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SWISS LIFE: Begehrte Rundum-Versorgung: Der CEO der Swiss-Life im Interview

Der Versicherungskonzern ist der grösste Vollversicherer im Pensionskassengeschäft. Swiss Life-CEO Markus Leibundgut äussert sich zu Gewinnen, Schwierigkeiten und Reformstau der dritten Säule.
Rainer Rickenbach
Das Schweizer Vorsorgesystem steuert in eine Sackgasse, Reformen sind dringend notwendig. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Zürich, 5. September 2017))

Das Schweizer Vorsorgesystem steuert in eine Sackgasse, Reformen sind dringend notwendig. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Zürich, 5. September 2017))

Interview: Rainer Rickenbach

Markus Leibundgut, AXA steigt aus dem Vollversicherungsgeschäft im BVG aus, wieso bleibt Swiss Life dabei?

Weil die Vollversicherung für unsere Kunden und für uns wichtig bleibt. Sehen Sie: Sehr viele unserer Kunden in dieser Sparte sind kleinere Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitenden. Handwerksbetriebe, Informatikfirmen oder Elektriker. Die meisten dieser Betriebe sehen sich nicht in der Lage oder sind nicht gewillt, die Anlagerisiken ihrer Pensionskasse zu tragen. Sie bevorzugen ein Sorglos-Angebot und überlassen uns das Risiko.

Das hat seinen Preis.

Ja, das Sorglos-Angebot ist nicht kostenlos. Das Risiko für den Vollversicherer ist ja auch real: Im Jahr der Finanzkrise 2008 etwa bezifferte sich der Verlust zu Lasten unserer Aktionäre auf über eine Milliarde Franken. Davon bekamen unsere vollversicherten BVG-Kunden nichts zu spüren. Sie brauchten nicht jahrelang Sanierungsbeiträge für ihre Pensionskasse in Unterdeckung zu zahlen wie bei vielen halb- und ganzautonomen Kassen.

Die Pensionskassen fahren seit 2009 jährliche Renditen von 2 bis 8 Prozent ein. Im zurückliegenden Jahr waren es 7 Prozent. Warum jammern sie trotzdem?

Es braucht viele gute Börsenjahre, um einen Rückschlag wie vor zehn Jahren wettzumachen. Kommt hinzu: Die Kassen haben einerseits Renten aus früheren Jahren zu finanzieren, die wegen der steigenden Lebenserwartung und des überhöhten Mindestumwandlungssatzes zu hoch sind. Es ist erfreulich, dass wir alle länger leben. Doch das angesparte Geld in der zweiten Säule muss länger reichen. Andererseits kamen die Renditen vorab dank den Finanzmärkten zu Stande. Sie sind aber Schwankungen ausgesetzt. Es wäre fahrlässig, sich bei der Finanzierung von Renten nur auf die Aktienmärkte zu verlassen.

Ist Swiss Life wegen der tiefen Zinsen so zurückhaltend mit neuen Kunden? Die Warteliste von Unternehmen, die eine Vollversicherung wollen, soll lang sein ...

Das ist richtig. Sie ist darum lang, weil wir die guten Konditionen für unsere bestehenden Kunden erhalten wollen. Swiss Life ist schon seit mehreren Jahren vorsichtig bei der Aufnahme von Neukunden in die Vollversicherung. Eine Ursache dafür sind auch die überhöhten Kapitalanforderungen, die uns der Regulator vorschreibt.

Trotzdem scheint es sich zu lohnen. Swiss Life verzeichnete 2016 im Geschäft mit den Pensionskassen-Vollversicherungen 161 Millionen Franken Gewinn. Die Aktionäre freut es, den Versicherten aber entgeht dieses Geld.

Diese Aussage ist massiv verkürzt. Im Vollversicherungsgeschäft geben wir Garantien ab: Für das Sparkapital, für die Renten, für Partnerrenten, für Tod und Invalidität. Dafür brauchen wir sehr viel Risikokapital. Das leihen wir uns bei den Aktionären. Man könnte es auch so ausdrücken: Wir mieten von den Aktionären Kapital und entrichten dafür einen Mietzins.

Die Gewerkschaften sagen, es könne nicht Sinn von Vorsorgeeinrichtungen sein, in die Taschen der entsprechenden Aktionäre zu wirtschaften.

Die Gewerkschaften sprechen den Unternehmen und ihren Belegschaften schlichtweg die Mündigkeit ab. Diese entscheiden gleichberechtigt, ob sie die zweite Säule risikolos vollversichert haben wollen und dafür einen Preis zahlen. Oder ob sie eine teilautonome oder autonome Kasse bevorzugen, die Anlagerisiken ausgesetzt ist. Die Rundumversorgung ist freiwillig, niemand muss. Doch über eine Million Arbeitnehmende in der Schweiz sind vollversichert. Also deckt die Vollversicherung ein sehr grosses Bedürfnis ab und trägt massgeblich zur sozialen Sicherheit bei.

Mit dem Nein zur Renten­reform rückte die Neugestaltung der zweiten Säule in weite Ferne. Was heisst das für Vorsorgeeinrichtungen?

Die Umverteilung von den erwerbstätigen Beitragszahlern zu den Rentnern beschleunigt sich und droht, unser Rentensystem in Schieflage zu bringen. Um das zu verhindern, muss möglichst schnell nicht nur für die AHV, sondern auch für die zweite Säule eine Reform her. Die Probleme sind bekannt, und Lösungen für die zweite Säule liegen vor.

Die Stimmberechtigten waren aber gegen die Reform.

Das Volk war gegen das Gesamtpaket für die erste und die zweite Säule, also müssen die Reformen unabhängig voneinander in Gang kommen. Umstritten waren vor allen die 70 zusätzlichen Franken für AHV-Neurentner.

Wie viel wird pro Jahr von den Erwerbstätigen zu den Rentnern umverteilt?

Wir haben allein 2016 gut 330 Millionen Franken reserviert, um diese Umverteilung aufzufangen. Über alle Kassen betrachtet sind es mehrere Milliarden Franken pro Jahr, die den aktiven Erwerbstätigen als Rendite vorenthalten bleiben und stattdessen den Rentnern zugutekommen.

In vielen grösseren Kassen kommt der Umwandlungssatz bereits unter 6 oder sogar 5 Prozent zu liegen. Ist die Schmerzgrenze nun erreicht?

Die sinkenden Renten für Neupensionierte machen den Reformbedarf deutlich.

In der Politik gibt es immer wieder Versuche, den Kapitalbezug einzuschränken. Was halten Sie davon?

Überhaupt nichts. Das Sparkapital gehört den Versicherten. Sie sollen frei entscheiden können, wie sie es zu beziehen wünschen. Einschränkungen kämen einem massiven Eingriff in die individuelle Freiheit gleich.

Doch wer Rente bezieht, läuft weniger Gefahr, Ergänzungsleistungen zu beziehen.

Es besteht kein erwiesener Zusammenhang zwischen Kapitalbezug und Sozialhilfe im Alter. Bei Kapitalbezügern, die später auf Ergänzungshilfe angewiesen sind, handelt es ich meistens um Personen, die aufgrund ihrer Erwerbsbiografie nur ein paar zehntausend Franken in der zweiten Säule angespart hatten. Sie würden eine Jahresrente von ein paar hundert Franken erhalten. Die hätten sie nicht vor Ergänzungsleistungen bewahrt. Für die grosse Mehrheit der Neurentner kann ein kompletter oder teilweiser Kapitalbezug aber je nach individueller Situation durchaus sinnvoll sein.

Zur Person

Markus Leibundgut (49) ist CEO Schweiz des Versicherungskonzerns Swiss Life. Er hat Physik und Mathematik an der Universität Bern studiert und stiess 2012 von McKinsey zu Swiss Life.

Markus Leibundgut, CEO der Swiss Life Schweiz (Bild: PD)

Markus Leibundgut, CEO der Swiss Life Schweiz (Bild: PD)

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