Telekom
Swisscom foult beim TV-Sport: Konkurrenz protestiert

Swisscom stockt den Anteil bei Cinétrade auf 75 Prozent auf. Der Netzbetreiber verspricht sich dadurch ein breiteres Angebot an Sportübertragungen. Die Kabelbranche protestiert und hofft auf die Wettbewerbskommission.

Matthias Niklowitz
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Swisscom, der grösste Telekom-Netzbetreiber der Schweiz, stockt seinen Anteil an Cinétrade von 49 auf 75 Prozent auf. Das gab das Unternehmen gestern bekannt. Cinétrade ist laut eigenem Bekunden «das führende Schweizer Filmrechte- und Content-Handelsunternehmen».

«Damit sichert sich Swisscom die langjährige Erfahrung des Cinétrade-Teams im Geschäft mit Filmen und Sportübertragungen», hiess es in der Mitteilung von Swisscom weiter. Dank des Engagements von Swisscom und Cinétrade würden Sportinteressierte von einem viel breiteren Angebot an Liveübertragungen sowohl im Free-TV wie auch im Pay-TV profitieren, zeigt man sich bei Swisscom erfreut.

«Marktbeherrschende Stellung»

Gar nicht erfreut ist die Konkurrenz. «Nach der Übernahme der Cinétrade zu 75 Prozent ist diese faktische Kontrolle auch eine rechtliche Kontrolle», hiess es in einer Stellungnahme von Swisscable, dem Verband der Schweizer Kabel-TV-Unternehmen. «Die Übernahme der Cinétrade durch die Swisscom verschärft die Dringlichkeit der Untersuchung durch die Wettbewerbskommission», lässt sich Geschäftsführerin Claudia Bolla-Vincenz in einer Stellungnahme zitieren. «Es darf nicht sein, dass die marktmächtige Swisscom die Sportrechte komplett monopolisieren kann.»

Marc Maurer, Sprecher von UPC Cablecom, doppelt nach: «Die Übernahme von Cinétrade durch Swisscom macht eine Untersuchung der Wettbewerbskommission umso dringlicher, da die Gefahr besteht, dass Swisscom die Premium-Inhalte der konkurrierenden Infrastrukturbetreiber diktiert.»

Auch Sunrise-Sprecher Tobias Kistner kritisiert: «Swisscom verfügt in vielen Bereichen über eine marktbeherrschende Stellung und es besteht die Gefahr, dass sie diese Stellung in andere Märkte überträgt.»

Die Wettbewerbskommission (Weko) untersucht seit dem 4. April die Angelegenheit. «Die Weko fand Anhaltspunkte dafür, dass Cinétrade und Swisscom im Bereich der Übertragung von Live-Sport im Pay-TV marktbeherrschend sind und diese Stellung missbrauchen», heisst es in einer Erklärung zur Eröffnung der Untersuchung. Anhaltspunkte können diskriminierende Zugänge oder unzulässige Bündelangebote sein.

Kabelnetzbetreiber reagieren

In der Untersuchung der Weko steht die Frage im Vordergrund, ob Cinétrade konkurrierenden TV-Plattformanbietern von Swisscom TV bestimmte Angebote ungerechtfertigterweise verweigert. «So ein Verfahren dauert rund 18 Monate, wenn sich der Untersuchungsgegenstand im Laufe des Verfahrens nicht verändert oder von den Parteien weitergezogen wird», sagte eine Weko-Sprecherin auf Anfrage. «Das dauert uns viel zu lange», erklärt Claudia Bolla-Vincenz. Swisscable will nächste Woche über weitere rechtliche Schritte in Zusammenhang mit der Cinétrade-Transaktion informieren.