Kommentar

Swiss wirft politisch unkorrekte Schoggi raus: Wenn sich Konzerne als Meinungswächter aufspielen

Coca-Cola lanciert eine politische Kampagne, und die Swiss setzt mit einer Lieferanten-Kündigung ein Signal: Brauchen wir wirklich Konzerne, die sagen, was gut und was böse ist? 

Patrik Müller
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Patrik Müller

Patrik Müller

Wer mit Swiss fliegt, bekommt mit etwas Glück Pralinés des Glarner Chocolatiers Läderach. Jetzt, nach zehn Jahren, hat Swiss die Zusammenarbeit gekündigt, wie der «Beobachter» berichtet. Warum? Weil ihre Manager in der Zeitung lasen, dass Firmenchef Johannes Läderach konservative Ansichten hat. Nicht die Pralinés, aber Schlagzeilen wie «Schoggi-König kämpft gegen Abtreibung und Homosexuelle» gerieten den Managern in den falschen Hals.

Als Journalist begegnet man immer wieder Gewerblern und Unternehmern, die sich im kleinen Kreis als spannende Querdenker entpuppen – mit Ansichten, die oft konservativ, politisch inkorrekt, manchmal aber auch radikal grün sind. Fragt man diese Unternehmer für ein Interview an, winken sie ab: geschäftsschädigend! Also lieber still bleiben.

Eine bedenkliche Entwicklung, zu der auch Aktionen wie jene von Coca-Cola beitragen. Der Konzern kämpft mit einer Regenbogen-Kampagne gegen die Diskriminierung von Homosexuellen. Mit seiner Botschaft ist jeder vernünftige Mensch einverstanden, aber die PR-Brause hinterlässt einen Nachgeschmack: Stecken wirkliche Überzeugungen dahinter, oder ist es bloss Zeitgeistsurfen? Soll jetzt Cola-Trinken zu einem politischen Akt werden?

Wenn sich Konzerne als Meinungswächter gebärden, ist Misstrauen angezeigt. Ginge es ihnen tatsächlich um die edle Sache, würden sie kein Gedöns draus machen, sondern in ihren Firmen die (angeblichen) Überzeugungen leben. Eine liberale Gesellschaft braucht keine Konzerne, welche die Welt in gut und böse einteilen.

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