Swisscom kauft local.ch und search.ch

Der Telekommunikationskonzern Swisscom übernimmt das bisher gemeinsam mit Tamedia gehaltene Unternehmen Swisscom Directories vollständig. Der Zürcher Medienkonzern erhält dafür 220 Millionen Franken.

Christian Mensch
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Die Swisscom wird alleinige Aktionärin vom Verzeichnisdienst Swisscom Directories, zu dem local.ch gehört. (Bild: PD)

Die Swisscom wird alleinige Aktionärin vom Verzeichnisdienst Swisscom Directories, zu dem local.ch gehört. (Bild: PD)

Der Zusammenschluss von local.ch und search.ch wurde vor vier Jahren als Akt nationaler Selbstbehauptung gepriesen. ­Damit werde «die Basis für eine langfristige Sicherung einer echten Schweizer Alternative für ­lokale Werbung zu den grossen internationalen Werbeplattformen (Google, Facebook) und den Computer- und Betriebssystem-Anbietern (Apple, Microsoft) geschaffen», heisst es im Fusionsbericht. Die Wettbewerbs­kommission liess sich davon überzeugen: Swisscom und Tamedia, die Eigner der Plattformen, durften diese betrieblich in der Swisscom Directories AG zusammenlegen.

Das Versprechen ist nun Makulatur. Tamedia nimmt die vertraglich zugesicherte Option bei erstbester Gelegenheit wahr und verkauft ihren Anteil an die Swisscom. Für seine 31-Prozent-Beteiligung erhält der Zürcher Medienkonzern 220 Millionen Franken. Oder anders gesagt: Das Swisscom-Geschäft mit der elektronischen Vermarktung von Schweizer Adressen über eine Suchmaschine hat einen Wert von 710 Millionen Franken.

Tamedia löst einen stolzen Preis für search.ch, welches sie in die Firma eingebracht hatte. Aus der Fusionsbilanz geht hervor, dass diese Plattform 2014 lediglich einen Jahresumsatz von 35 Millionen Franken machte und als Gewinn eine schwarze Null schrieb. Um beim Zusammenschluss zumindest ein positives Eigenkapital vorzuweisen, tilgte die Tamedia einen Verlustvortrag von 13 Millionen Franken. Die Swisscom erwirtschaftete im Jahr 2014 mit ihrer Plattform local.ch immerhin einen Umsatz von 144 Millionen Franken und wies einen zweistelligen Millionengewinn aus.

Wert hat stetig abgenommen

An Wert hat das Unternehmen seit der Fusion nicht zugelegt. Für search.ch standen Anschaffungskosten in Höhe von 222 Millionen Franken in den Büchern der Swisscom Directories. Das Versprechen auf eine goldene Zukunft (Goodwill) übertraf mit 187 Millionen Franken um ein Mehrfaches den effektiven Unternehmenswert, der auf 35 Millionen Franken festgelegt wurde. Zwar stieg die Bewertung für den Tamedia-Anteil Ende 2016 kurzfristig auf 233 Millionen Franken. Seither ist er jedoch rückläufig und betrug Ende 2018 noch 220 Millionen Franken. Hätte Tamedia mit dem Verkauf zugewartet, wäre der Preis wohl weiter gefallen.

Die hehre Absicht eines nationalen Bollwerks hat sich allerdings längst in Luft aufgelöst. Spätestens, nachdem die Swisscom zusammen mit Ringier und der SRG die Werbeallianz Admeira geschmiedet hatte, liegen Swisscom und die dabei ausgeschlossene Tamedia übers Kreuz. Mehr noch: Die Rolle, eidgenössischer Konterpart zu Google zu sein, wird aktiv unterlaufen. Ende Oktober kündete die Swisscom mit Google eine «vertiefte Partnerschaft» an: Local.ch werde Gewerbetreibenden beratend zur Seite stehen, die eine Online-Werbekampagne mit Google planten.

So hat es sich die Wettbewerbskommission nicht vorgestellt, als sie vor vier Jahren dem Deal den Segen gab.