Swiss Post Solutions
Der Staatskonzern übt sich in marktwirtschaftlichen Manövern: Die Post-Tochter steht vor Börsengang

Post-Chef Roberto Cirillo baut um: Für die 2007 ursprünglich als Innovationseinheit gegründete Swiss Post Solutions (SPS) hats keinen Platz mehr. Sie soll verkauft werden.

Florence Vuichard
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Es soll wieder ein bisschen mehr werden: Post-Chef Roberto Cirillo will die Post zurück auf den Wachstumspfad bringen.

Es soll wieder ein bisschen mehr werden: Post-Chef Roberto Cirillo will die Post zurück auf den Wachstumspfad bringen.

Peter Klaunzer / Keystone

Es ist ein offenes Geheimnis: Seit rund einem Jahr ist klar, dass die Post ihre Tochterfirma Swiss Post Solutions (SPS) verkaufen will. Die aufs Dokumentenmanagement spezialisierte Firma passt nicht mehr zur neuen Strategie, mit der Post-Chef Roberto Cirillo den Konzern auf den Wachstumspfad zurückführen will und die auf drei Pfeilern fusst: auf einem wegen der Fusion von Brief- und Paketpost gestärkten Kerngeschäft, auf einem dank Drittmietern besser genutzten Poststellennetz und einem neuen, jedoch fast inexistenten Digitalgeschäft, das die Post noch aufbauen muss.

Das kostet Geld, und da kommt ein Verkauf von SPS gerade recht. Bei der Post hofft man auf 300 bis 400 Millionen Franken, wie es hinter vorgehaltener Hand heisst. Doch offenbar gestaltet sich der Verkauf schwieriger als erwartet. Das Interesse aus Private-Equity-Kreisen ist verhalten – vielleicht auch, weil trotz allem digitalem Anstrich das Dokumentenmanagement ein physisches Geschäft geblieben ist: Briefe werden noch immer von Hand sortiert, verteilt – oder eingescannt.

Börsengang ist eine von mehreren Option

Nun soll SPS also mittels Börsengang (IPO) verkauft werden. Das jedenfalls lässt sich aus dem Stelleninserat herauslesen, welches das Unternehmen laut der «Finanz und Wirtschaft» auf der Online-Jobplattform LinkedIn veröffentlicht hat. Demnach sucht SPS einen Head of Investor Relations, um «die strategische Planung, Führung und Betreuung der Investorenbeziehungen während und nach dem IPO» zu besorgen. Das sind klare Worte.

Die Post jedoch wiegelt ab: Es würden «laufend verschiedene strategische Optionen für die Zukunft» von SPS geprüft. «Ein Börsengang ist dabei ebenfalls eine dieser Optionen.» Es seien aber noch keine Entscheide gefallen, und es liege auch kein genauer Zeitplan vor. Einige Dossierkenner rechnen mit einem Börsengang im Herbst, andere sprechen von frühestens 2022.

Turbulente Geschichte mit vielen Neupositionierungen

Die SPS ist sich gewohnt, nicht immer zu wissen, wohin die Reise geht, hat sie doch eine recht turbulente Geschichte hinter sich. Ursprünglich gegründet wurde die Einheit 2007 in der Ära von Post-Chef Ulrich Gygi. Sie sollte neue, digitale Geschäftsmodelle suchen, insbesondere in den Bereichen eHealth und eGovernment. Also eigentlich entsprach SPS etwa dem, was Cirillo jetzt mit den digitalen Geschäftsfeldern wieder neu aufbauen will.

In den chaotischen Monaten unter Post-Präsident Claude Béglé wurde SPS dann zum strategischen Vehikel für eine gross angedachte Auslandsexpansion. Die spätere Konzernchefin Susanne Ruoff wiederum stutzte die Post-Tochter zu einer reinen aber profitablen Anbieterin von Dokumentenmanagement zurück, die mit ihren 7800 Mitarbeitenden in 25 Ländern einen Umsatz von 539 Millionen und ein Betriebsergebnis von 25 Millionen Franken erwirtschaftet.