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SUVA: «Wir kriegen keinen Rappen vom Bund»

Markus Dürr ist neuer Verwaltungsratspräsident der Suva. Er lobt die Unfallversicherung für ihre Effizienz. Als Vorbild für eine Einheitskasse tauge sie aber trotzdem nicht.
Er will die Führung der Suva umkrempeln: der neue Suva-Präsident Markus Dürr. (Bild: Boris Bügrisser / Neue LZ)

Er will die Führung der Suva umkrempeln: der neue Suva-Präsident Markus Dürr. (Bild: Boris Bügrisser / Neue LZ)

Markus Dürr, Sie waren Luzerner Regierungsrat, spielten als Präsident der Gesundheitsdirektoren auf nationaler Ebene eine wichtige Rolle und sind nun Rentner. Warum tun Sie sich das Suva-Präsidium an?

Markus Dürr: Ich wurde schon in meiner Zeit als Regierungsrat für den Suva-Verwaltungsrat angefragt. Ich bin nun seit vier Jahren dabei. Der Betrieb fasziniert mich: Der Unfallversicherer ist sehr gut aufgestellt, hocheffizient und verfolgt seine Ziele hartnäckig. Kommt hinzu, dass die Suva für Luzern bedeutungsvoll ist. Sie beschäftigt in der Region über 1400 Mitarbeitende.

Wenn die Suva so hervorragend aufgestellt ist – werden Sie dann ein «Weiter so»-Präsident?

Dürr: Nein, das würde mir nicht liegen. Bei einem hundert Jahre alten Unternehmen besteht immer Reformbedarf. Zurzeit herrscht vor allem bei der Corporate Governance Handlungsbedarf.

Zum Beispiel?

Dürr: Der heutige Verwaltungsrat besteht aus 40 Mitgliedern. Das ist ein Unding. Deshalb wurde ein achtköpfiger Verwaltungsausschuss geschaffen. Wir haben vor, die strategische Führung umzukrempeln: In Zukunft soll das 40-köpfige Gremium als Aufsichtsrat und der heutige Verwaltungsausschuss als Verwaltungsrat operieren. So wird das strategische Gremium effizienter.

Wie viel verdient ein Verwaltungsratspräsident der Suva?

Dürr: Was glauben Sie?

200 000 Franken?

Dürr: Halb so viel, rund 100 000 Franken. Das ist eine anständige Vergütung. Aber auch nicht übertrieben viel für ein Unternehmen, bei dem die Hälfte der Arbeitnehmenden in der Schweiz versichert ist.

Im Verwaltungsrat sitzen gleich viele Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter an einem Tisch. Wie geht es dort zu? Wie bei öffentlichen Lohnverhandlungen?

Dürr: Die Suva gehört den Sozialpartnern. Ja, da wird hart um Lösungen gerungen. In der Regel findet man sich bei einem Kompromiss.

Sie sagen, die Suva trage wesentlich zum Arbeitsfrieden in der Schweiz bei. Den Arbeitsfrieden verbindet man aber eher mit den Organisationen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern?

Dürr: Wenn deren Vertreter in einem Verwaltungsrat zusammenarbeiten, wenn sie sich kennen, dann finden sie schnell den Zugang zueinander. Die Gewerkschaft und der Arbeitgeberverband stellen die Vizepräsidenten und als Präsident und Bundesvertreter bin ich der Mediator. Die Suva kennt auch die Nöte der Schweizer Regionen sehr gut, weil sie bis in den letzten Winkel des Landes präsent ist.

Wenn die Suva heute in der Kritik steht, dann meist darum, weil sich der Unfallversicherer und Krankenkassen streiten, wer von beiden bei einem gesundheitlichen Schaden zu zahlen hat. Betroffene und Arbeitgeber beklagen sich über das Zeit raubende Schwarz-Peter-Spiel.

Dürr: Das Gesetz gibt vor: Die Suva zahlt bei Unfällen in den versicherten Unternehmen, die Krankenversicherer bei Krankheiten. Obwohl im Unfallversicherungsgesetz die Zuständigkeiten definiert sind, gibt es im konkreten Fall immer wieder Raum für Interpretation. Das hat damit zu tun, dass nicht alles im Rechtssinne ein Unfall ist, was umgangssprachlich als Unfall gilt. Es gibt jedoch eine gefestigte Rechtsprechung dazu, und der Versicherte erhält in der Regel sehr schnell Klarheit über die Zuständigkeiten.

Für den Plattenleger mit dem kaputten Knie ist das Hin und Her ärgerlich. Er hat bei der Suva und beim Krankenversicherer einbezahlt und will nun die Leistung, die ihm zusteht.

Dürr: Die Suva kommt ihrer gesetzlichen Pflicht sehr kompetent und kulant nach.

Die Krankenkassen bewegen sich auf dem – freilich stark regulierten – Markt. Unternehmerische Freiheit möchte die Suva auch. Doch das Parlament bremst. Was nun?

Dürr: Es war für mich enttäuschend, zu sehen, wie die Privatversicherer und Krankenkassen bei der Überarbeitung des Unfallversicherungsgesetzes ihre Interessen durchsetzen wollten. Die Suva muss sich weiterhin auf Arbeitsplätze in Industrie und Gewerbe beschränken und risikogerecht offerieren, während andere Versicherer teils mit Lockvogelangeboten neue Kunden gewinnen können. Dabei ist ein Verunfallter bei der Suva sehr gut aufgehoben: Die Suva kommt nicht nur für die Heilungskosten auf, sondern sorgt auch für eine möglichst gute Wiedereingliederung, damit der Verunfallte wieder seinen Platz in der Arbeitswelt hat. Die Interessen der Krankenkassen hingegen konzentrieren sich auf die Heilung und deren Kosten.

Man könnte auch sagen, was private Unternehmen sinnvoll erledigen können, sollen in einem marktwirtschaftlich orientierten Staat eben auch private Unternehmen erledigen.

Dürr: Die Suva ist ein eigenständiges Unternehmen, sie bezieht keinen Rappen vom Bund. Wegen der gesetzlichen Beschränkungen kämpft sie jedoch ausgerechnet im boomenden, zukunftsträchtigen Dienstleistungssektor mit stumpfen Waffen. Auch wenn sie im Gegenzug in gewissen Branchen vom Obligatorium profitiert: Ein fairer Wettbewerb sieht anders aus.

Der Entscheid ist gefallen. Wie arrangiert sich die Suva mit der eingeschränkten unternehmerischen Freiheit?

Dürr: Die Suva kann damit umgehen. Bei der Revision des Unfallgesetzes will man der Suva keine weiteren Haupttätigkeiten zugestehen. Wir müssen uns wohl mit dem Status quo zufrieden geben. Als Nebentätigkeit kann die Suva anderen Versicherern zum Beispiel das Case Management anbieten, da sind wir federführend. Wir erledigen dies bereits für die CSS, eine der grossen Krankenkassen. Auch vom Know-how der Suva in der Prävention könnten andere Versicherungen profitieren.

Die Suva gilt als Inbegriff einer Versicherung, die trotz ihrer Staatsnähe effizient ist. Die Befürworter einer Einheitskasse für die Krankenversicherung benutzen sie gerne als Argument.

Dürr: Der Vergleich hinkt. Zum einen ist die Suva keine Einheitskasse, sie versichert die Hälfte der Arbeitnehmer und einen Fünftel der Betriebe. Sie steht also durchaus im Wettbewerb mit anderen Anbietern. Zum andern hat die Suva einen wesentlich breiteren Leistungskatalog als ihre Konkurrenz: Zu den Heilungskosten kommen Themen wie Unfallprävention, Rehabilitation, Wiedereingliederung am Arbeitsplatz und Renten. Momentan sind zum Beispiel Leistungen für Asbestgeschädigte ein Thema, obwohl die Ursache der Erkrankungen schon 20 bis 30 Jahre zurückliegt.

Ihnen sind Krankenkassen auf der Jagd nach guten Risiken lieber?

Dürr: Was fürchten die Kassen am meisten? Austritte! Das zwingt sie, gute Leistungen anzubieten. Einer Einheitskasse wären die Versicherten aber ausgeliefert. Es gäbe keine Möglichkeit mehr, die Kasse zu wechseln. Es gibt andere Massnahmen, wie sich die Risikoselektion eindämmen lässt.

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