SUVA: «Wir haben eine Rally erlebt»

Der Unfallversicherer Suva mit Sitz in Luzern hat seine Rendite überraschend stark verbessert. Finanzchef Ernst Mäder erklärt, wie das angesichts der Negativzinsen möglich war.

Maurizio Minetti
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Finanzchef Ernst Mäder (62) in seinem Büro am Suva-Hauptsitz in Luzern. (Bild: Pius Amrein (24. Januar 2017))

Finanzchef Ernst Mäder (62) in seinem Büro am Suva-Hauptsitz in Luzern. (Bild: Pius Amrein (24. Januar 2017))

Maurizio Minetti

maurizio.minetti@luzernerzeitung.ch

Ernst Mäder wartet mit der Kritik an der Nationalbank bis zum Schluss des Gesprächs. Dann aber kommt sie unverblümt: «Wir sind unglücklich über die Negativzinsen. Für Sozialversicherungen und Pensionskassen ist das eine riesige Last», sagt der Finanzchef des Unfallversicherers Suva. In den vergangenen beiden Jahren verursachten die Negativzinsen direkte Mehrkosten im dreistelligen Millionenbereich, vor allem wegen der höheren Kosten für die Absicherung von Fremdwährungsrisiken.

Bei einer Rendite von 4 Prozent wie im letzten Jahr, oder erst recht bei einer Rendite von 1,2 Prozent wie 2015, seien die Nega­tivzinsen eine erhebliche Last. Eine anständige Rendite zu erwirtschaften, ist für die Suva wichtig, weil sich dies auf die Prämien in der obligatorischen Unfallversicherung auswirkt.

Blendet man diese Sorge der Suva aus, ist Mäder mit dem vergangenen Geschäftsjahr aber «mehr als zufrieden», wie er sagt. Tatsächlich: 2015 hatte die Suva die Rendite von 1,2 Prozent noch als «beachtlich» bezeichnet. 2016 waren es nun sogar 4 Prozent. Die Rendite lag damit über dem Durchschnitt von 3,3 Prozent der vergangenen zehn Jahre.

Höhere Rendite dank ausländischer Aktien

Die gute Performance war für die Suva umso überraschender, als man sich für 2016 auf ein schwaches Jahr eingestellt hatte. «Wir haben letztes Jahr unsere Strategie überarbeitet, um uns auf die veränderte Marktsituation auszurichten», erklärt Mäder. Grundsätzliche Änderungen bringt die neue Strategie aber nicht mit sich: «Wir haben an der Feinjustierung gearbeitet», sagt Mäder, ohne sich in die Karten blicken zu lassen.

Zu verdanken hat die Suva die gute Rendite vor allem den ausländischen Aktien. «Ende Jahr haben wir eine regelrechte Rally erlebt», so Mäder. Aktien trugen fast die Hälfte zur Rendite bei. Aber auch in den anderen Anlagekategorien – Immobiliengeschäfte, Obligationen, Kredite und Alternativanlagen – konnte die Suva zulegen. Nur auf der Wechselkursseite resultierte ein Minus wegen der Absicherungskosten. Einen erheblichen Teil ihres Kapitals investiert die Suva in alternative Anlagen. Dazu gehören etwa auch Private-Equity-Beteiligungen an Unternehmen. Allerdings investiert die Suva nur indirekt über Fonds und auch nur, wenn Firmen schon eine gewisse Reife erreicht haben.

Deckungsgrad leicht angestiegen

Ein Venture-Capital-Arm für Start-ups kommt für die Suva derweil nicht in Frage: «Wenn man in Jungfirmen investieren will, muss man das im grossen Stil tun, und dafür sind die Risiken zu hoch», sagt der Suva-Finanzchef. Ausserdem sehe man «grundsätzlich keine Knappheit an Kapital für wirklich Erfolg versprechende Start-ups». Mäder erinnert aber daran, dass man Start-ups indirekt über den von der Suva 2003 gegründeten Technopark Luzern unterstütze.

Die gestern von der Suva veröffentlichten Zahlen zeigen weiter, dass die Unfallversicherung weiterhin solide finanziert ist: Der Deckungsgrad – das Verhältnis des Vermögens zu den Verpflichtungen – stieg leicht von 134 Prozent im Vorjahr auf 136 Prozent per Ende 2016. Detaillierte Angaben zum Geschäftsjahr 2016 präsentiert die Suva im Juni.