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SUVA: «Die Prämien sollen tief bleiben»

Felix Weber wird Vorsitzender der Suva-Geschäftsführung. Der 50-jährige Emmer erklärt, wie er sein erstes Geld verdiente und was es mit Risikomanagement auf sich hat.
Er wird per 1. Januar 2016 neuer Chef der Suva: Felix Weber, hier am Suva-Hauptsitz in Luzern. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Er wird per 1. Januar 2016 neuer Chef der Suva: Felix Weber, hier am Suva-Hauptsitz in Luzern. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Interview Rainer Rickenbach

Felix Weber, wofür haben Sie Ihre erste Versicherung abgeschlossen?

Felix Weber: Als 18-Jähriger schloss ich eine Haftpflichtversicherung für das Lambretta-Motorrad ab, das von meiner älteren Schwester an mich übergegangen war. Ich wuchs in Rothenburg auf und habe die Kantonsschule in Reussbühl besucht.

Wie verdienten Sie das Geld für die Lambretta-Unterhaltskosten?

Weber: Um das Motorrad und andere Dinge zu finanzieren, nahm ich Ferienjobs, unter anderem auf dem Bau und beim Strasseninspektorat der Stadt Luzern, an. Für Letzteres reinigte ich morgens um sechs die Voltastrasse.

Sie haben sich später als Student an der Universität St. Gallen schwergewichtig mit Risikomanagement beschäftigt. Was ist daran faszinierend?

Weber: Risikomanagement ist entscheidend für den Erfolg eines jeden Unternehmens. Alle Firmenführungen machen sich Gedanken darüber, welche Risiken sie eingehen und wie sich zu hohe gering halten oder ganz vermeiden lassen. Chancen bringen immer auch Risiken mit sich. So betrachtet ist das Risiko der Zwilling der Chance. Auch privat betreiben wir alle Risikomanagement, etwa wenn wir uns fragen, ob wir uns diesen Winter wieder auf die Skipiste wagen und ob wir mit einem Helm das Risiko einschränken. Sich mit Risiken zu beschäftigen, ist eine durchaus spannende Angelegenheit.

Sie stehen heute unter anderem den Suva-Reha-Kliniken in Bellikon AG und Sion vor. Warum braucht die Suva eigene Kliniken?

Weber: Die Suva ist mehr als eine Versicherung. Sie betreibt auch Unfallprävention und engagiert sich in der Rehabilitation. Sie ist dafür besorgt, die Verunfallten nach Möglichkeit wieder in die Arbeitswelt zu integrieren. Meistens gelingt das.

Warum braucht sie dazu eigene Reha-Kliniken?

Weber: Das Durchschnittsalter in unseren Reha-Kliniken liegt bei 45 Jahren. In den andern Einrichtungen dieser Art bewegt es sich um die 60. Die Suva hat einen eigenen Fokus. Sie betreut Unfallopfer, die einen schönen Teil ihres Arbeitslebens noch vor sich haben. Das Angebot, das auf die Bedürfnisse dieser Patienten ausgerichtet ist, ist nicht vergleichbar mit dem der anderen Kliniken auf dem Markt.

Ab Neujahr sind Sie Chef der Suva. War das Ihr Karriereziel?

Weber: Nein, es hat sich so ergeben. Ich begann nach dem Studium bei der Zürich Versicherung als Kundenberater im Aussendienst, später arbeitete ich bei der Kranken- und Unfallversicherung Concordia. Natürlich war mir als Innerschweizer die Suva immer ein Begriff. Doch ich wechselte vor sieben Jahren nicht mit dem Ziel vor Augen hierher, Vorsitzender der Geschäftsleitung zu werden. Es eröffneten sich mit der Zeit Chancen, die diese Karriere ermöglichten.

Die Aufgaben der Suva sind komplex. Wo setzen Sie erste Schwerpunkte?

Weber: Es drängt sich kein Kurswechsel auf. Die Suva ist heute gut aufgestellt. Das ist in erster Linie ein Verdienst der Mitarbeitenden. Die Suva arbeitet effizient, bietet eine gute Dienstleistungsqualität an und verfügt über ausreichend finanzielle Reserven. Eines der Ziele heisst, die Prämien nach sieben Senkungen auf dem heute tiefen Niveau zu halten. Das bedeutet tiefere Lohnnebenkosten und ist ein Beitrag an den Werkplatz Schweiz, der wegen des starken Frankens schon genug unter Druck steht. Weiter ist es ein erklärtes Ziel, bis 2020 die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle um 250 zu reduzieren.

Gibt es etwas, das Sie ändern wollen?

Weber: Kurzfristig nicht. Wir sind daran, an unserer Strategie zu feilen. Ende 2016 befasst sich der Verwaltungsrat damit.

Worauf legen Sie längerfristig besonderen Wert?

Weber: Möglichst kunden- und serviceorientiert zu sein, ist eine Daueraufgabe der Suva. Sie steht schliesslich im Dienste des Werkplatzes Schweiz und soll das Ihrige für gute Rahmenbedingungen beitragen. Grossen Wert legen wir ebenfalls auf die Förderung unserer Mitarbeitenden, sie sollen sich auf allen Stufen weiterentwickeln können. Die Digitalisierung treiben wir weiter voran. Heute werden zwar bereits 97 Prozent der Heilkostenrechnungen elektronisch verarbeitet. Es gibt aber noch andere Bereiche, deren Arbeitsabläufe sich mit der Digitalisierung effizienter abwickeln lassen.

Das neue Unfallversicherungsgesetz gewährt der Suva in einem Jahr mehr unternehmerische Freiheit. Seit längerer Zeit erledigt die Suva bereits für die Krankenkasse CSS die Schadensabwicklung im Unfallbereich. Werden weitere Kunden folgen?

Weber: Wir prüfen, dieses Angebot für Dritte auszubauen. Das revidierte Gesetz bringt für die ganze Branche aber zuerst einmal mehr Rechtssicherheit.

Die Suva verfügt über ein Anlagevermögen von über 46 Milliarden Franken. Ein Ende der Negativzinsen und des Anlagenotstandes ist nicht absehbar. Was ist die Strategie der Suva?

Weber: Die gleiche wie bisher: Die Strategie ist langfristig ausgelegt. Das erlaubt es uns, uns auf den Finanzmärkten antizyklisch zu bewegen. Wir verkaufen nicht, wenn alle verkaufen, wir kaufen nicht, wenn alle kaufen. Die laufenden Ausgaben für Renten und kurzfristige Leistungen lassen sich mit den Einnahmen aus Prämien und Kapitalertrag decken. Deswegen besteht kaum Gefahr, die langfristigen Anlagen zu einem ungünstigen Zeitpunkt veräussern zu müssen. Um die finanzielle Situation mit der Begrifflichkeit der Pensionskassen auszudrücken: Die Suva verfügt über einen Deckungsgrad von 130 Prozent, hat also genügend Wertschwankungsreserven.

Was tut der Emmer Felix Weber, wenn er nicht arbeitet?

Weber: (lacht) Dann betreibe ich Risikomanagement in der Familie. In der Freizeit stehen meine Frau und die beiden schulpflichtigen Kindern im Mittelpunkt. Wir helfen bei den Schulaufgaben, fahren gemeinsam Ski oder wandern. Da sind noch die Fussballspiele des Sohnes, die wir ab und zu mitverfolgen. Zudem gehöre ich dem Rotary Club Luzern Seetal an.

Quelle: Geschäftsbericht Suva 2014 / Suva (Bild: Grafik: Lea Siegwart)

Quelle: Geschäftsbericht Suva 2014 / Suva (Bild: Grafik: Lea Siegwart)

Emmer wird Chef

Zur Person rr. Felix Weber (50) tritt am 1. Januar 2016 die Nachfolge von Ulrich Fricker als Vorsitzender der Suva-Geschäftsleitung an. Der neue Suva-Chef ist in Rothenburg aufgewachsen und lebt heute mit seiner Frau und zwei Kindern in Emmenbrücke. Er leitet seit sieben Jahren bei der Suva die Bereiche Versicherungsleistungen und Rehabilitation und ist auch zuständig für die Militärversicherung sowie die beiden Reha-Kliniken der Suva in Bellikon AG und Sion.

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