STUDIE: Grossbanken müssen Federn lassen

Die Grossbanken verlieren am Zentralschweizer Hypothekenmarkt Marktanteile. Davon konnten die Raiffeisen- und Kantonalbanken profitieren.

Vasilije Mustur
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Raiffeisen- und Kantonalbanken profitieren im Moment im Hypothekenmarkt. (Symbolbild Neue LZ)

Raiffeisen- und Kantonalbanken profitieren im Moment im Hypothekenmarkt. (Symbolbild Neue LZ)

Die Bedeutung der verschiedenen Bankengruppen im Bereich Hypothekarforderungen in den einzelnen Zentralschwiezer Kantonen. (Bild: Grafik Neue LZ)

Die Bedeutung der verschiedenen Bankengruppen im Bereich Hypothekarforderungen in den einzelnen Zentralschwiezer Kantonen. (Bild: Grafik Neue LZ)

Der Schweizer Immobilienmarkt boomt weiter. Davon profitieren vor allem die Banken. Wie gross die Marktanteile der einzelnen Gruppen sind und wer am meisten vom wachsenden Hypothekarmarkt profitiert, zeigt jetzt eine neu veröffentlichte Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug. Dieses gehört zur Hochschule Luzern – Wirtschaft.

Demnach befanden sich im vergangenen Jahr laut Statistiken der Schweizerischen Nationalbank (SNB) gesamthaft inländische Hypothekarforderungen im Wert von 870 Milliarden Franken in den Bilanzen der Schweizer Banken. Die Finanzinstitute in der Schweiz haben in den vergangenen Jahren vom Hypothekenboom überdurchschnittlich stark profitiert: So konnten sie ihre Hypothekarforderungen von 2003 bis 2013 um 54 Prozent steigern. Dadurch gelang es ihnen, den Marktanteil im untersuchten Zeitraum von 92 auf 95 Prozent zu steigern. Das gesamte Finanzierungsvolumen von Schweizer Hypotheken betrug im vergangenen Jahr insgesamt 916 Milliarden Franken. Davon entfallen lediglich 32 respektive 14 Milliarden Franken auf Privatversicherungen und Pensionskassen. Das entspricht einem Anteil von 3,5 sowie 1,4 Prozent am Gesamtmarkt. In der IFZ-Studie wurden 89 Banken im Detail untersucht.

Grossbanken wachsen in Zug

Laut der gross angelegten Erhebung der Hochschule Luzern haben indes vor allem die beiden Grossbanken in den letzten Jahren Marktanteile am Schweizer Immobilienmarkt eingebüsst: Ihr Gesamtanteil an den inländischen Hypothekarforderungen sank zwischen 2003 und 2013 von 34 auf 30 Prozent. Davon dürften drei Fünftel auf die UBS und zwei Fünftel auf die Credit Suisse entfallen. Zudem lohnt es sich, hier einen Blick auf die Entwicklung des Hypothekargeschäfts von UBS und Credit Suisse in den Zentralschweizer Kantonen zu werfen: Während sich der Marktanteil im Kanton Luzern von 25 auf 20 Prozent reduzierte, brach dieser im Kanton Nidwalden sogar um 9 Prozentpunkte auf nunmehr 16 Prozent ein (siehe Grafik).

Nur im Kanton Zug konnten die Grossbanken ihren Marktanteil um einen Prozentpunkt ausbauen. «Die Grossbanken haben nicht zuletzt aufgrund von Fusionen und Übernahmen, der Finanzkrise, der Neuausrichtung ihres Geschäfts und des intensiven Wettbewerbs im inländischen Hypothekengeschäft Marktanteile eingebüsst», sagt Christoph Lengwiler. Er ist Leiter des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern und Mitautor der Studie. Das moderate Wachstum von UBS und Credit Suisse im Kanton Zug führt der Finanzexperte andererseits auf die Bevölkerungsstruktur «mit vielen Neuzuzügern» sowie die vielen Wohnbauprojekte von «professionellen Investoren» zurück. Ebenfalls Marktanteile verloren haben die Regionalbanken und Sparkassen. Auf gesamtschweizerischer Ebene reduzierte sich ihr Marktanteil im Untersuchungszeitraum von 11,1 auf 9,9 Prozent.

Regionalbanken legen stark zu

In der Zentralschweiz wachsen konnten die Raiffeisenbanken – darunter im Kanton Luzern um 3 auf 19 und in Nidwalden von 23 auf 28 Prozent. Unter dem Strich erhöhten die Genossenschaftsbanken den gesamtschweizerischen Marktanteil von 13,2 auf 16,5 Prozent. Zudem gelang es den Raiffeisenbanken, in allen Innerschweizer Kantonen zu wachsen. In diesem Zusammenhang dürften laut Studie die Marktanteile bei 15 der 26 Kantone über dem schweizerischen Schnitt liegen, und in fünf weiteren liegt der geschätzte Marktanteil im Jahr 2013 um mehr als die Hälfte höher als zehn Jahre zuvor. Basis für die «approximativen» Marktanteile bildeten laut der Erhebung die Angaben in den Geschäftsberichten der Raiffeisen-Gruppe zu den Kundenausleihungen in den einzelnen Kantonen. Diese wurden mit dem durchschnittlichen Anteil der Hypothekarforderungen am Total der Kundenausleihungen adjustiert.

Unangefochtene Branchenführer im Markt für Immobilienfinanzierungen bleiben derweil die Kantonalbanken. Sie bringen es bei den inländischen Hypothekarforderungen auf einen gesamtschweizerischen Marktanteil von 34,9 Prozent. Werden auch deren Tochtergesellschaften herangezogen, sind es sogar 36,6 Prozent. Da im Einzelfall nicht publiziert wird, welchen Anteil der Hypothekarforderungen Finanzierungen mit Pfandobjekten ausserhalb des Kantons ausmachen, sind keine eigentlichen Marktanteilsberechnungen möglich. Einen ungefähren Eindruck ergibt jedoch das Verhältnis zwischen den Hypothekarforderungen der jeweiligen Kantonalbanken und dem ganzen Volumen der Hypothekarforderungen in ihrem Kanton.

Insbesondere die Kantonalbanken in Nidwalden und Obwalden scheinen angesichts dieser Zahlen ihre grosse Marktmacht in den vergangenen Jahren weiter ausgebaut zu haben: Die Hypothekarforderungen der Nidwaldner Kantonalbank machen 62 und jene der Obwaldner Kantonalbank 68 Prozent des Gesamtvolumens des Kantons aus. Ebenfalls scheint die Luzerner Kantonalbank ihre starke Machtstellung ausgebaut zu haben – ihre Hypothekarforderungen machen mittlerweile 49 Prozent des Gesamtvolumens im Kanton Luzern aus. Das ist ein Plus von 3 Prozentpunkten gegenüber 2003. Im Kanton Schwyz liegt dieser Anteil bei 51 Prozent, im Kanton Zug wie auch im Kanton Uri bei 58 Prozent.

Potenzial schlummert in der Region

Wie wichtig es für Finanzdienstleister ist, in den Kantonen präsent zu sein, zeigt sich denn auch am jeweiligen Marktpotenzial: Der Kanton Zürich liegt mit Hypothekarforderungen von 166,1 Milliarden Franken vor den Kantonen Bern und Aargau mit 93,1 und 75,3 Milliarden Franken in dieser Rangliste auf dem Spitzenplatz. Der Kanton Luzern kommt mit einem Volumen von 40,1 Milliarden Franken im oberen Mittelfeld zu liegen. Der Kanton Schwyz hält 20,6 Milliarden, Zug 17,7 Milliarden Franken am Marktvolumen. Nidwalden zählt mit 4,6 Milliarden zu den kleineren Hypothekarmärkten – genau wie der Kanton Obwalden mit 4,1 Milliarden und Uri mit 3,5 Milliarden.

Überdies lassen sich selbst die Wachstumsraten in der Zentralschweiz sehen: Von 2003 bis 2013 sind die Hypothekaranlagen im Kanton Zug um 4,4 Prozent, in Schwyz um 4,6 und in Luzern um 4,1 Prozent gestiegen. Schweizweit erhöhten sich die Hypothekarvolumen in dem Zeitraum insgesamt um 4,4 Prozent. Christoph Lengwiler überrascht dieses substanzielle Wachstum landesweit wie auch regional nicht. «Die Wirtschaft hat sich gut entwickelt, der Wohnungsbau wurde durch die Zuwanderung gestützt, und die tiefen Zinsen haben die Nachfrage nach Eigenheimen sowie den Immobilienpreisen angekurbelt.»