Sunrise-Chef Christoph Brand nimmt den Hut
Sunrise-Chef Christoph Brand nimmt den Hut

Nach der geplatzten Fusion von Sunrise und Orange nimmt Sunrise-Chef Christoph Brand nun doch den Hut. Er gibt die Führung des zweitgrössten Schweizer Telekomunternehmens per sofort an den Deutschen Oliver Steil ab.

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Will eine neue Herausforderung annehmen: Der abtretende Sunrise-Chef Christoph Brand (Archiv)

Will eine neue Herausforderung annehmen: Der abtretende Sunrise-Chef Christoph Brand (Archiv)

Keystone

Brand hatte eigentlich geplant, nach der Fusion von Sunrise und Orange die Firma zu verlassen. Denn als Chef des neuen Unternehmens war Orange-Schweiz-Boss Thomas Sieber vorgesehen.

Das Verbot der Fusion durch die Wettbewerbskommission (Weko) machte allerdings einen Strich durch Brands Rechnung. Jetzt will er nach knapp vier Jahren Sunrise auf eigenen Wunsch verlassen und eine neue Herausforderung annehmen.

Lieber sein eigener Herr

Der 40-jährige Berner wird per 15. Oktober 2010 Chef und Aktionär bei der St. Galler Adcubum AG, die Standardsoftware für die Versicherungsbranche entwickelt. Neben dem Ausbau des Angebots für Krankenversicherer will das Unternehmen im Nicht-Leben-Geschäft expandieren, wie Adcubum gleichentags bekannt gab.

«Nach der erfolgreichen Neuausrichtung und Positionierung von Sunrise als grösste private Telekommunikationsanbieterin der Schweiz ist nun der optimale Zeitpunkt gekommen, mein Amt in neue Hände zu übergeben», erklärte Brand am Donnerstag in einem Communiqué.

Wende geschafft

Unter Brand hatte Sunrise nach jahrelangem Krebsgang die Wende geschafft und war auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. 2009 hatte die Tochter des dänischen Telekomkonzerns TDC erstmals seit fünf Jahren wieder die Marke von 2 Mrd. Fr. Umsatz erreicht.

Die Zahl der Kunden stieg seit 2006 von 2,17 auf 2,86 Millionen per Ende März 2010 an. Der Marktanteil im Mobilfunk wuchs auf über 20 Prozent. «Wir danken Christoph Brand für seinen grossen Einsatz im Dienste von Sunrise und bedauern seinen Austritt», erklärte TDC- Chef Henrik Poulsen.

Der Nachfolger kommt aus Deutschland

Brands Nachfolger wird Oliver Steil. Der 38-Jährige war zweieinhalb Jahre bei Debitel tätig, wo er bis zum Chef des drittgrössten Telekomunternehmens von Deutschland aufstieg. An der Spitze hielt sich der ehemalige McKinsey-Manager allerdings nicht lange. Ein Jahr nach seiner Ernennung schied Steil im Oktober 2008 abrupt aus.

Das dürre Debitel-Communiqué sprach damals von der sofortigen «Aufhebung seines Dienstvertrages im gegenseitigen Einvernehmen». Deutsche Medien bezweifelten dies: In einem Presseinterview Steils war klar geworden, dass es Zwist im Konzern gegeben hatte.

Expansion angestrebt

«Wir werden von Oliver Steils Erfahrungen in Marketing und Unternehmensführung profitieren können, um die Position von Sunrise in der Schweiz auszubauen», erklärte TDC-Chef Poulsen. Denn Debitel und Sunrise seien als Unternehmen und von der Marke her vergleichbar.

Er freue sich, die Arbeit von Christoph Brand weiterzuführen, äusserte sich Oliver Steil, der 1971 in Gelsenkirchen geboren wurde: «Sunrise ist auf einem guten Weg und hat gezeigt, dass sie den Ex- Monopolisten mit innovativen Produkten zu guten Preisen herausfordern kann.»