so viel Energie der Sonne auf die Erde wie in Mitteleuropa. Hinzu kommt, dass Spanien vor wenigen Jahren als erstes europäisches Land eine Einspeisevergütung für Solarstrom eingeführt hat. «Dies garantiert, dass das Projekt auch wirtschaftlich äusserst interessant ist», meinte EBL-Geschäftsleitungsmitglied Beat Andrist.

EBL: Keine Kohlekraftwerke

Sowohl EBL als auch IWB stehen unter Druck, in den nächsten Jahren ihre Stromproduktion zu erhöhen. Als Reaktion darauf wollen die Baselbieter bis 2015 zusätzliche 190 Gigawattstunden bereitstellen, darunter 50 Gigawattstunden Sonnenenergie, 70 Gigawattstunden aus Windkraft sowie 50 Gigawattstunden aus konventionellen Quellen. Weitere Beteiligungen an Solarkraftwerken sind angedacht. «Hingegen gibt es keine solchen an Kohlekraftwerken», stellte Steiner erneut klar. Kein Tabu sind für die privatrechtliche Genossenschaft indes Beteiligungen an Atomkraftwerken, wie der EBL-Chef bereits früher unterstrich.

IWB: Projekte im Ausland nötig

Strikt sind die Vorgaben für die IWB, die sich im Eigentum des Kantons Basel-Stadt befinden: Beteiligungen an Grosskraftwerken - egal ob Gaskombi oder Kernkraft - sind verboten. «Die IWB müssen eine führende Rolle im Markt für erneuerbare Energien spielen», verdeutlichte Bernhard Brodbeck, Leiter Unternehmensentwicklung beim Basler Stromversorger. Das Problem: In der Schweiz sei das Produktionspotenzial limitiert: «Wir sind deshalb gezwungen, im Ausland Projekte zu realisieren. Es gibt angesichts der Vorgaben keine andere Option», stellte Brodbeck klar.