SWISS POST SOLUTIONS
Die Post hat endlich eine Käuferin für die Tochterfirma gefunden: Der Staatsbetrieb gehört jetzt einer Beteiligungsgesellschaft

Wie die Zukunft für Swiss Post Solutions (SPS) aussieht, ist unklar. Die Gewerkschaften sind alarmiert.

Florence Vuichard und André Bissegger
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Die Post verkauft ihre aufs Dokumentenmanagement spezialisierte Tochterfirma Swiss Post Solutions.

Die Post verkauft ihre aufs Dokumentenmanagement spezialisierte Tochterfirma Swiss Post Solutions.

Keystone

Schlange sind die Interessenten nicht wirklich gestanden, doch nun hat es endlich geklappt: Die Post hat eine Abnehmerin für ihre seit rund eineinhalb Jahren zum Verkauf stehende Tochterfirma Swiss Post Solutions (SPS) gefunden: die in Freienbach SZ und London ansässige Beteiligungsgesellschaft AS Equity Partners. Der Vertrag wurde am vergangenen Freitag unterzeichnet. Die effektive Übernahme soll in den folgenden Monaten abgeschlossen sein.

Den Unternehmenswert beziffern die Vertragspartner mit 375 Millionen Franken. Um von dem Betrag zum effektiven Verkaufspreis zu gelangen wären noch die Schulden und die liquiden Mittel abzuziehen. Doch diese beiden Werte wollen die Parteien nicht offenlegen. So bleibt letztlich unklar, wie viel dank des Deals in die Post-Kasse fliessen. Sicher weniger als ursprünglich erhofft.

Unbekannte Käuferin

Die neue SPS-Besitzerin AS Equity Partners ist eine unbekannte Adresse - benannt nach ihrem Gründer Andreas Schulte. Fragen zum Kauf, wollte er nicht beantworten, ebenso wenig wie Fragen zur Zukunft von SPS. Klar ist aber, dass SPS nicht ganz ins Beuteschema der Beteiligungsgesellschaft passt: Gemäss Homepage hat es AS Equity Partners auf Firmen in Europa mit Umsätzen zwischen 10 und 100 Millionen Euro abgesehen, mit SPS zieht sie nun aber einen vergleichsweise grossen Fisch an Land. SPS hat 2020 der einen Umsatz von 539 Millionen Franken erzielt und beschäftigt weltweit 7800 Mitarbeitende, davon rund 1000 in der Schweiz.

Wie genau, die Post auf die AS Equity Partners gekommen ist, beantwortet sie nicht. Sie spricht von «einem sehr ausführlichen und strukturierten Prozess», bei dem sie sich auch von externen Spezialisten hat beraten lassen. Verschiedene Interessenten und Investoren hätten sich melden können, was auch geschehen sei. Am Schluss habe sich AS Equity als beste Variante erwiesen.

Gewerkschaft sieht Arbeitsplätze bedroht

Bei den Gewerkschaften begegnet man dem Deal mit einem gewissen Misstrauen. Dort hätte man die Option eines ebenfalls diskutierten Börsengangs bevorzugt, bei der die Post einen Anteil an SPS behalten hätte. Syndicom kritisiert denn auch in einer ersten Reaktion, die Post stehle sich mit dem Verkauf aus der Verantwortung für jene Menschen, die von grossen Schweizer Unternehmen an die SPS ausgelagert worden seien. Der Verkauf stelle für die Angestellten «eine akute Bedrohung für ihre Arbeitsplätze und die Arbeitsbedingungen dar».

Die Gewerkschaft will nun sofort mit der SPS-Führung Kontakt aufnehmen, um zu besprechen, wie die Sozialpartnerschaft weitergeführt werden kann. Denn der Gesamtarbeitsvertrag der SPS laufe Ende 2022 aus und die Verhandlungen zur Verlängerung seien im Frühjahr geplant. Syndicom fordert von der neuen Eigentümerin, dass diese Verhandlungen stattfinden.

Post will Service public in der Schweiz weiterentwickeln

Die Post hätte aber wohl auch bei einem Börsengang keinen Anteil an SPS behalten wollen. Seit Post-Chef Roberto Cirillo im April 2020 seine neue Post-Strategie vorgestellt hat, ist klar: Für SPS gibt es unter dem Post-Dach keine Zukunft mehr. Denn während sich das Wachstum von SPS in den letzten Jahren auf Kunden in Europa, Asien und den USA konzentrierte, will sich die Post auf die Dienstleistungen im Kerngeschäft fokussieren, sprich: auf Investitionen und Wachstum in den neu definierten Kernbereichen Logistik und Kommunikation, also in der Brief- und Paketpost und in irgendwelchen digitalen Diensten, die sich die Post aber noch zusammenkaufen muss.

Und dafür braucht die Post eben auch Geld, da kommt der Erlös durch den SPS-Verkauf gerade recht. Denn Cirillo will keine staatlichen Hilfen und keine staatlichen Fesseln:

«Wir verfolgen konsequent das Ziel, den Service public in der Schweiz mit eigenen Mitteln zu finanzieren und ihn weiterzuentwickeln».

Der Name bleibt - vorerst jedenfalls

Die neue Eigentümerin darf das Akronym «SPS» verwenden. Auch das Logo mit den Postfarben und dem Kreuz sowie der Name Swiss Post Solutions dürfen genutzt werden – zumindest übergangsweise bis Ende 2022. Ebenfalls Teil der Transaktion sind das gesamte Management sowie alle aktiven Mitarbeitenden der SPS Holding AG und deren Niederlassungen und Gesellschaften.