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Sunrise frisst UPC – für die Kunden könnte es teuer werden

Paukenschlag im Schweizer Telekommarkt: Sunrise übernimmt UPC, um Swisscom unter Druck zu setzen. Doch was bedeutet das für die Kunden? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Oliver Wietlisbach/watson
Sunrise übernimmt UPC. (Bild: KEYSTONE/Ennio Leanza)

Sunrise übernimmt UPC. (Bild: KEYSTONE/Ennio Leanza)

Die Nummer zwei der Schweizer Telekombranche übernimmt den mit Abstand grössten Kabelnetzbetreiber. Stolze 6,3 Milliarden Franken ist Sunrise der Deal wert. Gemeinsam sei man eine schlagkräftige, sich gut ergänzende Einheit gegen Marktführer Swisscom. Ob der neue Konzern Swisscom wirklich ernsthaft herausfordern kann, steht aber auf einem anderen Blatt.

1. Warum übernimmt Sunrise Rivalin UPC (ehemals Cablecom)?

Alleine sind weder Sunrise noch UPC ernsthafte Konkurrenten für Swisscom. Sunrise ist im Mobilfunkbereich stark, spielt dafür im TV-Geschäft fast keine Rolle. UPC hingegen ist die Nummer zwei im TV-Markt, spielt indes im Mobilfunkbereich nur eine untergeordnete Rolle und besitzt auch kein eigenes Mobilfunknetz. Die beiden bisherigen Rivalen ergänzen sich also gut und zusammen können sie den Kunden ein attraktives TV-, Internet- sowie Mobil- und Festnetz-Angebot aus einer Hand offerieren. Dies dürfte der Hauptgrund sein, warum Sunrise viel Geld für UPC in die Hand nimmt.

Sunrise ist nicht nur am Kabelnetz der UPC, sondern auch am grossen, allerdings seit Jahren schwindenden, TV- und Internet-Kundenstamm von UPC interessiert. Kommt hinzu: UPCs TV-Sender Mysports, der die exklusiven Fernsehrechte am Schweizer Eishockey hält, ist bei der anstehenden Übernahme eine attraktive Mitgift. Sunrise merzt also ihre bisherigen Schwächen aus und könnte Swisscom künftig stärker unter Druck setzen.

2. Wie heisst die neue Firma?

Laut Sunrise soll die Übernahme noch dieses Jahr vollzogen werden. Bereits klar ist: Der neue Konzern würde Sunrise heissen, die Marke UPC würde in der Schweiz verschwinden.

Der Deal ist allerdings noch nicht unter Dach und Fach. Branchenexperten rechnen jedoch damit, dass die Wettbewerbskomission (Weko) zustimmen wird. Sunrise und UPC hätten nach der Fusion keine dominante Marktstellung inne und blieben im Vergleich zu Swisscom weiterhin ein Zwerg. Aber die Weko wird sich auch die gemeinsame Marktmacht von Swisscom und der neuen Sunrise anschauen. 2010 hatten die Wettbewerbshütter die geplante Fusion von Orange (heute Salt) mit Sunrise noch blockiert.

3. Wie sieht der neue Sunrise-Konzern aus?

Nach der UPC-Übernahme würde Sunrise über 2,3 Millionen Haushalte erreichen. Das wären ungefähr 60 Prozent der Schweizer Haushalte. Konkret sehen die Zahlen für den fusionierten Konzern so aus:

  • 1,8 Millionen Mobile-Kunden (etwa 24 Prozent Marktanteil)
  • 1,2 Millionen Breitband-Kunden (etwa 30 Prozent Marktanteil)
  • 1,4 Millionen TV-Kunden (etwa 31 Prozent Marktanteil).

4. Was ändert sich nun für die Kunden?

Da der Zusammenschluss frühestens in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen werden kann, sofern die Wettbewerbskomission grünes Licht gibt, ändert sich für die Kunden vorerst nichts. Auch danach dürften die meisten Abos in einer ersten Phase wie bisher bestehen bleiben.

In Regionen ohne Glasfaserabdeckung dürften Sunrise-Kunden vom Kabelnetz der UPC profitieren, sprich sie können mit schnellerem Internet und (TV-)Diensten rechnen, die bislang UPC-Kunden vorbehalten waren.

5. Sinken nun die Preise?

Die Hoffnung aus Kundensicht ist, dass eine grössere Sunrise Marktführerin Swisscom stärker unter Druck setzen kann. Da neu nur noch drei statt vier grosse Telekomfirmen (Swisscom, Sunrise/UPC und Salt) auf dem Markt sind, könnte der Wettbewerb auch abnehmen, was steigende Preise erwarten lässt. «Es besteht die Gefahr, dass ein Duopol aus Swisscom und Sunrise entsteht, das die Preise hochhält», schreibt die Stiftung für Konsumentenschutz.

Sunrise und UPC argumentieren, dass der Zusammenschluss nach einigen Jahren Synergien bei den Kosten und Investitionen freisetze. Dass die Konsumenten davon in Form tieferer Preise profitieren, ist ungewiss. Schweizer Konsumenten reagieren sehr träge auf Preissenkungen. Sunrise hat daher wenig Grund, die Tarife zu senken. Viel eher dürfte die Firma versucht sein, ihr künftig attraktiveres Angebot teurer zu verkaufen.

6. Wer ist der Gewinner des Deals?

Vermutlich Liberty Global, die bisherige Besitzerin von UPC Schweiz. Die britische Liberty Global zieht sich aus dem umkämpften Schweizer Telekom-Markt zurück und erhält 2,7 Milliarden Franken in bar. In einigen Jahren hätte es deutlich weniger sein können, da UPC Schweiz seit vielen Jahren stetig Kunden verliert.

Ob sich der Kraftakt für Sunrise auszahlt, wird erst in einigen Jahren beurteilt werden können.

7. Wer sind die Verlierer?

Im Moment die Sunrise-Aktionäre. Angesichts der geplanten Kapitalerhöhung, die für die Übernahme notwendig würde, geriet die Aktie unter erheblichen Verkaufsdruck.

Mittelfristig die sicheren Verlierer sind die Mitarbeiter von Sunrise und UPC. Sunrise verspricht sich vom Deal Synergien von jährlich 190 Millionen Franken ab dem dritten Jahr. Was die Synergien für die Mitarbeiter bedeuten, mochte Sunrise-Chef Olaf Swantee noch nicht sagen. «Dafür ist es zu früh.» Er gehe jedoch davon aus, dass die Auswirkungen für die eigentlichen Dienstleistungsabteilungen und bei den Verkaufsteams moderat sein würden. Ein Abbau sei hingegen im Management und in der Administration zu erwarten.

8. Was bedeutet die Übernahme für die Konkurrenz?

Kurzfristig könnten Swisscom und Salt profitieren, da die Integration von UPC in Sunrise den neuen Konzern mehrere Jahre mit sich selbst beschäftigen könnte. Langfristig hingegen erwächst Swisscom erstmals ein schlagkräftiger Rivale.

Dies ändert jedoch nichts daran, dass Sunrise auch nach dem Zusammenschluss mit UPC im Vergleich zu Swisscom vorerst ein kleiner Fisch bleibt. Das kombinierte Unternehmen Sunrise/UPC wäre im Geschäftsjahr 2018 auf einen Umsatz von 3.17 Milliarden Franken gekommen. Branchenprimus Swisscom erwirtschaftete im letzten Jahr knapp 11.7 Milliarden Franken Umsatz.

Mittel- und langfristig würde ein Duopol aus Swisscom und Sunrise wohl auch alle kleinen Anbieter weiter unter Druck setzen, die nicht alle Dienste (TV, Internet, Mobil- und Festnetz) aus einer Hand anbieten können.

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