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SWISSMEM: Die Industrie plant ihr langfristiges Comeback

Steigende Exporte bringen wieder Wachstum und neue Jobs. Doch hinter der nächsten Ecke lauern neue Probleme jenseits des Frankens. Der Verband will Umschulungen fördern.
Weniger Aufträge: Der Verband der Maschinenindustrie Swissmem erwartet in der zweiten Jahreshälfte einen beschleunigten Arbeitsplatzabbau. (Bild: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

Weniger Aufträge: Der Verband der Maschinenindustrie Swissmem erwartet in der zweiten Jahreshälfte einen beschleunigten Arbeitsplatzabbau. (Bild: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

Die gute Nachricht vorab: Die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (Mem) sieht Licht am Ende des Tunnels. Drei Jahre nach dem letzten Frankenschock weisen die Zahlen aufwärts. 2017 hat die Branche ihr Auftragsvolumen im Vergleich zum Vorjahr wertmässig um 7,5 Prozent gesteigert. Im Schlussquartal belief sich die Zunahme sogar auf nahezu 30 Prozent. Doch das Wachstum ist nicht zuletzt deshalb so stark, weil es von einer sehr tiefen Basis in den Vorjahren ausgeht. Die Frankenschocks im Zuge der Finanz- und Schuldenkrise haben tiefe Scharten in die Industrie gerissen. Das zeigt sich in der Beschäftigung, die mit 322 100 Personen immer noch weit unter dem historischen Höchststand von 355 000 Personen aus dem Jahr 2008 liegt. Immerhin sind 2017 4500 neue Jobs entstanden, und Swissmem-Präsident Hans Hess erklärte gestern auf der Jahresmedienkonferenz des Verbandes: «Ich würde fast meine Hand ins Feuer legen, dass die Industrie auch in diesem Jahr wieder mehr Jobs schaffen wird.»

Die Freude in den Mem-­Betrieben ist allerdings geteilt. Das Ergebnis einer Befragung der Mitgliedsfirmen zeigt, dass 44 Prozent der Firmen immer noch mit einer unbefriedigenden Ertragslage kämpfen. 15 Prozent der Firmen sind in der Verlustzone geblieben – die Quote hat sich zwar halbiert, ist aber auch für Hess immer noch enttäuschend hoch. Doch im Unterschied zu früheren Jahren verkneift sich der Verband das Klagen über die anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse.

Lücken im Fachkräfteangebot

Klagen ist der Attraktivität eines Sektors im Wettbewerb um talentierte Arbeitskräfte wenig förderlich. Der Kampf um Talente und Fachkräfte wird sich in den nächsten Jahren unabhängig vom Konjunkturzyklus weiter verschärfen. Dafür sorgt die demografische Entwicklung. Um die absehbaren Lücken im Fachkräfteangebot zu füllen, braucht es neue Ideen, zumal der Import von Fachkräften aus den umliegenden Ländern keine langfristige Lösung sein kann. Swissmem wittert eine Chance in der Digitalisierung. Der technologische Strukturwandel werde zahlreiche gestandene Berufsfachleute freisetzen, weil deren Fertigkeiten im Zeitalter der Automatisierung nicht mehr gefragt seien. Swissmem will diese Berufsleute für ihre Mitgliedsfirmen nutzbar machen. Dazu hat der Verband ein Modell entwickelt, mit dem qualifizierte und umschulungswillige Personen in eine neue qualifizierte Tätigkeit überführt werden können. Die Idee hinter dem Konzept besteht darin, die vielfältigen Erfahrungen, die diese Berufsleute im Lauf ihres Arbeitslebens bereits gesammelt haben, weiter zu nutzen und mit den spezifischen Kompetenzen, die in der neuen Tätigkeit erforderlich sind, zu ergänzen. Das Konzept ist sinnvoll, denn heutzutage finden ältere Semester oft nur noch mit Mühe in den Arbeitsmarkt zurück. Vielfach geht der Rückkehr eine längere Phase der Arbeitslosigkeit voraus. Die Rückkehrer müssen dann häufig mit niedrigqualifizierten und tief bezahlten Tätigkeiten vorliebnehmen, obschon sie aus ihrem Vorleben einen gut gefüllten Rucksack mit beruflichen Qualifikationen mitbringen. Swissmem hat nach Gesprächen mit Dachverbänden und verschiedenen Bundesstellen ein Modell erarbeitet, wie die mit einem Lohnausfall verbundene Umschulung für die Betroffenen finanzierbar gemacht werden kann. Im laufenden Jahr soll ein Pilotprojekt mit einer Handvoll ausgewählten Unternehmen gestartet werden.

Daniel Zulauf

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