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Swatch wurde von Lieferengpässen zurückgebunden

Der Bieler Konzern legt ein starkes Ergebnis für 2018 vor, allerdings verliert Swatch durch überlange Lieferzeiten in der Eigenfertigung von Gehäusen für Luxusuhren einen dreistelligen Millionenbetrag beim Umsatz.
Daniel Zulauf
Nick Hayek, CEO der Swatch Group, an der Medienkonferenz am Donnerstag in Biel. Bild: Anthony Anex/Keystone (14. März 2019)

Nick Hayek, CEO der Swatch Group, an der Medienkonferenz am Donnerstag in Biel. Bild: Anthony Anex/Keystone (14. März 2019)

Die Swatch Group ist 2018 an einem Rekordjahr vorbeigeschlittert. Zwar gelang es dem weltgrössten Uhrenhersteller, den Umsatz um gut 6 Prozent auf über 8,4 Milliarden Franken zu steigern, doch damit verfehlte er das bisherige Spitzenergebnis aus dem Jahr 2014 um 234 Millionen Franken. Konzernchef Nick Hayek sprach an der gestrigen Jahresmedienkonferenz im neuen Hauptsitz in Biel über schwere Lieferengpässe in der Eigenfertigung von Gehäusen, Zifferblättern und Zeigern im Segment der Luxusmarken Omega, Blancpain und Longines. Die teilweise mehrmonatigen Lieferrückstände hätten das Unternehmen einen Umsatzbeitrag in dreistelliger Millionenhöhe gekostet, heisst es im Geschäftsbericht. Am Rand der Pressekonferenz war von 300 Millionen Franken die Rede. Die Engpässe sind gemäss Hayek in der vertikal integrierten Produktionskette entstanden, die ganz auf die Strategie des «Swiss Made» ausgelegt ist.

Unter den neuen, 2017 in Kraft getretenen Schweizer Ursprungsregeln, dem sogenannten «Swissness-Gesetz», müssen die Herstellungskosten einer Uhr nachweislich zu 60 Prozent schweizerischen Ursprungs sein. Hayek sagte, dass die Probleme bis zur Jahresmitte weitgehend behoben werden könnten. Kunden habe man durch diese Schwierigkeiten kaum verloren.

Keine Uhrwerke mehr für Konkurrent Richemont

Die Swatch Group hatte sich mächtig für das Swissness-Gesetz starkgemacht und will deshalb auch von einer Änderung der Produktionsstrategie nichts wissen. Stattdessen kündigte Hayek an, dass man die selbst gefertigten Komponenten in Zukunft noch viel stärker für den Eigengebrauch nutzen werde. Der grosse Mitbewerber Richemont werde in Zukunft keine Uhrwerke mehr von der Swatch Group beziehen können, sagte der CEO. Unter Verweis auf den Eigenbedarf wollte die Swatch Group die Lieferungen an Dritte schon vor einigen Jahren einstellen oder massiv einschränken. Die Eidgenössische Wettbewerbskommission hatte den Konzern dann aber verpflichtet, die Lieferungen für eine Übergangszeit fortzusetzen. Diese Frist geht im laufenden Jahr zu Ende. Es sei zwingend nötig, dass auch andere Uhrenhersteller mehr in die Herstellung von Komponenten und Uhrwerken investierten, sagte der Patron – ein unüberhörbarer Seitenhieb an die lokale Konkurrenz.

2018 investierte die Swatch Group insgesamt 504 Millionen Franken in den Betrieb, darunter fielen gemäss Geschäftsbericht auch «massive Investitionen» in die Produktion in der Schweiz. Ein Hinweis darauf liefert auch die kräftige Zunahme des Personalbestandes um 1763 auf weltweit über 37'000 Mitarbeiter. Allein in der Schweiz wurde der Bestand an Mitarbeitern um 1346 auf 18'055 Personen aufgestockt.

In Anbetracht der Produktionsprobleme zeigte sich Hayek zufrieden mit der im Berichtsjahr gezeigten Leistung, obschon der Gewinn von 845 Millionen Franken deutlich hinter dem Rekordjahr 2014 (1416 Millionen Franken) zurückblieb. Einiges verspricht man sich von der im Januar mit Erfolg in der Schweiz eingeführte Bezahluhr «Swatch Pay». Die Uhr wird mit einer Kopie (Token) der Kreditkarte geladen und macht so einen schnellen kontaktlosen Zahlvorgang möglich. Obwohl Swatch Pay erst an 20 Verkaufsstellen in der Schweiz erhältlich ist, ist sie bereits die meistverkaufte Swatch in der Schweiz.

Verspätet, aber nicht zu spät

Die Uhr kommt verspätet, aber offenbar doch nicht zu spät. Das erhofft sich Hayek auch von der neuartigen Batterie, an der die Tochterfirma Belanos schon seit mehreren Jahren herumlaboriert, damit sie dereinst auch in Automobilen eingesetzt werden kann. Die Versuche mit den ersten Prototypen hätten aber gezeigt, dass der Vorsprung auf Konkurrenzprodukte noch nicht gross genug sei. Deshalb habe man sich nun entschieden, ein aufwendigeres und wohl auch teureres Verfahren einzusetzen. Hayek hofft, in ein bis zwei Jahren gute Ergebnisse zeigen zu können.

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