Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Grounding als erster Rückschlag seit langer Zeit – wie die Swiss zur Erfolgsgeschichte wurde

100 Flüge mussten in den letzten Tagen annulliert werden: Doch ein Blick in die Geschichte zeigt, dass die Swiss Krisen meistern kann.
Andreas Möckli
Der Vorzeige-Flieger von Bombardier soll der Swiss Treibstoff und damit Geld sparen, nun machen die Triebwerke grosse Probleme. (Bild: Walter Bieri/Keystone)

Der Vorzeige-Flieger von Bombardier soll der Swiss Treibstoff und damit Geld sparen, nun machen die Triebwerke grosse Probleme. (Bild: Walter Bieri/Keystone)

Eigentlich dürfte es die Swiss gar nicht mehr geben. Die Kritik an der Swissair-Nachfolgerin kennt in ihren Anfangsjahren kaum Grenzen. «Als habe sich die ganze Nation hinter die Kritiker der ersten Stunde geschart», schreibt die Gewerkschaftszeitung «Work» 2003 treffend. Medien, Ökonomen und Politiker geisseln die Swiss: Keine Strategie, zu grosse Flotte, ein zerstrittenes Piloten-Corps, zu viele Berater oder die alte Arroganz von einst sind einige Stichworte dazu.

André Dosé war zwischen 2001 bis 2004 Swiss-Chef. (Bild: Kenneth Nars)

André Dosé war zwischen 2001 bis 2004 Swiss-Chef. (Bild: Kenneth Nars)

«Wir wurden täglich von allen Seiten kritisiert», beschreibt der damalige Swiss-Chef André Dosé im Gespräch mit dieser Zeitung die Situation. Das Grounding der Swissair, nichts weniger als ein nationales Trauma, darf sich auf keinen Fall wiederholen. Das sagt auch Dosé. Der Schock des Groundings habe lange nachgewirkt. «Kaum jemand traute uns zu, dass wir mit der Swiss Erfolg haben werden, ein Scheitern nur eine Frage der Zeit.»

Und so wird fast jeder einzelne Schritt von Dosé und Präsident Pieter Bouw beinahe mikroskopisch geprüft und kritisch hinterfragt. Die richtige Flottengrösse wird zum nationalen Politikum. «Jedem Kind war geläufig, dass wir mit jeweils 26 Lang- und Mittelstreckenfliegern starten», sagt der ehemalige Crossiar-Pilot lachend. Ob die geplante Flotte nicht grössenwahnsinnig sei, wird er etwa vom «Tages-Anzeiger» in einem Interview gefragt.

André Dosé zum Zuschauer degradiert

Die Swiss startet mit denkbar ungünstigen Vorzeichen: Auf die Terroranschläge am 11. September 2001 folgen der Irak-Krieg und das Sars-Virus. Mit rund 4 Milliarden Franken von Bund, Kantonen und Wirtschaft nimmt die Airline die Arbeit auf. Die Flotte ist zu klein, um alleine rentabel zu sein. Aber auch zu gross, um ein attraktiver Partner für eine der Airline-Allianzen zu sein. Schon bald türmen sich die Verluste. Allein im Jahr 2002 beträgt das Minus fast eine Milliarde Franken. Dosé spricht von den schwierigsten Jahren für die Swiss, aber auch für die ganze Branche. «Die Auslastung der Flüge nach Asien brach wegen des Sars-Virus über Nacht ein.»

Dass Misstrauen im Land ist immens. Dosé und Bouw wenden sich mit seitengrossen Inseraten an die Bevölkerung. Darin versuchen die beiden etwa zu wiederlegen, wieso der Swiss schon bald ein Grounding droht. Dosé verkleinert zwar die Flotte und baut massiv Personal ab, doch er bleibt nicht ohne Fehl und Tadel. So fordert Dosé vom Bundesrat fast schon ultimativ Steuererleichterungen. Doch die Landesregierung denkt nicht daran, der Swiss Zugeständnisse zu machen. «Die Swiss muss sich aus eigener Kraft am Markt behaupten», stellt der damalige Verkehrsminister Moritz Leuenberger klar.

In der Folge sucht die Swiss fast schon verzweifelt Anschluss an eine der Airline-Allianzen. British Airways als Anführer der Allianz Oneworld zeigt Interesse, mehr als eine Absichtserklärung unterzeichneten die Briten mit der Swiss jedoch nie. Und so geht Dosé auf die deutsche Lufthansa zu. «Ich nahm schon zu Beginn Gespräche auf. Doch damals war Lufthansa skeptisch, wir mussten uns erst beweisen», sagt der 62-Jährige.

Lufthansa und die Swiss werden sich jedoch erst handelseinig, als Dosé nur noch als Zuschauer an der Seitenlinie steht. Er stolpert über einen Vorfall aus der Vergangenheit: Die Bundesanwaltschaft nimmt Dosé und weitere Ex-Crossair-Manager wegen des Flugzeugabsturzes in Bassersdorf im November 2001 ins Visier. Später wird er freigesprochen.

Mit dem VW-Bus zu den Verhandlungen mit Lufthansa

Auf Dosé folgt Christoph Franz. Der Deutsche nimmt neuen Anlauf mit der Lufthansa. Er soll seine gesamte Geschäftsleitung in seinen silbrigen VW-Bus gepackt haben und mit ihnen im März 2005 in den Schwarzwald zu den Verhandlungen gefahren sein, überliefert die «Bilanz» die Entstehungsgeschichte. Bald darauf einigen sich die beiden Airlines auf einen Deal. Zwei Jahre später übernimmt die Lufthansa die Swiss komplett.

Der Preis führt zu Empörung. Die Deutschen kaufen die Swiss zum «Aldi-Preis», titelt der «Tages-Anzeiger», andere sprechen von einem Schnäppchenpreis oder einem Butterbrot. Tatsächlich ist der Kauf der Swiss für knapp 340 Millionen Franken im Rückblick ein veritabler Coup für Lufthansa. Im Jahr 2008, als die Übernahme formell abgeschlossen wird, erzielt Swiss einen Betriebsgewinn von 507 Millionen Franken.

Einst dem Untergang geweiht, entwickelt sich die Swiss zu einer Erfolgsgeschichte. Das hat auch viel mit den deutschen Eignern zu tun. Lufthansa sorgt dafür, dass Swiss nun endlich in eine Allianz aufgenommen wird. Im Zuge der Übernahme wird Swiss Teil der Star Alliance, die von den Deutschen angeführt wird. Dies hilft Franz und seinem späteren Nachfolger Harry Hohmeister, das Streckennetz zu optimieren und die Umsteigeverbindungen in Zürich zu verbessern. Gleichzeitig streichen die beiden unrentable Flüge, legen sich mit den Piloten an und bauen Stellen ab.

Schon bald steigt die Swiss innerhalb des Lufthansa-Konzerns zur «Ertragsperle» auf, wie Wirtschaftsmedien gerne schreiben. Die Flotte wird laufend erneuert, das Wirrwarr verschiedener Fliegertypen wird reduziert. Im Jahr 2009 bestellte die Lufthansa-Tochter 30 Maschinen des Typs C-Series der Firma Bombardier für über eine Milliarde Franken. Swiss ist die erste Airline, die den neuen Flieger bestellt. Er bringt mehr Platz und verbraucht weniger Kerosin. Nicht zuletzt deshalb verbessern sich die Ergebnisse nochmals. Das vergangene Jahr ist das Beste in der Geschichte. Nun folgt mit dem temporären Grounding genau dieser Flieger der erste Rückschlag seit langem. Wird die milliardenschwere Beschaffung zum Bumerang?

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.