Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

STUDIE: Schweizer KMU zahlen hohe Zinsen

Ein internationaler Vergleich der OECD zeigt: Banken fordern von hiesigen Kleinbetrieben ungewöhnlich hohe Risikoprämien.
Auch KMU aus der Gastronomie – wie das abgebildete Hotel in Zürich – müssen hin und wieder investieren. (Bild: Christian Beutler/Key (30. März 2017))

Auch KMU aus der Gastronomie – wie das abgebildete Hotel in Zürich – müssen hin und wieder investieren. (Bild: Christian Beutler/Key (30. März 2017))

Die Schweiz ist das Land mit dem weltweit tiefsten Zinsniveau – zumindest aus der Perspektive der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Seit mehr als drei Jahren ist das Noteninstitut dafür besorgt, dass die hiesigen Geschäftsbanken die überschüssigen Kundengelder nur noch gegen Bezahlung eines Strafzinses von 0,75 Prozent bei der SNB oder bei anderen Banken platzieren können.

Von diesem starken Anreiz, Kredite zu vergeben, profitieren die hiesigen Unternehmer aber nur bedingt. Die jüngste Datenerhebung der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) über die Finanzierungsbedingungen von kleinen und mittelgrossen Unternehmen (KMU) in 43 Ländern zeigt auf: Schweizer KMU zahlen im internationalen Vergleich nicht nur erstaunlich hohe Zinsen, sondern im Vergleich zu Grossbetrieben auch sehr bedeutende Risikoaufschläge.

Keine generelle ­Kreditklemme

Schweizer KMU-Kredite, die das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in Ermangelung besserer Daten als Unternehmensausleihungen von weniger als 1 Million Franken definiert, wurden 2016 im Durchschnitt mit 2,04 Prozent verzinst. Das ist zwar deutlich weniger als der Mittelwert aller an der OECD-Umfrage teilnehmenden Länder (3,58 Prozent) Doch während das Zinsniveau international seit 2009 um fast einen Viertel gesunken ist, ging es in der Schweiz lediglich um knapp 8 Prozent zurück. Mehr noch: In der Schweiz sind KMU-Kredite inzwischen deutlich teurer als in etlichen EU-Ländern. In Frankreich zahlt ein KMU im Mittel noch 1,5 Prozent für einen Bankkredit. In Österreich sind es 1,92 Prozent, in Belgien 1,73 Prozent. Erstaunlich ist das helvetische KMU-Zinsniveau auch vor dem Hintergrund der hohen Kreditqualität. Fast 80 Prozent der ­hiesigen KMU-Kredite sind be­sichert – viele mit einem Grundpfand. In Frankreich beträgt die Besicherungsquote weniger als 10 Prozent.

Derartige internationale Zinsvergleiche sind zwar nicht unproblematisch, weil sie die Unterschiede in den Kreditbedingungen weitgehend ignorieren. Doch der Schweizer KMU-Kreditmarkt erweist sich auch aus einer weniger kritischen Optik als über­raschend teuer. So bezahlen die hiesigen KMU im Mittel 0,79 Prozent mehr Zins als Grossunternehmen. Ein Risikoaufschlag für Kleinfirmen ist im Kreditgewerbe zwar nichts Ungewöhnliches, überraschend ist dennoch, dass die Prämie in der Schweiz nur ­wenig unter dem internationalen Mittel (0,88 Prozent) liegt. Von den 19 an der OECD-Untersuchung teilnehmenden EU-Ländern weisen nur sieben einen höheren KMU-Risikoaufschlag aus als die Schweiz.

Zum Vergleich: In Frankreich liegt die Prämie bei 0,5 Prozent, in Belgien bei 0,25 Prozent oder in Österreich bei 0,38 Prozent. (Deutschland hat sich an der ­Umfrage nicht beteiligt). Der Vergleich lässt vermuten, dass die ­Risikobereitschaft der hiesigen Banken im inländischen Kreditgeschäft deutlich geringer ist als in anderen Ländern mit vergleichbar gut funktionierenden Banksystemen. Trotzdem lässt sich für die Schweizer KMU-Landschaft keine generelle Kreditklemme diagnostizieren. Gemäss einer im vergangenen Jahr vom Seco beim Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) in Auftrag gegebenen repräsentativen Befragung erachtet eine Mehrheit der KMU den Zugang zu Bankkrediten als gut. Allerdings greift laut der Um­frage nur jedes dritte KMU auf Bankkre­dite zurück und es gibt überraschend viele Kleinstfirmen, die sich gar nicht erst um eine Bankfinanzierung bemühen – unter anderem, weil sie ohnehin mit einer Ablehnung des Antrages rechnen. Hinlänglich bekannt sind ferner die notorisch gewordenen KMU-­Finanzierungsnöte in gewissen Branchen – namentlich im Industrie- und Tourismusbereich. So wie in der Schweiz ­bilden KMU in allen OECD-­Ländern «das Rückgrat der Wirtschaft», schreibt Generalsekretär Angel Gurria im Vorwort zur ­aktuellen Studie: «Die Studie zeigt, dass sich das wirtschaft­liche Umfeld für KMU generell verbessert hat.» Ein in vielen Ländern jüngst wieder rück­läufiges Kreditwachstum kontrastiert mit einer international starken Zunahme von Finanzierungen ausserhalb des Bankensystems. Diese Beobachtung gilt auch für die Schweiz, wo neue, internetgestützte Finanzierungsformen wie Crowdfunding aber noch einen geringen Stellenwert am gesamten Kreditvolumen ­haben.

Daniel Zulauf

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.