Swatch
Swatch tickt schneller denn je

Swatch, der weltgrösste Uhrmacher, wälzt fast schon ein Luxusproblem: Die Gruppe muss versuchen, eine Produktionsklemme zu vermeiden.

Drucken
Swatch und Mehr

Swatch und Mehr

Ruedi Mäder

Jenes Bekenntnis war bemerkenswert: Selbst in einer Krisenzeit wolle man die Arbeitsplätze halten. Von der Katastrophenstimmung lasse man sich nicht anstecken, hielt Swatch-Präsident Nicolas Hayek in seinem letzten Geleitwort zu einem Geschäftsbericht fest; am 28. Juni 2010 ist der Swatch-Patron überraschend verstorben. Mit jener Maxime startete Swatch ins Jahr 2009 und zog sich schliesslich achtbar aus der Affäre – Verkäufe und Gewinn sanken um einen Zehntel, wogegen die Schweizer Uhrenindustrie eine Exporteinbusse von mehr als einem Fünftel erlitt.

Besser als im Rekordjahr 2008

Bei Halbzeit 2010 überraschen Konzernchef Nick Hayek und sein Team durchs Band positiv. Der Halbjahresausweis, zwei Wochen früher als ursprünglich angekündigt publik gemacht, zeigt den Konzern auf Rekordkurs (vgl. Tabelle). In den ersten sechs Monaten kletterten die Verkäufe im Kerngeschäft Uhren und Schmuck gegenüber der Vorjahresperiode in lokalen Währungen um einen Drittel. Zudem gelang gegenüber dem bisher besten Halbjahr, dem ersten Semester 2008, eine Umsatzsteigerung von 10 Prozent.

Die Swatch Group hat damit ihre Führung in der Branche erneut ausgebaut. Der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie meldete für das erste Halbjahr 2010 einen Anstieg des Ausfuhrwerts um rund 20 Prozent. Das Wachstum sei in allen Segmenten und Regionen im Uhren- und Schmuckbereich «ausserordentlich stark» gewesen, bilanzierte Nick Hayek.

Bei Halbzeit 2010 resultierten bei Swatch überdurchschnittliche Verbesserungen von Betriebs- und Reingewinn; auch hier erwies sich das Uhren- und Schmuckgeschäft als Haupttreiber. Knapp 15 Prozent von Umsatz und Gewinn stammen aus den Bereichen Uhrwerke und Elektronik.

Noch besseres zweites Halbjahr?

Die Swatch-Aktie setzte gestern (plus 4 Prozent) ihre starke Jahresperformance fort. Seit Anfang Jahr ist der Börsenwert um 29 Prozent gestiegen. Mitte Jahr betrug die Kapitalisierung 16,3 Milliarden. Die positiven Kommentare der Analysten hängen nicht zuletzt mit dem Ausblick zusammen: Nach einem guten Juli wird auch im zweiten Halbjahr «ein starkes Ergebnis» erwartet. Namentlich wegen des Weihnachtsgeschäfts ist das zweite Semester in der Regel für den Jahresabschluss gewichtiger als die erste Hälfte.

Swatch will die Retail-Aktivitäten weiter ausbauen. Nick Hayek: «Wir eröffnen bis Ende Jahr für Swatch, Omega, Breguet, Blancpain, Jaquet Droz und Tourbillon insgesamt rund 40 neue Läden.» Hayek sieht die grosse Herausforderung darin, die bereits heute in verschiedenen Produktionsbereichen drückenden Kapazitätsengpässe schnell überwinden zu können. Lieferengpässe betreffen beispielsweise Zifferblätter, Zeiger, Indexe und Gehäuse. – Ende 2009 zählte die Swatch Group 23560 Beschäftigte.