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STROMMARKT: Was von «Alpiq» übrig bleibt

Alpiq kann sich die Diversifikationsstrategie nicht mehr leisten und verkauft das Industriegeschäft an die französische Bouygues. Damit wird der Energie- wieder zum reinen Stromkonzern.
Daniel Zulauf
CEO Jasmin Staiblin von Alpiq anlässlich der gestrigen Bilanzmedienkonferenz. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Olten, 26. März 2018))

CEO Jasmin Staiblin von Alpiq anlässlich der gestrigen Bilanzmedienkonferenz. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Olten, 26. März 2018))

Daniel Zulauf

Vor zehn Jahren wurden im Schweizer Strommarkt die Karten neu verteilt. In jener Zeit entstand das Unternehmen Alpiq – ein Zusammenschluss von ­Vertriebsgesellschaften und Stromproduzenten, ergänzt mit einer Sparte für Dienstleistungen wie Installations- und Gebäudetechnik und anderen Aktivitäten.

Die Firma geriet in Schwierigkeiten, als in Europa die Strompreise fielen. Die Wasserkraftwerke mussten in der Bilanz abgeschrieben werden, und die Vermögensrechnung von Alpiq geriet aus den Fugen. Vor fünf Jahren sass der Konzern auf 4 Milliarden Franken Schulden. Es resultierte ein Jahresverlust von mehr als 1 Milliarde Franken, und die Zukunft sah ganz danach aus, als könnte es Alpiq schon bald nicht mehr geben.

5000 Mitarbeiter erhalten ausländischen Arbeitgeber

Doch am Montag sagte Konzernchefin Jasmin Staiblin auf der Jahresmedienkonferenz, sie sei noch nie so zuversichtlich für das Unternehmen gewesen. Was ist geschehen? Alpiq hat es unter der österreichischen Managerin geschafft, die Schulden zu reduzieren. Investitionen wurden auf das Nötigste zurückgefahren und jeder Franken, den man aus Verkäufen von Betriebsteilen lösen konnte, wurde in den Schuldenrückbau gesteckt. Das «Bilanzmanagement» wurde intensiviert, das heisst, die Ausgaben wurden so weit wie möglich gestreckt und die Einnahmen schneller einkassiert.

Per Ende Jahr belief sich die Nettoverschuldung des Konzerns auf 700 Millionen Franken – 200 Millionen Franken weniger als im Jahr davor. Dem steht ein Zufluss an Einnahmen in Form von flüssigen ­Finanzmitteln gegenüber, der in den vergangenen Jahren deutlich weniger stark gesunken ist als die Verschuldung. Das bedeutet, dass die Firma ihre Kapazität zur Bedienung der Schulden verbessert hat. Doch nun hat Alpiq die Möglichkeiten zur Sanierung der eigenen Bilanz ausgeschöpft. Mit einer Weiterführung des Sparregimes hätte man riskiert, die führende Position in verschiedenen Märkten des Installations- und Gebäudetechnikgeschäftes zu verlieren, hiess es am Montag in Olten. Deshalb wird dieses Geschäft mit seinen 7650 Mitarbeitern nun an den französischen Baukonzern Bouygues veräussert. Alpiq habe sich die nötigen Investitionen für die Verteidigung der guten Marktposition nicht mehr leisten können, erklärte Staiblin. Man sei deshalb schlicht nicht mehr der beste Eigentümer gewesen. Unter der Bedingung, dass die Wettbewerbsbehörden dem Verkauf zustimmen, werden voraussichtlich im Herbst rund 5000 Mitarbeiter in der Schweiz einen neuen ausländischen Arbeitgeber erhalten.

Das muss für die betroffenen Mitarbeiter keine negativen Folgen haben. Im Unterschied zum Verkauf des Turbinengeschäftes von Alstom an General Electric betreibt Alpiq in der Schweiz keine Fabriken, die sich ins Ausland verlagern lassen. Es geht um In­stallateure und anderes Personal für spezialisierte Dienstleistungen, die lokal bei den Kunden durchgeführt werden. Staiblin zeigte sich hochzufrieden über den Verkauf, natürlich nicht nur, weil er für das Personal eine bessere Zukunft versprechen soll. Vielmehr löst Alpiq einen überraschend hohen Betrag von 850 Millionen Franken, mit dem das Unternehmen nun ganz schuldenfrei werden kann.

Der Zeitpunkt für die Rückbesinnung auf das «Kerngeschäft», die Produktion und den Handel mit Strom, scheint gut gewählt. Im Parlament kommt das Thema der vollständigen Strommarktliberalisierung aufs Tapet – ein Wunsch, den Alpiq schon seit langem hegt. Die Solothurner verfügen im Vergleich mit anderen Kraftwerkbetreibern über keine Monopolkunden. Als Folge davon verlieren sie mit dem Verkauf von Schweizer Strom einen Haufen Geld. Auch der Wasserzins, den Bergkantone und -gemeinde einfordern, soll politisch neu ausgehandelt werden. Die Bedingungen sind im Urteil von Staiblin demnach günstig, dass Alpiq in zwei Jahren mit Schweizer Strom wieder gutes Geld verdienen kann.

2017 fiel das Resultat freilich noch deutlich negativ aus: Der operative Betriebsgewinn unter Ausklammerung von Sondereinflüssen sank trotz 18 Prozent mehr Umsatz nicht zuletzt auch aufgrund des mit Verspätung eingetretenen Frankenschocks von 395 Millionen auf 301 Millionen Franken, während unter dem Strich ein Verlust von 33 Millionen Franken resultierte.

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