Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

In China geht die Superbrücke in Betrieb – aber sie hat Tücken

Die Hongkong-Zhuhai-Macao-Stahlbrücke bricht einige Rekorde. Der Nutzen der gigantischen Konstruktion dürfte jedoch zunächst begrenzt bleiben.
Felix Lee, Peking
Die Hongkong-Zhuhai-Macao-Brücke mit einer der beiden künstlichen Inseln im Hintergrund. (Bild: Justin Chin/Bloomberg, 18. Oktober 2018)

Die Hongkong-Zhuhai-Macao-Brücke mit einer der beiden künstlichen Inseln im Hintergrund. (Bild: Justin Chin/Bloomberg, 18. Oktober 2018)

Hohe Berge, noch höhere Wolkenkratzer, das Wasser des Perlflussdeltas, und alles dicht bei­einander – die Landeanflüge auf die Flughäfen von Hongkong und Macao galten schon immer als spektakulär. Nun ist die Region aus der Luft gesehen um eine weitere Sehenswürdigkeit reicher. In der Form eines Ypsilons überspannt nun eine gigantische Stahlbrücke das Flussdelta am Südchinesischen Meer und verbindet die Finanzmetropole Hongkong mit der Glücksspielstadt Macao und der Industrie­region Zhuhai auf dem chinesischen Festland. Es handelt sich um die Hongkong-Zhuhai-Macao-Brücke, die nach einer Bauzeit von knapp zehn Jahren am Dienstag offiziell eröffnet wird.

Die gesamte Konstruktion ist ungefähr so lang wie der Gotthard-Basistunnel, nämlich 55 Kilometer. Davon führen 35 Kilometer als Brücke über Wasser. Sie ist damit mehr als 20 Mal so lang wie die Golden Gate Bridge in San Francisco. Für den Bau waren nach Angaben der Betreiber 400 000 Tonnen Stahl notwendig. Das entspricht der sechzigfachen Stahlmenge des Eiffelturms in Paris. «Über hundert Jahre lang wird sie stehen», schreiben die Betreiber auf ihrer Website. In jede Richtung gibt es drei Fahrspuren. Bei einer zugelassenen Höchstgeschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde soll sich die Fahrzeit zwischen Hongkong und Macao von drei Stunden auf der Fähre auf weniger als 30 Minuten mit dem Auto reduzieren.

Gegen Tropenstürme und Erdbeben gewappnet

Genau genommen handelt es sich bei dem Bauwerk um mehrere Brücken. Denn unterbrochen wird die Konstruktion über Wasser durch zwei künstliche Inseln und einen langen Tunnel. Auf Hongkonger Seite führt die Brücke zunächst durch eine Meerenge am Hongkonger Flughafen vorbei auf eine aufgeschüttete Insel, die rund 150 Hektar gross ist. Auf ihr sollen künftig die Grenzübergangsanlagen stehen.

Hongkong ist seit 1997 zwar keine britische Kronkolonie mehr, und Macao seit 1999 auch nicht mehr in portugiesischer Hand. Sie gehören beide zur Volksrepublik China, haben jedoch weiterhin den Status von Sonderverwaltungszonen mit eigenen Gesetzen und einer eigenständigen Verwaltung. Zwischen Hongkong, Macao und dem chinesischen Festland gibt es noch immer scharfe Grenzkontrollen. Auf westlicher Seite der Brücke – in unmittelbarer Nähe von Macao und Zhuhai – haben die Konstrukteure daher eine weitere künstliche Insel für Grenzübergangsanlagen aufschütten lassen. Die eigentliche Verbindung über den Perlfluss ist rund 35 Kilometer lang. Die Mündung ist zwar sehr breit. Aber der Perlfluss hat sehr viele Sedimente eingespült, sodass das Delta an den meisten Stellen flach ist. Es erreicht kaum 20 Meter Wassertiefe. Der Grossteil der Verbindung besteht aus Stelzenbrücken, die hauptsächlich an Land vorgefertigt und dann in den Meeresgrund gerammt wurden. Das Bauwerk gilt als ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Südchina wird regelmässig von schweren Tropenstürmen heimgesucht. Die Brücke soll den Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometern pro Stunde Stand halten können. Erdbeben sind in der Region zwar sehr viel seltener. Dennoch soll den hohen Pfeilern des Bauwerks selbst ein Beben bis zu einer Stärke 8 auf der Richterskala nichts anhaben können.

Weltweit längster Unterwassertunnel

Nicht nur Naturgefahren bedrohen die Brücke. Die Ingenieure rechneten auch mit menschgemachten Risiken. So soll das Bauwerk Kollisionen mit bis zu 300 000 Tonnen schweren Schiffen standhalten. Denn die Region um das Perlflussdelta gilt als «Werkbank der Welt». Umgeben von zahlreichen Millionenstädten produzieren Hunderttausende Firmen in der Region für den Weltmarkt. Entsprechend dicht ist der Schiffsverkehr. Mit Hongkong, Shenzhen und Guangzhou befinden sich in der Region gleich drei der weltweit grössten Häfen.

Für die ganz grossen Schiffe sind insgesamt drei Möglichkeiten vorgesehen, das Bauwerk zu queren. Zwei Teile der Konstruktion bestehen aus nach oben gewölbten Schrägseilbrücken. Zudem wird der Hauptschifffahrtskanal mit einem 6,7 Kilometer langen Tunnel unterquert. Er hält gleich zwei Rekorde: Es ist nicht nur der längste Unterwassertunnel der Welt, sondern mit 48 Metern unter der Wasseroberfläche auch der am tiefsten gelegene. Gebaut wurde er, indem an Land Abschnitte von ungefähr hundert Metern Länge vorfabriziert und danach im Meer zusammengefügt wurden.

Die Eröffnung findet zwar ein Jahr später als ursprünglich geplant statt. Und mit geschätzten Kosten von umgerechnet mehr als 16 Milliarden Franken ist das Projekt deutlich teurer als geplant. Ursprünglich sollte das Bauwerk nur etwa halb so viel kosten. Die Bauherren sind dennoch zufrieden. «Kleiner dimensionierte Projekte hätten sehr viel mehr Geld verschlungen», rechtfertigt sich der Leiter des Projekts auf Hongkonger Seite, Daniel Chung.

Das Jahrhundertbauwerk hat aber ein Problem. In Hongkong und Macao gilt Linksverkehr, auf dem chinesischen Festland Rechtsverkehr. Die meisten Fahrer aus Hongkong oder Macao dürfen nicht ohne weiteres auf den Strassen des chinesischen Festlandes fahren und umgekehrt. Zwar wohnen im Perlflussdelta rund 60 Millionen Menschen, also etwa so viele wie in Italien. Aber davon besitzen momentan gerade einmal rund 30 000 Pkw-Besitzer eine Genehmigung, die es ihnen erlaubt, sowohl in Hongkong wie auch auf dem rechtsspurigen Festland zu fahren. Zu einem Massenansturm auf die Brücke wird es vorerst also nicht kommen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.