Swiss Krono trotzt den Problemen in der Holzbaubranche

Die Holzbaubranche in der Schweiz boomt. Der Holzverarbeiter Swiss Krono wuchs im letzten Geschäftsjahr zweistellig. Doch das Unternehmen spürt auch einige Widrigkeiten im Markt.

Livio Brandenberg
Drucken
Teilen
Blick auf das Swiss-Krono-Werk in Menznau. Hier beschäftigt der Holzverarbeiter 475 Leute. (Bild: Nadia Schärli, 24. Oktober 2016)

Blick auf das Swiss-Krono-Werk in Menznau. Hier beschäftigt der Holzverarbeiter 475 Leute. (Bild: Nadia Schärli, 24. Oktober 2016)

Der Holzbausektor in der Schweiz floriert. Seit 2011 wird gemäss dem Branchenverband Jahr für Jahr mehr Holz verbaut – dies gilt für Neubauten, vor allem aber für An- und Umbauten. Davon profitiert auch Swiss Krono: Im vergangenen Geschäftsjahr, das Ende September zu Ende ging, hat der weltweit grösste Laminatbödenproduzent den Umsatz erneut gesteigert und beim Gewinn überproportional zugelegt. Der Bruttoumsatz stieg um mehr als 11 Prozent auf über 2 Milliarden Franken, wie Swiss Krono (ehemals Kronospan) in diesen Tagen mitteilte. Mit einem gruppenweiten Produktionsvolumen an Holzwerkstoffen – etwa Bau- oder Möbelplatten – von 6 Millionen Kubikmetern sei ein neuer Höchststand erreicht worden. Das entspricht rund 16-mal dem 178 Meter hohen Roche-Turm in Basel. Swiss Krono mit Wurzeln in Menznau beliefert mit rund 5100 Mitarbeitern weltweit 121 Länder. Am Standort Menznau beschäftigt das sich in Familienbesitz befindende Unternehmen 475 Mitarbeitende.

Der Umsatz, der im Werk Menznau im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftet wurde, beträgt 300 Millionen Franken; 4 Prozent des gruppenweiten Umsatzes sei im Schweizer Markt angefallen. «Das Geschäft entwickelte sich im letzten Jahr grundsätzlich gut, auch wenn der Schweizer Markt währungsbedingt noch immer unter Importdruck steht», sagt denn auch Swiss-Krono-CEO Martin Bret­tenthaler auf Anfrage.

Viel Wald in bergigen Regionen

Denn trotz Wachstum plagen die Holzbauindustrie verschiedene Probleme, wie Brettenthaler sagt: Neben dem starken Franken habe die Schweizer Holzwirtschaft auch «strukturelle Nachteile in der Holzversorgung gegenüber dem Ausland». In der Schweiz wächst mehr Holz, als geschlagen wird. Doch das Problem ist laut dem Swiss-Krono-CEO, dass viel Wald in bergigen Zonen liegt, in welchen die Ernte, also der Einsatz von Maschinen, vergleichsweise teuer ist. Hier haben Gebiete wie etwa Skandinavien Vorteile. Deutlich teurer sei im internationalen Vergleich auch das Personal, so Brettenthaler.

Martin Brettenthaler. (Bild: PD)

Martin Brettenthaler. (Bild: PD)

Eine zusätzliche Widrigkeit für die Branche und ein zunehmendes Hindernis für die Verwendung des einheimischen Rohstoffes ist gemäss NZZ das langsame Sterben der Sägereien (siehe Kasten unten). Das prominenteste Beispiel ist das Grosssägewerk in Domat/Ems, das Ende 2010 dichtmachen musste. Die Konsequenzen für die lokale Waldwirtschaft sind längere Transportwege und dadurch noch höhere Kosten für Schweizer Holz, das wegen des starken Frankens in den letzten Jahren bereits deutlich teurer geworden ist.

Laut Swiss-Krono-Chef Martin Brettenthaler seien aber gerade die Zahlen des Werks in Menznau Beleg dafür, «dass man auch in der Schweiz international wett­bewerbsfähig Holzwerkstoffe produzieren kann» – trotz der genannten Probleme, zu denen er auch strengere nationale Auflagen im Forstbereich und bei Holztransporten zählt. Swiss Krono exportiere derzeit von Menznau aus Holzwerkstoffe in 77 Länder.

Externe Untersuchung entlastet Swiss Krono

Ein Problem, das nichts (direkt) mit dem Schweizer Holzmarkt zu tun hat, dürfte das Unternehmen hinter sich lassen können: Ende Oktober 2018 sind in der WOZ Vorwürfe publik geworden, Swiss Krono sei möglicherweise in den systematischen illegalen Holzabbau und den damit verbundenen Korruptionskreislauf in der Ukraine verwickelt. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Luzern besitzt im ungarischen Vasarosnameny, knapp zehn Kilometer hinter der ukrainischen Grenze, eine Holzwerkstofffabrik, Gemäss dem Bericht einer britischen NGO blüht der illegale Holzabbau in der Ukraine, staatliche Forstwirtschaftsbetriebe, die für die Kontrolle der Abholzung zuständig wären, würden den illegalen Abbau nicht verhindern, sondern schützen.

Konkret wird Swiss Krono vorgeworfen, ein illegales Angebot einer fiktiven, von der britischen NGO gegründeten Holzzuliefererfirma nicht von Beginn an abgewiesen zu haben. Diese habe aus der Ukraine illegale Angebote an Holzwerkstofffabriken im grenznahen Ausland versandt. Konkret seien Holzlieferungen versprochen worden, die gegen ukrainische Exportbestimmungen verstossen. Die zuständige Ansprechperson des Swiss-Krono-Werks in Ungarn habe Interesse gezeigt, weitere Details zum Angebot verlangt und schliesslich ein persönliches Treffen vorgeschlagen.

Das Unternehmen betonte bereits im Herbst, dass man «hohe ethische Standards einhält. Wir respektieren und gehorchen allen Gesetzen und Regulierungen». Was das Angebot an das Werk in Ungarn angehe, so gehöre es dann eben im persönlichen Treffen zur Sorgfaltspflicht, das Angebot sowie die Legalität des Zulieferers zu prüfen. Swiss Krono liess aber ausrichten, man werde «mit externer Unterstützung einer angesehenen, international tätigen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft eine neutrale Prüfung der Vorgänge vornehmen lassen».

Diese Untersuchung sei im Nachgang zu den Vorwürfen umgehend eingeleitet worden, bestätigt Swiss-Krono-Chef Brettenthaler auf Nachfrage. Und diese umfassende Nachprüfung habe ergeben, «dass die Swiss Krono Group weder in der Ukraine noch in Ungarn die entsprechenden rechtlichen Vorschriften verletzt hat oder sich der Korruption beziehungsweise der Teilnahme an illegalem Holzeinschlag schuldig gemacht hat», so Brettenthaler. Für die Swiss Krono Group sei die Einhaltung des gesetzlichen Rahmens von höchster Bedeutung. Man habe sich immer gesetzeskonform verhalten.

Forstbetriebe haben Mühe – trotz Bauboom

Auch die hiesige Waldwirtschaft spürt die Konsequenzen des Sägereien-Sterbens: Die Transportwege werden länger, und Schweizer Holz wird dadurch noch teurer, als es aufgrund des starken Frankens schon ist. Laut dem Bundesamt für Statistik, das 160 Forstbetriebe befragt hat, schrieben die Waldbesitzer im Jahr 2017 einen Verlust von durchschnittlich 10 Franken pro Kubikmeter geerntetem Holz. Experten kommen deshalb zum Schluss, dass der Schweizer Wald nichts vom Holzbauboom habe.

Dass die Branche boomt, bestätigt Francesca Romano vom Branchenverband Holzbau Schweiz: «Unsere Zahlen sind wirklich gut. Die Entwicklung des Materialanteils Holz in der Tragkonstruktion über einen längeren Zeitraum zeigt, dass sich Holz gegenüber anderen Bauarten mit grossem Erfolg behauptet – speziell im Bereich der An- und Umbauten.» Auch wegen der Totalrevision des CO2-Gesetzes ist der Branchenverband weiter zuversichtlich. Denn Bauen mit Holz reduziert die CO2-Emissionen deutlich. «Und auch der Revision des Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen blicken wir erfreut entgegen», so Romano. «Denn diese hat zum Ziel, dass verstärkt die Nachhaltigkeit als Vergabekriterium berücksichtigt wird und nicht nur der Preis. Auch dies dürfte nicht zu unserem Nachteil sein.»

Dass auf der anderen Seite die Schweizer Holzwirtschaft Mühe bekundet, zeigt sich an verschiedenen politischen Vorstössen, in denen Bundesparlamentarier Fördermassnahmen fordern. Auch im Luzerner Parlament gibt es ähnliche Vorstösse: So verlangen einige Kantonsräte von der Regierung, die am Seetalplatz ein zentrales kantonales Verwaltungsgebäude für 150 Millionen Franken bauen will, dass der Kanton das dafür benötigte Holz aus dem Staatswald zur Verfügung stellt. Ob diese Forderung realisiert wird, ist noch nicht klar. (lb)

In einer früheren Version dieses Artikels haben wir geschrieben, dass das Holz für die neue Produktionshalle der Pilatus-Flugzeugwerke in Stans von der Schweiz nach Deutschland exportiert und anschliessend wieder importiert werden musste und dass die ­Bögen mit einer Spannweite von 52 Metern von einer ausländischen Firma angefertigt wurden. Dies haben wir damit begründet, dass hierzulande kein Brettschichtholz mehr hergestellt, sondern nur noch importiert wird. Diese Aussagen sind falsch. Das Primärtragwerk, bestehend aus 52 Meter frei gespannten Bogenteilen, sowie das sekundäre Tragwerk wurden aus Schweizer Holz von der Neuen Holzbau AG aus Lungern OW hergestellt. Totalunternehmerin des Projekts war zudem die Firma Strüby Konzept AG aus Seewen SZ. Nur für einen Teil des Sekundärtragwerks wurde Schweizer Buchenholz an ein spezialisiertes Verleimwerk in Deutschland exportiert, von dort wieder importiert und in der Schweiz weiterbearbeitet. Der Grund für die Wahl dieses ausländischen Anbieters war dessen Produkt mit Zulassung und nicht, dass es in der Schweiz keine Brettschichtholzproduktion mehr gibt. Es gibt nach wie vor Betriebe, die Brettschichtholz anbieten, etwa die Schilliger Holz AG in Küssnacht, die Neue Holzbau AG in Lungern oder auch Sidler & Co in Nottwil. Wir bitten für die Fehler um Entschuldigung. (rom)