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STUDIE: Starker Franken treibt Firmen ins Ausland

Erstmals seit zehn Jahren nimmt der Trend zu Produktionsverlagerungen ins Ausland wieder zu. Hauptgrund ist der starke Franken.
Balz Bruppacher
Der schwache Euro hat die Produkte Schweizer Industriefirmen verteuert. Die Zahl der Produktionsverlagerungen ins Ausland hat seit 2009 zugenommen. (Bild: Keystone)

Der schwache Euro hat die Produkte Schweizer Industriefirmen verteuert. Die Zahl der Produktionsverlagerungen ins Ausland hat seit 2009 zugenommen. (Bild: Keystone)

Bisher war es bloss eine Vermutung: Der teure Franken schadet dem Werkplatz Schweiz und veranlasst Industriefirmen, Teile der Produktion ins Ausland zu verlagern. Neue Resultate einer Studie (European Manufacturing Survey – Schweiz) der Hochschule Luzern – Wirtschaft belegen nun, dass es seit 2009 zu einer Trendwende bei Produktionsverlagerungen gekommen ist. Hauptsächlich aus Kostengründen.

Zwischen 2003 und 2009 hatte die Zahl der Firmen, die Teile der Produktion an eigene oder fremde Standorte im Ausland auslagerten, noch deutlich nach unten gezeigt. Der Verlagerungstrend reduzierte sich in diesem Zeitraum um mehr als einen Drittel. Seit 2009 nimmt dieser Trend erstmals wieder zu. Hatten 2009 noch 15 Prozent der 690 repräsentativ ausgewählten Firmen Teile der Produktion ausgelagert, waren es Anfang letzten Jahres im Schnitt 16 Prozent.

Grössere Firmen stark betroffen

«Vor allem diese Trendumkehr ist bemerkenswert», sagt Projektleiter Bruno R. Waser. Die Zunahme der Verlagerungen ist zwar auf den ersten Blick nicht dramatisch. Die Aufgliederung der Zahlen nach Unternehmensgrösse zeigt aber ein anderes Bild: Bei den grösseren Unternehmen mit 200 und mehr Mitarbeitenden, die mehrheitlich bereits Niederlassungen oder Zulieferer im Ausland haben, sind die Auslagerungen um 11 Prozentpunkte gestiegen. Bei den Unternehmen, die sich erstmals mit einer Auslagerung auseinandersetzen – das sind erfahrungsgemäss eher kleinere Firmen –, dauert die Umsetzung gemäss Waser mehrere Monate bis Jahre. Hier werden sich die Verlagerungen deshalb erst in der nächsten Erhebungsperiode niederschlagen.

Personalkosten als Auslöser

Der Einfluss des teuren Frankens wird bei den Antworten auf die Frage nach den wichtigsten Gründen für die Auslagerung deutlich. Mit Abstand am häufigsten nannten die Produktionsbetriebe die Personalkosten als Motiv. 2009, also noch vor dem jüngsten Aufwertungsschub des Frankens, wurden die Personalkosten von 62 Prozent der befragten Firmen als Auslöser für den Schritt ins Ausland genannt. 2012 führten 84 Prozent der Betriebe diesen Kostenfaktor ins Feld. Andere Begründungen wie die Nähe zu Schlüsselkunden, die Markterschliessung oder der Mangel an Fachkräften haben sich im Vergleich zur letzten Erhebung hingegen nicht signifikant verändert. Es ist also vor allem die Frankenstärke beziehungsweise die dadurch ausgelöste Kostendifferenz zum Ausland, die zur Trendwende geführt hat.

Noch keine Anhaltspunkte haben die Betriebswirtschaftler des Luzerner Instituts für Betriebs- und Regionalökonomie zur Frage, ob der von der Nationalbank eingeführte Euro-Mindestkurs einen dämpfenden Einfluss auf die Produktionsverlagerungen hat. Denn die Erhebung wurde Anfang 2012 abgeschlossen, also erst rund vier Monate nach der Einführung der Untergrenze für den Euro. Waser macht zudem darauf aufmerksam, dass der Franken bei einem Kurs von 1.20 für den Euro nach wie vor sehr hoch bewertet ist. «Von den Betrieben hören wir, dass ein Eurokurs von rund 1.35 Franken ein realistischer Wert wäre», sagt der Studienleiter.

Allerdings zeigen Beispiele wie die Uhrenindustrie, dass die Schweiz als Produktionsstandort auch bei den aktuellen Wechselkursen konkurrenzfähig sein kann. Der Grund liegt laut Waser beim hohen Automationsgrad der Produktion und dem entsprechend tiefen Anteil der Personalkosten. «Liegt dieser Anteil bei mehr als 10 bis 15 Prozent, wird es schwierig mit der Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Ausland», sagt Waser.

Eine von vier Firmen kommt zurück

Hinzu kommt der Faktor der Stückzahlen. Bei Massenproduktion, aber auch bei kleinen Stückzahlen und Spitzenqualität ist es einfacher, in der Schweiz zu produzieren, als bei mittleren Stückzahlen, die preissensitiv sind, bei denen sich jedoch eine Automatisierung nicht rechnet.

Die Qualität der Produkte ist der wichtigste Grund für Firmen, die sich zu einer Rückverlagerung aus dem Ausland in die Schweiz entscheiden. Im Einklang mit dem steigenden Verlagerungstrend hat sich auch die Zahl der Rückkehrer verlangsamt.

Im Zeitraum 2004 bis 2006 hatte sich noch eine von drei Firmen entschieden, die Produktion wieder in die Schweiz zurück zu verlagern. Bei der jüngsten Erhebung von 2009 bis 2012 war es nur noch einer von vier Betrieben, der den Auslagerungsentscheid rückgängig machte. Neben Qualitätsmängeln sind fehlende Flexibilität und Probleme bei der Lieferfähigkeit weitere wichtige Auslöser für Rückverlagerungen. «Die Risiken und Schwierigkeiten beim Aufbau von Produktionsstätten im Ausland werden oft unterschätzt», sagt Waser.

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