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SWISS PASS: Die Bilanz des Swiss Pass fällt durchzogen aus

Vor einem Jahr startete die SBB mit dem Ersetzen der blauen Abokarte durch den Swiss Pass. Dieser zeigt seither immer wieder Schwachstellen auf.
Martin Leutenegger
Jeder Swiss Pass muss vom Zugchef mit einem Scanner gelesen werden. Die «Universalkarte» wurde vor einem Jahr lanciert. (Bild: Keystone/Yannick Bailly)

Jeder Swiss Pass muss vom Zugchef mit einem Scanner gelesen werden. Die «Universalkarte» wurde vor einem Jahr lanciert. (Bild: Keystone/Yannick Bailly)

Martin Leutenegger

Ein Beispiel, wie es immer mal wieder vorkommt: Der Mann erneuert im Januar sein SBB-Generalabonnement um ein Jahr, weil er es beruflich braucht. Im Frühling findet seine Frau einen Job in einer anderen Stadt und kauft deshalb ein Partner-GA, das mit einem ansehnlichen Rabatt verbunden ist. Im Sommer tritt der Sohn in eine höhere Schule ein und kauft ein Junior-Jahres-GA, das ebenfalls zu einem Rabatt berechtigt. So weit, so gut. Diese Familienvergünstigungen werden von der Kundschaft geschätzt, auch wenn es immer aufwendiger und schwieriger wurde, durch das Beschaffen, Ausfüllen und Abstempeln von Formularen zu diesen Rabatten zu kommen.

Wurde bis Ende Juli 2015 ein Abonnement gelöst, war die Gültigkeitsdauer auf der blauen Karte vermerkt. Die damit verbundenen Partner- und Kinderabonnemente behielten bis zum aufgedruckten Datum ihre Gültigkeit, selbst wenn das Basis-GA – wegen eines Auslandeinsatzes oder aus anderen Gründen – nicht nahtlos verlängert wurde. Dies schien auch logisch, denn schliesslich waren alle Abos für ein ganzes Jahr bezahlt worden.

Chauffeuren fehlte Lesegerät

Auf dem neuen roten SwissPass stehen heute nur noch Name und Geburtsdatum. Ohne elektronisches Lesegerät ist nicht einmal ersichtlich, ob es sich um ein gültiges General- oder ein Halbpreisabonnement handelt. Das war schon mal ein Unsinn an sich, denn so konnte es geschehen, dass ein Postautochauffeur noch im Spätherbst zum Passagier mit GA sagte: «Keine Ahnung, was Sie da vorweisen. Ich muss es Ihnen einfach glauben.»

Wenn nun aber auf dem Abonnement keine Gültigkeitsdauer vermerkt ist, sagt sich der Kunde und runzelt die Stirn, besteht dann nicht die Gefahr, dass mit dem Ablauf seines Basis-GAs auch die Abonnemente von Partnerin und Kindern automatisch ihre Gültigkeit verlieren, indem sie von den SBB deaktiviert werden? Die Befürchtung ist begründet, wie eine Anfrage beim GA-Service-Center in Brig ergibt: «Wenn das Basis-GA abläuft und nicht mehr nahtlos verlängert wird», heisst es in der Antwort, «dann werden die verknüpften GAs unter Einhaltung der Kündigungsfrist von einem Abonnementsmonat auf das nächste Abo-Monatsende gekündigt.»

SBB: «Fairer und transparenter»

Nun könnte man sagen, dass ein verknüpftes GA, wie der Name schon sagt, mit dem Basis-GA verbunden ist und ohne dieses automatisch seine Gültigkeit verliert. So argumentieren denn auch die SBB: Beim blauen GA, bestätigt Christian Ginsig, stellvertretender Leiter der SBB-Medienstelle, blieben die verknüpften GA bis zum Ende der Laufzeit gültig, auch wenn das Basis-GA gekündigt worden war. «Das neue System», so Ginsig weiter, «ist viel fairer und transparenter, denn mit dem Swiss Pass können Leistungen gesperrt werden, wenn das Basis-GA ausläuft. Wird das Basis-GA gekündigt, können die verknüpften GA nicht mehr von unrechtmässigen Vergünstigung profitieren.»

Hohe Rabatte fallen weg

Das tönt aus Sicht der SBB logisch, doch die Kundinnen und Kunden der Transportunternehmung sitzen in einem anderen Boot: Sie erachten es vielmehr als unfair und ungerecht, wenn sie innerhalb der Familie mehrere Abonnemente für ein Jahr im Voraus bezahlt haben, diese dann aber innert Monatsfrist deaktiviert werden, nur weil das Basis-GA nicht nahtlos verlängert worden ist. Ärgerlich ist dies insbesondere in Fällen, wo das Basis-GA über viele Jahre hinweg immer wieder erneuert worden war, nun aber ausnahmsweise – wegen eines Auslandaufenthalts oder einer Krankheit – nicht nahtlos verlängert werden möchte. Denn ein Verlust dieser Rabatte geht massiv ins Geld: Ein normales GA kostet im Jahr 3665 Franken. Mit dem Familienrabatt bezahlen der Partner oder die Partnerin nur 2060 Franken und Jugendliche bis 25 Jahre sogar bloss 905 statt 2600 Franken.

Was passiert denn nun bei der erzwungenen Deaktivierung der verknüpften Generalabonnemente? Es erfolge eine Auszahlung der Gutschrift, schreibt Mediensprecher Ginsig: «Bei der Erstattung infolge Kündigung wird der Preis für die Anzahl benutzter Monate vom Preis des Abonnements abgezogen. Die anteilsmässige Erstattung der Abonnemente ist grosszügig.» Die Gegenfrage, ob eine anteilmässige Rückerstattung im Geschäftsverkehr nicht völlig normal sei und worin denn die «Grosszügigkeit» bestehe, wenn eine nicht bezogene Leistung vergütet werde, blieb unbeantwortet.

Widersprüchliche Angaben

Überhaupt ist es so eine Sache mit Rückerstattungen und Gutschriften. Wenn ein GA-Besitzer sein Abonnement früher während maximal eines Monats deponierte, erhielt er eine Karte mit einer Gutschrift, die er für eine beliebige SBB-Leistung einsetzen konnte. Heute wird ihm ein dünnes Papier ausgehändigt, auf dem steht: «Die Gutschrift aus dem Hinterlegungszeitraum wird bei der nächsten GA-Rechnung berücksichtigt. Keine Barauszahlung möglich. Nicht übertragbar.» Also schon wieder ein Nachteil für die Kundschaft?

Und was geschieht, wenn das GA nicht auf Rechnung bezogen und vielleicht nicht nahtlos oder gar nicht mehr verlängert wird? Ist das Geld dann verloren? Christian Ginsig winkt ab: «Im Fall einer Kündigung erfolgt eine Auszahlung der Gutschrift der entsprechenden Leistung. Die Gutschrift ist somit nicht verloren.» Was gilt jetzt: Das, was auf dem SBB-Hinterlegungszettel gedruckt ist, oder das, was der stellvertretende Leiter der SBB-Medienstelle mehrfach bestätigt?

Eine erste Bilanz von den SBB zum Swiss Pass gibt es an einer Medienkonferenz am 26. August.

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