Nachwuchs
Swiss sucht dringend Schweizer Piloten

Die Swiss sucht vergeblich Schweizer Piloten. Die Folge: In der Pilotenschule sitzen bereits jetzt 40 Prozent Ausländer.

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Flugzeuge der Swiss in Kloten

Flugzeuge der Swiss in Kloten

Keystone

Die Swiss schwebt finanziell auf Wolke sieben, doch personell läuft die Airline auf dem Zahnfleisch. Die Pilotenschule der Nachfolgerin Swiss klagt über zu wenig Nachwuchs. Deshalb muss die Schweizer Fluglinie auf ausländische Piloten zurückgreifen.

Deutsche nutzen die Gunst der Stunde

Gegen 40 Prozent der Absolventen der Pilotenschule Swiss Aviation Training (SAT), einer Tochtergesellschaft der Swiss, stammen inzwischen aus dem EU-Bürger. Die grosse Mehrheit stamme aus Deutschland, sagt Urs Schöni, Betriebsleiter SAT, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA. Unter den angestellten Piloten beträgt der Ausländeranteil 8,8 Prozent. Insgesamt 4,4 Prozent der Piloten haben einen deutschen Pass.

Die Deutschen integrierten sich zwar hervorragend, sagt Urs Schöni. Dennoch könne der hohe Ausländeranteil innerhalb der Firmenkultur für Probleme sorgen. Schwierig würde es etwa aus sprachlichen Gründen, wenn jemand nicht Mundart spreche.

Ausbildungsplätze bleiben leer

Insgesamt bewerben sich pro Jahr bei SAT 600 junge Leute um einen Piloten-Ausbildungsplatz. In den Klassen bleiben viele Stühle trotzdem leer. «Wir könnten jährlich 96 Personen ausbilden. 2010 konnten wir nur 82 Plätze füllen», sagt Urs Schöni.

Zu wenig Absolventen gibt es auch bei der Flugschule Horizon, die für Helvetic Airways rekrutiert. Gemäss Pressechef Nicolas Bachmann haben dieses Jahr 25 Schüler abgeschlossen.

Die Kapazitäten der Schule seien damit bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Ein Drittel der ausgebildeten Piloten fliegt für die Helvetic. Der Rest verteilt sich auf andere Organisationen.

Um trotz Nachwuchsmangel genügend Personen in die Klassen zu bringen, gibt die Swiss Pilotenanwärtern, die bei der Selektion kleine Unsicherheiten aufweisen, eine Chance.

Bazl spricht nicht von Mangel

Während der rund anderthalbjährigen Ausbildung prüfe die SAT die Schüler auf Herz und Nieren. «Fällt jemand durch, ist das auch zum eigenen Schutz», sagt Schöni. Jährlich bestehen weniger als fünf Personen die Ausbildung nicht. Insgesamt besassen gemäss Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) letztes Jahr schweizweit 2203 Personen eine Linienpiloten-Lizenz.

Ein Nachwuchsmangel betreffe das Bazl erst, wenn die Sicherheit verletzt würde, sagt Sprecher Anton Kohler. Massnahmen für mehr Pilotennachwuchs zu ergreifen, sei nicht Aufgabe des Bazl.

Für künftige Kapitäne macht sich dafür der Aero-Club der Schweiz (AeCS) stark. Er organisiert jedes Jahr ein Jugendlager, das 14- bis 16-Jährige an die Luftfahrt heranführt. Der Anlass sei mit 170 Teilnehmern regelmässig ausgebucht, sagt Jürg Wyss, Leiter Kommunikation AeCS.

Das Interesse an der Aviatik sei somit nach wie vor gross. Bezüglich der Pilotenausbildung stelle aber die Finanzierung für viele ein unüberwindbares Hindernis dar. Bei der SAT kostet der Weg ins Cockpit 140'000 Franken, bei Horizon 106'000 Franken.

«Die Finanzierung kann ein Wasserkübel sein, der sich über einen Funken ergiesst. Dabei muss daraus eine lodernde Flamme werden», sagt Wyss. Der Traumberuf Pilot habe an Attraktivität verloren.

Insbesondere das Grounding der Swissair habe zu einem nachhaltigen Imageschaden geführt, ergänzt Urs Schöni von SAT. Die Swissair und die Swiss hätten viele Piloten auf die Strasse gestellt und die Swiss lange mit der Rekrutierung gewartet.

Mittlerweile floriere das Unternehmen. Dennoch kündigten mehr Piloten als früher, die zusätzlich ersetzt werden müssten. «Die Einsätze sind sehr anstrengend. Die Leute sind müde.

Sie sehen sich nach anderen Optionen um». Das Salär sei immer noch gut, aber andere Branchen hätten aufgeholt. Wer früher des hohen Verdienstes wegen Pilot geworden sei, gehe heute eher zu einer Bank.

Tatsächlich verdienten Piloten bei der Swiss heute einiges weniger als vor dem Grounding, sagt Henning Hoffmann, Geschäftsführer der Pilotengewerkschaft Aeropers.

Hauptgrund dafür, dass die Piloten den Beruf wechselten, dürften aber strenge Arbeitsbedingungen wie wenig Freizeit und instabile Einsatzpläne sein.

«Dass Piloten als Kosmopoliten die Welt sehen, ist eine Mär von früher», resümiert Hoffmann. Um die Attraktivität des Berufes zu steigern, sei der Arbeitgeber gefordert. «Fliegen ist immer noch toll. Entscheidend sind die Arbeitsbedingungen».