Reisebranche
Swiss verhindert mit Veto, dass Hotelplan mit tschechischer Airline fliegt

Die Airline Edelweiss legte erfolgreich ihr Veto dagegen ein, dass Hotelplan seine Ägypten-Flüge an eine tschechische Fluglinie vergab. Dem Migros-Reisekonzern entstehen Zusatzkosten. Nun wird er beim Bund vorstellig.

Benjamin Weinmann
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Swiss-Tochter Edelweiss zwingt sich Hotelplan auf.

Swiss-Tochter Edelweiss zwingt sich Hotelplan auf.

Keystone

Nach dem Grounding der Charterairline Hello im Oktober musste Hotelplan-Chef Thomas Stirnimann rasch eine neue Fluggesellschaft für seine Reisekunden auf 35 Flügen pro Woche finden. Bei der tschechischen Travel Service Airlines wurde er fündig. Zuvor wurden auch Schweizer Airlines angefragt, doch konnten sie preislich nicht mit der ausländischen Konkurrenz mithalten.

Doch Stirnimann hatte die Rechnung ohne das Bundesamt für Zivilluftfahrt gemacht. Denn Artikel 108 der Luftfahrtverordnung aus dem Jahre 1973 hält fest, dass ausländischen Fluggesellschaften zwar eine Betriebsbewilligung erteilt werden kann, allerdings nur, wenn sie «keine wesentlichen schweizerischen Interessen» beeinträchtigen. Diesen alten Gesetzespassus hat Edelweiss, beziehungsweise ihre Schwester-Airline Swiss, für die Ägypten-Flüge von Hotelplan ausgenutzt und ihr Veto eingelegt. Mit Erfolg: Gestern kam es zu einer Einigung zwischen Stirnimann und Swiss-Chef Harry Hohmeister: «Die Swiss beharrte bis zum Schluss auf ihr Veto-Recht», sagt Stirnimann.

Die vier wöchentlichen Flüge von Zürich und Genf nach Sharm el-Sheikh und Hurghada finden ab Ende März praktisch zur selben Zeit wie vorgesehen statt. Ursprünglich plante Hotelplan jedoch neun Flüge. «Da Edelweiss aber rigide Annullationsbedingungen hat, musste das Flugvolumen reduziert werden», sagt Stirnimann.

Stirnimann macht keinen Hehl aus seinem Missmut. Denn das Angebot von Edelweiss ist deutlich teurer als jenes von Travel Service Airlines. Aber weil Stirnimann seine Kunden nicht mit höheren Preisen vor den Kopf stossen will, muss Hotelplan die Zusatzkosten auf die eigene Kappe nehmen. Dabei hatte bereits das Hello-Grounding rund eine Million Franken gekostet. Wie viel nun das Edelweiss-Intermezzo kostet, will Stirnimann nicht sagen.

Laut Bazl-Sprecher Urs Holderegger wird diese protektionistische Praxis auch in Deutschland, Frankreich und England ähnlich gehandhabt. Stirnimann erachtet sie trotzdem als veraltet: «Wir werden sicher das Gespräch mit dem Bazl suchen, um eine liberalere und modernere Lösung zu finden. Sonst droht uns dieses Szenario Jahr für Jahr wieder.» Und Stirnimann setzt ein Fragezeichen bezüglich der Swissness der Swiss: «Die Swiss ist zwar in der Schweiz beheimatet, gehört aber der Lufthansa.» Ironie der Geschichte: Es war Stirnimann, der die Edelweiss 1995 gründete, als er noch bei Konkurrent Kuoni tätig war. 2008 wurde sie an die Swiss verkauft.