STUDIE: Ferrari verdient am meisten

Toyota verdient doppelt so viel an seinen Autos wie der grosse Rivale VW. Die Premiumhersteller spielen indes in einer anderen Liga. Bei vielen ging der Gewinn aber zurück.

Hans-Peter Hoeren
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Der Maserati Ghibli: Mit der Luxuskarosse konnte Fiat gutes Geld verdienen. (Bild: Keystone)

Der Maserati Ghibli: Mit der Luxuskarosse konnte Fiat gutes Geld verdienen. (Bild: Keystone)

Toyota, Volkswagen, General Motors – der Kampf um die Krone des weltgrössten Autoherstellers tobt unentwegt: Im vergangenen Jahr zog Volkswagen mit 9,73 Millionen verkauften Fahrzeugen an General Motors vorbei. Bis 2018 will VW-Chef Martin Winterkorn auch Toyota hinter sich gelassen haben. Die Japaner sind mit 9,98 Millionen verkauften Fahrzeugen nach wie vor der weltgrösste Autohersteller.

Punkto Profitabilität sind die Japaner den Wolfsburger Autobauern allerdings deutlich weiter voraus. Pro verkauftes Fahrzeug erzielte der japanische Konzern im vergangenen Jahr im Schnitt einen Gewinn von 1558 Euro, die Marke VW hingegen nur 616 Euro. Das zeigt eine neue Studie des Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen. Hinter dieser steht der renommierte deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.

Immenser Gewinnsprung

Berechnet wurde, wie profitabel die Autosparten der Konzerne sind – und zwar pro verkauftes Auto. Berechnungsgrundlage ist der Betriebsgewinn/Betriebsverlust vor Zinsen und Steuern (Ebit). Die Auswertung erfolgte getrennt für Massen- und Premiumhersteller.

Bei den Massenherstellern machte Toyota im vergangenen Jahr den mit Abstand grössten Gewinnsprung pro verkauftes Fahrzeug – dies zeigt der Vergleich zur letztjährigen Studie. Unterm Strich verdiente Toyota pro verkauftes Auto 851 Euro mehr als im Vorjahr. «Toyota hat im vergangenen Jahr enorm von der Abwertung des japanischen Yen profitiert», erklärte Dudenhöffer. Zudem habe die deutliche Erholung des japanischen Marktes und des US-Marktes sich positiv für Toyota ausgewirkt. Gesamthaft konnte der japanische Konzern 233 000 Fahrzeuge mehr verkaufen als im Vorjahr. «Toyota hat zu alter Stärke zurückgefunden», sagte der Autoexperte. Trotz Rückruf-Debakeln habe es Toyota geschafft, hoch profitabel zu agieren.

Chrysler lässt Fiat alt aussehen

Auf Platz 2 folgt der Vorjahresbeste unter den gewinnträchtigsten Autobauern: Chrysler. 1281 Euro Gewinn pro Fahrzeug konnte Chrysler erwirtschaften. Das ist eine leichte Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr. Dennoch bleibt das Unternehmen eine Ertragsperle. Ein Teil der Verschlechterung resultiert aus der Euro-Aufwertung. «Chrysler-Chef Sergio Marchionne hat es geschafft, aus dem Pleitekandidaten ein sprudelndes Unternehmen zu machen», sagt Dudenhöffer. Dennoch bleibe Chrysler ein risikoreiches Engagement. «Die einseitige Ausrichtung auf die USA und der Sparkurs bei den Produkt-Innovationen in den letzten Jahren sind die grossen Risiken im Marchionne-Monopoly», sagt Dudenhöffer. Bei der zum gleichen Konzern gehörenden Marke Fiat erhöhten sich die Verluste auf 224 Euro pro Fahrzeug.

Die zwei Gesichter von Ford

Hinter Chrysler folgt Hyundai mit einer leicht gesunkenen Ebit-Marge von 9 Prozent. «Sehr erfolgreich war im vergangenen Jahr Ford unterwegs mit einem Ebit-Gewinn von 820 Euro pro Auto, und das trotz des hoch verlustreichen Europageschäfts», heisst es in der Studie. Die Ford-Tochtergesellschaft in Europa hingegen weist mit 891 Euro pro Auto den grössten Verlust aller untersuchten Autobauer aus.

Grosse Risiken bei VW

Die Autos der Marke VW finden sich indes im Mittelfeld wieder und verloren an Profitabilität. Lag die Ebit-Marge 2012 noch bei 3,5 Prozent, betrug sie im vergangenen Jahr noch 2,9 Prozent. Zum Vergleich: Die Ebit-Marge von Toyota sprang von 3,5 auf 8,8 Prozent. «Die Marke VW eilt zwar von Verkaufsrekord zu Verkaufsrekord, aber im Vergleich zu Toyota besteht die Gefahr, dass sich VW zu Tode siegt. So ähnlich wie beim Wettkampf zwischen Hase und Igel», sagt Dudenhöffer. Dünne Margen im Massengeschäft bei steigenden Verkaufszahlen würden ein grosses Risiko bergen, kommentierte der Autoexperte mit Blick auf die Marke VW.

Der VW-Konzern werde durch Porsche und Audi getragen, während das klassische Massengeschäft kaum Erträge abwerfe. Im Vergleich zum Vorjahresranking ist VW aber wieder profitabler als die zum Volkswagenkonzern gehörende Marke Skoda. «Skoda ist stark auf Europa konzentriert, da hat die Eurokrise bei der Nachfrage und den Preisen stark mitgespielt», erklärt der Studienautor. VW hingegen sei internationaler aufgestellt, 41 Prozent der Verkäufe entfielen auf China, und dort bestehe eine grosse Nachfrage.

Verluste im Europageschäft

Autobauer hingegen, die sich stark oder ausschliesslich auf den europäischen Markt fokussieren, finden sich einmal mehr am Ende des Rankings wieder. Ob General Motors Europe (sprich Opel-Vauxhall), Peugeot-Citroën, die VW-Tochter Seat, Renault oder Fiat – sie zahlen bei jedem verkauften Fahrzeug drauf. Allerdings konnten die meisten dieser Hersteller ihre Verluste im Vergleich zum Vorjahr deutlich verringern. Opel beispielsweise hat seinen Verlust halbiert. «Auch das reine Massenautogeschäft von Fiat, ohne die Zulieferaktivitäten und die Premium­marken Ferrrari-Maserati, bleibt in den roten Zahlen», sagt der Autoexperte. Fiat habe noch eine schwere Zeit vor sich, aber die Fiat-Gruppe werde durch die Chrysler-Gewinne stabilisiert.

Porsche hat die höchste Marge

In einer ganz anderen Profitabilitätsliga spielen hingegen die Premium­marken. Doch mit Ausnahme von Ferrari-Maserati (hier liegt die Marge bei 14 Prozent) und Porsche (Marge von 18 Prozent) sind bei den übrigen Premiumherstellern die Ebit-Margen im vergangenen Jahr leicht gesunken. Den grössten Gewinn pro Fahrzeug machte Ferrari-Maserati mit 23 967 Euro.

Für das laufende Autojahr gibt sich Ferdinand Dudenhöffer optimitisch. «Die Gewinne dürften im laufenden Jahr weiter steigen. Vorausgesetzt, man vermeidet den VW-Effekt, der bei steigenden Volumen die Gewinnmargen sinken lässt.»