EU - Schweiz
Sturzflug für Luftverkehr: Ohne die Bilateralen wird es eng für die Swiss

Fallen die bilateralen Verträge, wirds kritisch für die Flugverbindungen und eng für die Fluggesellschaft Swiss. Unter anderem war dies an der Herbsttagung der BAK Basel ein Thema. Wir befragten den Ökonom und BAK-Bereichsleiter Kai Gramke.

Stefan Schuppli
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Wenn das Luftverkehrsabkommen mit der EU fiele, sähe es finster aus für die Swiss. Neue Ideen wären gefragt.Walter Bieri/Keystone

Wenn das Luftverkehrsabkommen mit der EU fiele, sähe es finster aus für die Swiss. Neue Ideen wären gefragt.Walter Bieri/Keystone

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Wenn die bilateralen Abkommen mit der EU gekündet würden, hätte das schwerwiegende Folgen für Schweizer Firmen. Aber nicht nur: Auch Beschäftigte, Konsumentinnen und Konsumenten würden die Auswirkungen spüren. Unter anderem war dies an der Herbsttagung der BAK Basel ein Thema. Wir befragten den Ökonom und BAK-Bereichsleiter Kai Gramke.

Was hätte die Abschaffung der bilateralen Abkommen mit der EU für uns Menschen in der Schweiz konkret für Folgen?

Kai Gramke: Es gibt verschiedene Beispiele. Eines wäre der Luftverkehr. Das Abkommen mit der EU regelt den Luftverkehr mit der Schweiz. Jedes EU-Land kann ohne grosse bürokratische Umstände angeflogen werden. Wenn wir das EU-Abkommen nicht hätten, müssten wir auf die mit einzelnen Ländern abgeschlossenen Luftverkehrsabkommen zurückgreifen, die teilweise aus den Fünfzigerjahren stammen. In der EU folgte in den 2000er-Jahren die Liberalisierung, ich nenne es die Easyjetisierung, von der nach Vertragsabschluss auch die Schweiz profitieren konnte. Dann könnte die Schweiz wieder nur bestimmte Destinationen anfliegen.

Im Abkommen mit Italien wäre das gerade mal Rom, Mailand und Venedig, ex Zürich, Genf und Basel ... Man dürfte davon ausgehen, dass die Zahl der Destinationen reduziert würde.

Kai Gramke Ökonom bei der BAK Basel: «Wir müssten auf die mit einzelnen Ländern abgeschlossenen Luftverkehrsabkommen zurückgreifen.»

Kai Gramke Ökonom bei der BAK Basel: «Wir müssten auf die mit einzelnen Ländern abgeschlossenen Luftverkehrsabkommen zurückgreifen.»

Nordwestschweiz

Bekäme auch die Swiss Probleme?

Ja. In diesen Abkommen ist geregelt, dass lediglich die nationale Fluggesellschaft zu diesen Destinationen fliegen darf. Aufgrund der Eigentumsverhältnisse ist die Swiss aber nicht mehr der nationale Carrier, und es wäre die juristische Frage zu klären, was das eigentlich bedeutet. Ich sage nicht, dass das unlösbar ist, aber es ist ein Thema.

Gibt es andere Bereiche, beispielsweise im Konsumbereich, wo der Wegfall der bilateralen Verträge spürbar würde?

Es könnte gewisse Preissteigerungen zur Folge haben, wenngleich diese sicherlich nicht genau quantifizierbar sind. Wenn das Landverkehrsabkommen wegfällt, haben wir gewisse Freiheiten in der Logistik nicht mehr. Im Landverkehr haben wir die sogenannte grosse Kabotage, das heisst: Ein Transporteur kann Ware nach Deutschland liefern, dort Ware aufnehmen, nach Frankreich liefern und danach in die Schweiz zurückfahren. Transporte dürften sich verteuern, weil diese weniger effizient organisiert werden können. Wahrscheinlich gäbe es mehr Leerfahrten. Das würden schliesslich die Konsumenten bezahlen.

Was bedeutet das beispielsweise für kleine und mittelgrosse Unternehmen und deren Arbeitnehmer?

BAK-Prognosen: Franken bleibt Risiko

Die volatile Entwicklung der Konjunkturindikatoren zeigt gemäss der Herbstprognose von BAK Basel, dass der starke Franken weiterhin eine grosse Belastung für die Schweizer Unternehmen darstellt. Zudem bleibe Europa auch in Zukunft der wichtigste Handelspartner. Selbst mit relativ schwachem Wachstum ist die Volumenzunahme des europäischen Geschäfts für die Schweizer Exportwirtschaft wichtiger als das sehr dynamische Asien, so die Experten. Eine bevorstehende Zinserhöhung in den USA wirkt sich laut BAK-Aussagen positiv aus. Die Erholung der USKonjunktur und die dahinter stehende höhere Nachfrage dürfte auch die Schweizer Wirtschaft beflügeln. (ASC)

Welche Branchen betrifft das?

Es sind mittelgrosse Technologiefirmen, vor allem aus der Metall- und Maschinenbranche.

Um die Masseneinwanderungsinitiative möglichst schadenfrei umzusetzen und Nebenschäden abzuwenden, braucht es Zeit ...

Ja, sicher. Weil allfällige Verhandlungen Jahre dauern dürften, würde wohl gerade das eine Rolle spielen: die lange Zeit der Unsicherheit. Firmen würden da möglicherweise ihre Investitionen zurückstellen und Forschungsprojekte anderswo durchführen.